SIMONE MOLITOR

Lachende und begeisterte Kinder waren Bilder, die sich einem früher eher selten in Theater-, Kultur- oder Konzerthäusern boten. Mittlerweile tun sie es alle, oder fast alle: ein speziell auf Kinder jeden Alters zugeschnittenes Programm bieten. Immerhin sind die Kleinsten das Publikum von morgen, das es möglichst früh mit der Kultur in Kontakt zu bringen gilt. Und es funktioniert. Mit großer Begeisterung nehmen Familien das Angebot wahr. Die künftige Generation an Zuschauern hat ihren Treueschwur geleistet. Die Zukunft der Kultur ist gesichert. Willkommen in Utopia! Ganz so einfach ist es natürlich doch nicht. Denn zwischen den Kleinen und den Großen klafft immer noch eine Lücke. Die Jugend hat das Interesse an Kunst, klassischer Musik, Theater und Konsorten verloren! Das ist selbstverständlich ein Klischee, dafür aber eines, das sich hartnäckig hält.

Wie viel Wahrheit steckt also dahinter? Kann man der Jugend von heute tatsächlich totales Desinteresse an der Kultur vorwerfen? Und wenn ja, wer ist schuld, wem sollte man den Schwarzen Peter zuschieben? Vorlieben für Sport, Musik, Theater, oder was auch immer, sind eher selten angeboren, sondern entwickeln sich vielmehr mit der Zeit. Interessen bilden sich parallel zur Entwicklung der Persönlichkeit, während, sagen wir mal, der ersten 20 Lebensjahre. Um diese Behauptung aufzustellen, muss man weder Psychologe noch Wissenschaftler sein. Jeder hat diese Erfahrung zweifellos selbst gemacht.

Da Jugendliche keine homogene Gruppe sind, kann und darf man sie auch nicht alle in einen (klischeehaften) Topf schmeißen. In welche Richtung sich die Interessen festigen, hängt im Grunde genommen - zu großen Teilen zumindest - mit der Erziehung, dem sozialen Umfeld, der Bildung und letztlich der Schule zusammen, demnach oftmals auch mit dem Lehrpersonal. Also sind die Verantwortlichen gefunden: An den Pranger mit den Eltern und Lehrern! Sie sind schuld, dass die junge Alterskategorie in den Zuschauerrängen der Theater- und Kulturhäuser fehlt. Ihnen kommt schließlich die Rolle zu, Interesse zu wecken, auf den Geschmack zu bringen, Neues entdecken zu lassen. Nein, auch dies wäre eine zu einfache Erklärung, obwohl ein gewisser Zusammenhang definitiv nicht zu leugnen ist.

Fehlt es möglicherweise einfach am passenden Angebot? Treffen die Verantwortlichen der Kulturinstitutionen mit ihren jeweiligen Programmen schlicht nicht den Nerv der Jugend? In dieser Frage dürfte des Pudels Kern stecken. Teilweise zumindest, denn es gibt inzwischen viele gute Initiativen. So versuchen etwa das „Kulturhaus Miersch“ und das „Kinneksbond Mamer“ die Alterssparte der Zwölf- bis 19-Jährigen mit ihrem neuen Gemeinschaftsprogramm „Culture UP!“ zu erreichen. Weitere Bestrebungen laufen in anderen Institutionen. Dass es hierzulande eine Nische in diesem Kontext gibt, ist kein Geheimnis, sie zu füllen allerdings eine große Herausforderung. Derweil Schulvorstellungen oftmals gut gefüllt sind, bilden freiwillige Besuche noch zu häufig die Ausnahme. Doch war es früher anders? Sind wir als Teenager ins Theater gegangen? Selten bis gar nicht, oder?

Obwohl sich zweifelsohne ein langsamer Wandel bemerkbar macht - so desinteressiert ist die Jugend nämlich überhaupt nicht -, kann es nicht schaden, die Tür zu Kunst und Kultur noch einen Spalt breiter für sie zu öffnen.