LUXEMBURG
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Die Mini-Entreprise „Say It“ startet durch

Sieben Schüler - eine Idee. „Say It“ ist eine dieser Mini-Entreprises, die mit ihrer innovativen und kreativen Arbeit eine Marktlücke in Luxemburg füllt. Ziel der jungen Unternehmer ist es, die Feedbackkultur zwischen Unternehmen und ihren Kunden so zu fördern, dass beide Parteien Vorteile daraus ziehen können. Im Interview erklärt Deborah Kieffer, was ihre Idee so besonders macht und was es heißt, ein Unternehmer zu sein.

Wer sind die jungen Unternehmer, die „Say It“ ins Leben gerufen haben?

Deborah Kieffer Wir sind sieben Schüler zwischen 17 und 18 Jahren aus dem Lycée Aline Mayrisch: Estelle Van de Winckel, Chenyan Yang, Sagar Rangram, Noé Weber, Mathis Trierweiler, Tom Schwirtz und ich. Sechs von uns studieren Wirtschaft und eine Kunst.

Wie kam diese Schülergruppe zustande?

Deborah Die Mini-Entreprise wird als Optionsfach an unserer Schule angeboten. Wir haben uns alle individuell eingeschrieben und wurden dann per Zufallsverfahren zu einer Gruppe gemischt.

Worum geht es in Eurem Projekt „Say It“?

Deborah Wir bieten einen Dienst an, der zum Ziel hat, die Beziehung zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden zu verbessern. Das Ganze funktioniert so, dass wir uns zuerst an das Unternehmen wenden, beziehungsweise das Unternehmen sich an uns. Nach einigen Treffen geben sie uns einen Fragebogen mit, den sie spezifisch für ihre Bedürfnisse ausgearbeitet haben. Mit diesen Fragen gehen wir dann auf die Straße, in die Stadt oder in Schulen und stellen sie den Menschen. Es geht darum, dass die Kunden ihre Meinung zum Betrieb oder zu einer neuen Aktion geben können: was läuft gut? Was kann verbessert werden? Die Menschen werden beim Beantworten dieser Fragen gefilmt. Die Filmsequenzen werden später von uns bearbeitet und es entsteht ein Marketing-Video. Den Unternehmen wird dieses Produkt zugesendet, und sie erfahren mehr darüber, was ihre Kunden über sie denken. Dank dieses Feedbacks können sie sich also weiterentwickeln. Das Video können sie zudem entweder auf ihren sozialen Medien veröffentlichen oder es einfach intern für sich benutzen.

Was sind denn Fragen, die die Unternehmen beantwortet bekommen wollen?

Deborah Es gibt ein Lebensmittelgeschäft, welches vor kurzem in Luxemburg Stadt Eröffnung gefeiert hat. Die Unternehmer wollten dann von den Kunden wissen, wie das Geschäft ihnen gefällt, ob es ihnen an etwas fehlt, ob sie den Blog des Geschäfts kennen oder inwiefern sie die Werbung lesen.

Warum habt ihr euch für dieses Projekt entschieden?

Deborah Da wir alle von einer Wirtschaftsklasse kommen, interessieren wir uns sehr für die Relation zwischen den Kunden und den Betrieben. Es war uns allen auch wichtig, ein Projekt zu finden, welches es so noch nicht in Luxemburg gibt, was bei „Say It“ der Fall ist. Da zudem einige von uns sich sehr dafür interessieren, Videos aufzunehmen und zu bearbeiten, lag es auf der Hand, ein Projekt zu finden, welches diese Interessen vereint.

Wie entsteht aus einer Idee ein solch konkretes Projekt?

Deborah Wir haben das Glück, dass wir mit der Organisation „Jonk Entrepreneuren“ in Luxemburg zusammenarbeiten können. Sie helfen uns sehr bei der Verwirklichung unseres Projektes, indem sie uns zum Beispiel erklären, wie man einen Businessplan aufstellt. Zudem haben wir uns die Arbeit untereinander aufgeteilt: einer ist zuständig für das Marketing, ein anderer eher für das Technische, noch andere pflegen den Kontakt zu unseren Klienten und es gibt die, die sich um die Videos kümmern. Wir sehen uns zudem jeden Freitag während zwei Stunden, wo wir uns vor allem um das Administrative kümmern. Ansonsten sehen wir uns sehr regelmäßig, da wir die gleiche Schule besuchen.
Was war bisher Eure größte Herausforderung?

Deborah Das Schwierigste bis jetzt war es, einige Menschen auf der Straße davon zu überzeugen, sich beim Beantworten der Fragen filmen zu lassen. Viele von ihnen haben sehr gute und kritische Antworten oder Verbesserungsvorschläge, jedoch fühlen sie sich nicht wohl vor der Kamera. Das ist natürlich sehr schade, da es sich um Feedback handelt, welches die Betriebe gut gebrauchen könnten, jedoch nie hören werden, da es nicht auf dem Video zu finden ist.

Was zieht Ihr denn persönlich aus der Erfahrung einer Mini-Entreprise?

Deborah Das ganze Projekt ist eine große Challenge, und man muss sich immer wieder selbst überwinden. Wir haben gelernt, wie man den Kontakt zu anderen Menschen aufnimmt, sei es zu Unternehmen oder zu den Menschen auf der Straße, die man spontan ansprechen können muss. Dann sollen wir zum Beispiel sofort auf Mails antworten, also professionell handeln. Zudem haben wir gelernt, uns selbst und unser Projekt gut zu vermarkten.

Wie sieht die Zukunft von „Say It“ aus?

Deborah Die Mini-Entreprise geht bis zu den großen Ferien im Juli. Dann ist sie eigentlich abgeschlossen, doch wir können uns trotzdem noch dafür entscheiden, das Projekt weiterzuführen. In diesem Fall geht dann alles auf unsere persönlichen Kosten. Wir überlegen gerade, ob wir das machen wollen. Es ist natürlich schwierig, da wir nächstes Jahr alle auf der „Première“ sein werden. Trotzdem sind wir motiviert, da wir schon von anderen großen Unternehmen Anfragen bekommen haben, um zusammen zu arbeiten. Die Nachfrage ist groß. Bis jetzt haben wir mit Cactus, Sales Lentz, mit der BIL und der Moutarderie du Luxembourg zusammen arbeiten können.

Könnt ihr euch vorstellen, später hauptberuflich ein Unternehmen zu leiten?

Deborah Ich persönlich würde das in Zukunft schön finden, eine Firma leiten zu können. Dank der Mini-Entreprise wird man sich bewusst, wie die tatsächliche Arbeit eines Unternehmers aussieht, und da sie mir Spaß macht, würde ich das gerne weitermachen.


Mehr dazu unter www.facebook.com/sayit.laml/