LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Jugendliche stellen außerschulische Technologie-Projekte vor

Selbst ein Radio bauen, mit Programmiersprache einen Roboter durch einen Irrgarten lotsen oder mit dem Lötkolben einem Holzrentier eine echte rote Lampennase verpassen: Im Forum Geesseknäppchen wird heute den zweiten Tag geschraubt, gehackt und getüftelt. Gut 1.000 Schüler kommen zum ersten „Makerfest“, wo 30 Ateliers rund um die neuen Technologien vorgestellt werden. Schüler zwischen acht und 18 Jahren können hier ihre Kreativität und Experimentierfreudigkeit ausleben.

Die Ateliers selbst sind Früchte der „Makerspaces“, die vor einem Jahr im Forum Geesseknäppchen und in fünf Lyzeen ins Leben gerufen wurden. Dabei treffen sich die Schüler nach dem Unterricht, um, meist unter Anleitung von Lehrern, an eigenen technologischen Projekten zu arbeiten. Die „Makerspaces“ stehen im Rahmen der Kampagne „Bee Creative” und wurden vom Service National de la Jeunesse und dem Bildungsministerium gegründet.

Begeisterung für außerschulische Projekte

Bildungsminister Claude Meisch (DP) und seine Amtsvorgängerin Mady Delvaux-Stehres, inzwischen Botschafterin der EU-Kampagne „E-skills for jobs“, haben sich am Montagnachmittag bei einem Rundgang die Schülerprojekte angeschaut. „Ich sehe viel Begeisterung bei den Kindern, wenn sie unter Anleitung selbst Lösungen für technische Probleme finden können“, stellte Meisch fest. Nach einem Jahr zieht er eine „absolut positive“ Bilanz der „Makerspaces“, die für den Bildungsminister nicht nur einfach eine technikorientierte Nachmittagsbetreuung darstellen. Meisch sieht in den Projekten außerschulische Vereinigungen in lockerer Atmosphäre und mit „Garagenmentalität“, die zudem eine stärkere Vernetzung zwischen den Schulen bewirken. „In Luxemburg ist eine breite Makerszene entstanden“, bilanziert Meisch. Der Bildungsminister setzt bei den „Makerspaces“ zudem auf einen Folgeeffekt für den Unterricht: Wenn der entsprechende Stoff des
außerschulischen Projektes dann im Lehrplan an der Reihe ist, erhofft er sich mehr Interesse bei den Schülern. Indem Naturwissenschaften hauptsächlich durch Formeln erklärt wurden, habe man in den vergangenen Jahren „vielleicht etwas falsch gemacht“.

„Makerspace“ für alle

Doch auch wenn die Lehrpläne laut Meisch praxisorientierter sein sollten, steht mit den „Makerspaces“ nun aber keine Revolution des Unterrichts an: Die Aufgabentrennung zwischen Schule mit festem Lehrrahmen und außerschulischen Veranstaltungen mit innovativen Aspekten sieht Meisch als sinnvoll an.

Auch Mady Delvaux-Stehres begutachtet Solarladestationen und 3D-Drucker, doch die ehemalige Politikerin sähe auf dem „Makerfest“ gerne zwei Dinge verbessert: „Jedes Kind sollte daran teilnehmen und man müsste mehr für Mädchen anbieten.“ Insgesamt aber lobt sie die Initiative. „Es ist eine schöne Lösung, dieses Alternativangebot außerschulisch anzubieten.“

Die „Makerspaces“ im Campus Geesseknäppchen und in den fünf Schulen - Lycée technique Ettelbrück, Lycée technique Esch, Lycée des arts et métiers, Lycée de garçons Esch und Lycée Schengen in Perl - werden weiterlaufen. Und um diese Ateliers regelmäßig vorzustellen, soll das „Makerfest“ eine Fortsetzung erfahren.

Weitere Informationen unter www.bee-creative.lu und www.digital4education.lu