Eine lebende Legende im wahrsten Sinne des Wortes, treffender kann man den Veteranen der hohen Kunst des modernen Schlagzeugspiels, den am 13. März 1925 geborenen hochkarätigen amerikanischen Drummer Roy Haynes nicht bezeichnen. Kaum ein anderer Musiker hat in stilistisch so unterschiedlichen Richtungen mitgemischt und kein zweiter war, bis vor kurzem, im Alter von fast 90 Jahren auf Tournee. Von Louis Armstrong bis Charlie Parker, über Miles Davis und Chick Corea bis hin zu Gary Burton und Pat Metheny, so beeindruckend abwechslungsreich ist die Spannweite seiner Präsenz als Sideman prominenter Superstars der letzten sieben Jazzdekaden.
Nicht nur dass der viel begehrte Künstler des Öfteren als weltweit bestgekleideter Jazzmusiker in der Fachpresse erwähnt wird, auch in punkto Auszeichnungen hat der geniale Begleiter unzähliger Jazzgrößen, neben seinen zahlreichen Erfolgen als Pol-Sieger, rare Trophäen wie die Ehrendoktorwürde des Berklee College und die Wahl in die Hall Of Fame der International Academy of Jazz aufzuweisen.
Lange Zusammenarbeit mit Stan Getz
Erste internationale Aufmerksamkeit erlangte Haynes bereits in den 1950er Jahren als langjähriger Begleiter von Sarah Vaughn und durch seine regelmäßige Kollaboration mit Stan Getz von 1950 bis 1970. Haynes war im Laufe seiner Bilderbuchkarriere maßgeblich an vielen historischen Ereignissen beteiligt, wobei einige Projekte als Meilensteine des Modern Jazz eingestuft werden. Das 1958 eingespielte Album „Live At The Five Spot“ unter Leitung des Kultpianisten und Komponisten Thelonius Monk oder sein Mitwirken auf John Coltranes „Impressions“ gehören ebenso zu wegweisenden Stilikonen der Jazzgeschichte wie Pharoah Sanders‘ „Jewels Of Thought“ mit dem berühmten „Hum-Allah“ von 1969. Auch bei der aufsehenerregenden, Grammy-nominierten „Trio Music“ -Produktion des Pianisten Chick Corea aus dem Jahre 1984 mit Miroslav Vitous am Kontrabass war Haynes die treibende Kraft.
Zu den wichtigsten Arbeiten als Leader gehört ohne Zweifel sein Tribut an Charlie Parker mit der Platte „Birds Of A Feather“ mit Altsaxofonist Kenny Garret und Trompeter Roy Hargrove aus dem Jahre 2001, in dem der rastlose Veteran zum Schlagzeuger des Jahres gewählt wurde. Dass Haynes häufig von John Coltrane als bevorzugter Ersatzmann für Elvin Jones eingesetzt wurde oder er zur Feier des 70. Geburtstages des legendären Art Blakey am Schlagzeug sitzen durfte, spricht für sich.
2005 im Atelier
Als ich Mitte der 1990er Jahren den souveränen, unermüdlichen Drummer zusammen mit Jacky McLean beim „North Sea Festival“ in Den Haag zum ersten Mal live erlebte, gehörte er schon zu den begehrtesten Pionieren der Jazzszene und ebenso vital konnte man ihn noch 2005 im hauptstädtischen Atelier mit seinem Quartett „Fountain Of Youth“ genießen. Heute bläst der ewig Junggebliebene, der auf eine der spannendsten Jazzkarrieren zurückblicken kann, 90 Kerzen aus, ein Tag den er bestimmt mit seinem Sohn, dem Kornettisten Graham Haynes, und seinem Enkel, dem Schlagzeuger Marcus Gilmore, feiern wird.



