LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

„Fondation Enovos“ zeichnet sechs beste Abschlussarbeiten mit „Prix d’excellence“ aus

Eine besondere Ehrung für sechs clevere Nachwuchs-Ingenieure: Die „Fondation Enovos“ und ihre Partner, der Verein Vinci und die „Association Nationale des Etudiants Ingénieurs Luxembourgeois“, haben zum fünften Mal Studenten für ihre Abschlussarbeiten der Ingenieurwissenschaften ausgezeichnet. Dieser „Prix d’excellence“ wird verliehen, um Studium und Laufbahn von Ingenieuren aufzuwerten und den Fortschritt der Wissenschaften für eine nachhaltigere Lebensqualität zu unterstützen. Eine Jury aus sechs Ingenieuren hat aus 16 Abschlussarbeiten die sechs besten ausgewählt. Als Preisgeld bekamen die Absolventen 2.500 Euro. Ausgezeichnet wurden Eric Heinen mit „Mention Excellent“, Tom Steichen und Marc Dielissen mit „Mention Très Bien“ sowie Michel Bichler, Françoise Tock und Gilles Cosyn jeweils mit „Mention Bien“. Der Preis steht unter der Schirmherrschaft der „Fondation de Luxembourg“.

Weniger Interesse bei Frauen

Petra Penders, Projektleiterin bei „Fondation de Luxembourg“, macht unter den Bewerbungen jedes Jahr mehr männliche als weibliche Kandidaten aus. Unter durchschnittlich 16 bis 20 Bewerbungen finden sich nur ein bis zwei von Absolventinnen. „Es gibt wenige Frauen, die solche Studiengänge wählen, aber deswegen legt die Jury auch viel Wert auf Originalität.“ Bedingungen zur Teilnahme sind übrigens ein Ingenieurabschluss und eine Studienbeihilfe des Dokumentations- und Informationszentrums für die Hochschulbildung (Cedies), nicht aber die luxemburgische Nationalität.

Eric Heinen, der als einziger eine „Mention Excellent“ erhalten hat, war von der Auszeichnung überrascht: „Ich hab mich wirklich gefreut, dass die Arbeit so gut bewertet wurde.“ Er hat über die „Ermittlung des Potenzials zur Energierückgewinnung in Wasserversorgungssystemen“ geschrieben. Dabei geht es darum, Pumpen als Turbinen zu verwenden und so in ein Trinkwasserversorgungssystem zu integrieren, dass Energie zurückgewonnen werden kann. Ihn interessierte vor allem das Energiepotenzial, das mit den jeweiligen Betriebsweisen gewonnen werden kann. Seine Ideen hat der 26-Jährige an einem Fallbeispiel in Steinsel ausprobiert.

Den Abschluss in Bauingenieurswesen hat Eric Ende April an der Universität Karlsruhe gemacht. Eine Stelle fand er schon in den Monaten darauf, bevor er den Preis erhielt. Inzwischen arbeitet er als Ingenieur für ein Projekt zur Trinkwasserversorgung in Luxemburg-Stadt. Bei der entsprechenden Firma hatte er bereits in Ferienjobs gearbeitet und einen Teil seines Praktikums absolviert. Mit dem Preisgeld von 2.500 Euro hat er noch keine konkreten Pläne. „Ich bin aber am Überlegen, ob ich einen Teil des Preisgeldes für eine kleine Veröffentlichung zu meinem Masterarbeitsthema in einer wissenschaftlichen Zeitschrift nutze“, sagt er. Vorstellen könnte er sich auch, andere Wissenschaftler bei Tests seiner untersuchten Ansätze zu unterstützen.

Ebenfalls von der Uni Karlsruhe, hat auch Françoise Tock eine Auszeichnung für ihre Masterarbeit erhalten. „Es war schön, nach einem Jahr Abgabe noch einen Preis zu bekommen, eine Belohnung für fünf Jahre Studium“, sagt sie zu der „Mention Bien“. Ein halbes Jahr lang untersuchte sie 32 verschiedene Betonproben und gab ihre Masterarbeit schließlich zu dem Thema „Experimentelle Untersuchungen zur Beurteilung des Hydroabrasionsverschleißes von Beton am Beispiel eines Wasserkraftwerks in Vietnam“ ab. Konkret ging es darum, ein Mischungsverhältnis für Beton zu finden, der den Abreibungskräften in einem Wasserkraftwerk des Dorfes Dong Van im Norden Vietnams standhält. „Das Wasserkraftwerk ist für die Trinkwasserversorgung des Dorfes wichtig und sollte repariert werden.“

Betonmischung für ein vietnamesisches Wasserkraftwerk

Nach Vietnam konnte sie für die Untersuchungen nicht reisen, denn der Zeitplan von sechsten Monaten für die Masterarbeit war eng. So musste sie aus der Ferne und dank der Beobachtungen eines Professors, der ab und an vor Ort ist, an die Arbeit gehen. Probleme bereitet in dem Fluss das ganze Geröll, das mitgetragen wird. Außerdem stellte die Entwicklung eines verschleißwiderstandsfähigen Betons, so erklärt Françoise weiter, aufgrund der in Vietnam begrenzt verfügbaren Betonausgangsstoffe Zement und geeigneter Gesteinskörnungen eine besondere Herausforderung dar. Daher hätte es sie nicht weitergebracht, einfach mit deutschem Beton zu experimentieren. „Die Mischung musste mit vietnamesischen Baustoffen herstellbar und mit den Arbeitsmethoden vor Ort verwendbar sein.“

In verschiedenen Versuchen hat sie unterschiedliche 32 Mischungen hergestellt und untersucht, welche Mischung am Ende am Besten hält. „Wir haben festgestellt, dass bei deutschem Beton 20 Prozent an Masse verloren geht, bei Beton aus vietnamesischen Materialien war es das Doppelte“, erklärt sie. Ob das Wasserkraftwerk inzwischen wieder in Betrieb ist, weiß sie nicht, wohl aber, dass für die Reparatur die beste ihrer getesteten Mischungen verwendet werden soll. Aber am Ende wird der Beton mit Materialien von vor Ort hergestellt, weil sonst zukünftige Reparaturen erschwert werden. Die Arbeit in Richtung Entwicklungshilfe hat Françoise gefallen und sie könnte sich vorstellen, einmal mehr in diesem Sektor zu arbeiten. Andererseits hat sie ihr Studium im Oktober 2015 abgeschlossen und arbeitet seitdem als Bauleiterin bei einer Firma in Mersch. „Das ist das, was ich machen will, ich wollte schon immer sehen, wie ein Haus entsteht“, erzählt die 26-Jährige.