LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Premier schleuste angeblich einen Informanten in den Geheimdienst ein

Schon lange vor der „Uhren“-Affäre muss das Vertrauen zwischen Premier Juncker und dem Geheimdienst tief zerrüttet gewesen sein. Gestern meldete RTL Radio dass der Staatsminister seinen ehemaligen Chauffeur, einen Polizisten, als „Vertrauensmann“ im Geheimdienst platziert hatte.

Äußerst angespanntes Vertrauensverhältnis

Der Mann, der seit 2006 dort gewesen sei, habe sich dort über Interna des SREL informiert. Dass er den Premier mit Informationen aus dem Dienst versorgte, liegt auf der Hand. Laut RTL sei er im SREL auch als „Mann des Premiers“ aufgetreten.

Ein Gebahren, das nicht unschuldig daran gewesen sei dass nicht nur der ehemalige Geheimdienstdirektor Marco Mille, sondern vor ihm auch sein Operationschef Frank Schneider und weitere hohe SREL-Mitarbeiter den Dienst verließen.

Ob der Umstand, dass Juncker einen „Maulwurf“ im Geheimdienst platzierte, wohl auch direkter Auslöser der Aktion Milles war, im Januar 2007 heimlich ein Gespräch mit dem Premier aufzuzeichnen? Welche Rolle spielte Junckers Mann bei der Aufdeckung der Uhren-Aktion?

So langsam kommen jedenfalls immer mehr Informationen über das angespannte Vertrauensverhältnis zwischen dem Premier und seinem - nach Darstellung der Geheimdienstdirektoren selbst - nicht ganz transparenten und effizienten „Service de Renseignement“ ans Tageslicht. Am 25. Januar tritt Jean-Claude Juncker vor dem Untersuchungsausschuss in den Zeugenstand, während kommenden Dienstag der langjährige SREL-Direktor Charles Hoffmann (1985-2003) vom Ausschuss befragt wird.

Illegaler Lauschangriff auf Cargolux-Mitarbeiter?

Radio 100,7 wartete gestern noch mit einer anderen interessanten Meldung bezüglich der möglicherweise illegalen Abhöraktionen des SREL in den Jahren 2007 und 2008 auf. Der aktuelle Direktor Patrick Heck hatte am vergangenen Freitag zu Protokoll gegeben dass Telefonnummern abgehört wurden, die nicht auf der Liste der ordnungsgemäß genehmigten Nummern zu finden sind. Marco Mille sagte seinerseits, er wisse nichts von solchen Aktionen. Laut soziokulturellem Radio befindet sich unter den nicht genehmigten Nummern jene eines ehemaligen Cargolux-Mitarbeiters. Patrick Heck hatte bereits vor einer Woche angedeutet dass ein Lauschangriff auf ein luxemburgisches Unternehmen erfolgte. Wer das autorisierte, ist bislang nicht bekannt. Wie Radio 100,7 weiter meldete, hat der SREL die Autoritäten über mögliche Risiken bei Cargolux informiert. Dem Vernehmen nach geht es dabei um Flüge in den Iran. Bei der abgehörten Person soll es sich laut RTL Radio um einen Manager handeln, der öfters in arabischen Ländern unterwegs war und Mitglied des „Luxembourg Board of Economic Development“ war.