LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Sie haben nicht nur alle beide die gleiche blond/gelbe (Nicht-) Frisur - wo der eine mit einer stets akkuraten Föhnwelle zu punkten versucht, glänzt der andere mit seinem wirren Wuschelkopf -, sondern sie machen auch alle beide die gleichen größenwahnsinnigen Sprüche. Derweil Donald Trump noch vor einigen Tagen in Bezug auf die USA von „der großartigsten und mächtigsten Nation der Welt“ sprach, will Boris Johnson Großbritannien „zum großartigsten Land der Erde“ machen, wie dieser („Er wird großartig sein!“, wie Trump am Dienstag tweetete) gestern in seiner ersten Parlamentsrede als Premierminister im Unterhaus deutlich machte.

Dass dies aber nur möglich sein wird, wenn die Briten am 31. Oktober aus der EU austreten, daran lässt der neue Regierungschef keinen Zweifel, der gestern erneut Nachverhandlungen des Brexit-Abkommens mit der EU forderte, ansonsten Großbritannien sich ohne Deal von der EU trennen müsse. In Brüssel stößt Johnson mit seiner Forderung nach einer Überarbeitung des Brexit-Abkommens erwartungsgemäß auf taube Ohren, aber Johnson zeig sich nichtsdestotrotz optimistisch, dass es, obwohl beide Seiten sich ja weiterhin unversöhnlich gegenüberstehen, irgendwie doch noch Spielraum gibt.

Dass Boris Johnson den Brexit um jeden Preis durchboxen will und die Konfrontation mit der EU-Kommission regelrecht sucht, macht auch die Neubesetzung von Schlüsselpositionen in seinem Kabinett deutlich, die er entweder mit politischen Weggefährten (darunter unter anderem auch sein jüngerer Bruder Jo, der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium wird) oder mit starken Brexit-Befürwortern (neue Innenministerin wird die von Theresa May geschasste frühere Innenministerin Priti Patel, die noch 2011 am liebsten die Todesstrafe eingeführt hätte) besetzte, so dass in London jetzt definitiv die Brexiteers am Ruder sind. Viele EU-freundliche Staatssekretäre und Minister wurden derweil von Johnson fallengelassen oder kamen ihrer Entlassung mit dem Rücktritt zuvor.

Zum Mehrheitsführer im britischen Unterhaus ernannt wurde indes der Brexit-Hardliner Jacob Rees-Mogg, der nun dafür sorgen soll, eine Parlamentsmehrheit für den Brexit zu organisieren, nachdem er zuvor der Wortführer jener Gruppe war, die den von May mit der EU ausgehandelten Austrittsdeal zu Fall gebracht hatte. Die Schottische Nationalpartei sprach gestern treffend von einem „Kabinett der Hölle“, und der britische Nachrichtensender „Sky News“ gar von einem „Massaker“.

Mit Boris Johnson als Regierungschef wird nun jedenfalls der Eindruck bestätigt, den man immer schon von den Eton-Sprösslingen aus der britischen Politik hatte, nämlich dass diese sich wahrscheinlich einen Spaß daraus machen, die EU zu ärgern, um sich anschließend, wenn sie ihren Landsleuten einen riesengroßen Scherbenhaufen hinterlassen haben, auf ihre Landsitze zurückzuziehen, ohne sich um die Konsequenzen zu kümmern.

Kater Larry, der heimliche Chef von Downing Street Number 10, wird seinerseits wohl auch seinen neuen Hausherrn überleben, ob Larry jedoch erleben wird, dass Großbritannien zum großartigsten Land der Erde wird, das darf dann doch stark bezweifelt werden...