ECHTERNACH
CORDELIA CHATON

„Mondo del Caffé“ röstet Kaffeebohnen, die aus Kolumbien direkt importiert werden

Ein Schild wäre fast nicht nötig. Die Nase führt zum Ziel. Denn der Geruch von frisch geröstetem Kaffee durchzieht nicht nur den Raum, in dem die Bohnen geröstete werden, sondern umfängt Besucher schon auf dem Parkplatz der Echtenachter Kaffee-Rösterei. „Mondo del Caffé“ heißt der von Alfons Schramer gegründete Betrieb, der sich zwischen den großen Industrie-Anlagen von IEE, Fanuc oder Euro-Composites duckt.

Schramer empfängt die Besucher mit einem traditionellen Mützchen und einer Menge Informationen in einem warmen Raum. Hier rotieren zwei beeindruckende, rot-schwarze Röstmaschinen. „Unsere neue Maschine haben wir vor drei Wochen aus Portugal erhalten“, strahlt der Gründer von „Mondo del Caffé“. Er zieht ein Röhrchen aus der rot-schwarzen Röstmaschine Marke „Joper“ aus Portugal und zeigt es vor: Grünlich-graue Kaffeebohnen sind darin. „So sehen die Bohnen ungeröstet aus“, klärt der 56-Jährige Kaffee-Novizen auf. „Wir bauen durch das Rösten Druck in der Bohne auf und so kommen die Aromen heraus. Dazu müssen alle Bohnen permanent in Bewegung sein.“

Schramer hat vor 20 Jahren damit angefangen. Da es keine Lehre mehr als Röster gibt, ist er damals nach Italien gereist und hat sich zwei Wochen lang die Grundlagen des Handwerks ansehen, bevor er selbst startete: Erst in Trier, wo der Platz bald nicht mehr für die Aufträge reichte, dann in Irrel und schließlich in Luxemburg. „Das hat sich 2008 durch Kontakte ergeben“, berichtet Schramer. Heute hat er seinen Unternehmenssitz hier, beschäftigt 22 Mitarbeiter in Echternach und rund 100 in Trier, wo auch das alternative Kino „Heimat Morbach“, ein kleines Museum und die „Genusswelt“ zu seinen Betrieben zählt. „Im Jahr rösten wir rund 170 Tonnen Kaffee“, berichtet Schrarmer. Das ist nichts im Vergleich mit großen Röstern, die 80 Tonnen am Tag erhitzen. Es ist liebevolles Handwerk.

Den Sack Kaffee bis zur Parzelle zurückverfolgen

Und ein Stück weit auch Entwicklungshilfe und Umweltschutz. Schramer kann jeden Sack Kaffee zurückverfolgen bis zum Bauern und dessen Parzelle. Er fliegt selbst regelmäßig zu seinen Lieferanten nach Kolumbien, zu denen auch Indianer der Völker Kogi und Nasa gehören, Kleinbauern und Kooperativen gehören. Viele von ihnen haben nur geringe Mengen, das interessiert die Multis weniger. „Ich zahle ihnen etwas mehr und dann müssen die Bedingungen im Hinblick auf die Umwelt stimmen“, sagt der Kaffee-Experte. „Ich will keine Zwischenhändler, keine Zertifikate oder Label. Ich will wissen, wo der Kaffee wächst und ihn möglichst schnell herbringen, denn durchs Lagern wird er nicht besser.“

Wieder zieht er das Röhrchen mit den Kaffeebohnen aus dem Röster. Sie haben jetzt schon eine vertraute braune Farbe. Schramer blickt auf einen Bildschirm und nickt zufrieden. „Wir wollen eine möglichst gleichbleibende Qualität. Diese Kurve zeigt, was wir wollen, hier ist das, was wir derzeit rösten“, sagt er mit Blick auf eine eng anliegende zweite Kurve. Diese Kontrolle, sagt der Kaffeeliebhaber, sei auch wichtig, weil sie zu dritt rösten. Je nach Vorgabe wird es mal Espresso, mal Filterkaffee; immer schön an der Röstkurve entlang.

Die Bohnen warten in Jutesäcken, sind aber innen nochmals in grüne Kunststoffsäcke verpackt. „Die halten das Aroma und schützen beim Transport vor Feuchtigkeit. Wir verwenden diese ,grain bags‘ immer wieder wegen der Qualität“, sagt Schramer. Die Säcke lagern nebenan in einer großen Halle. Im Röstraum sind nur wenige, denn hier ist es heiß. Die Röstmaschinen werden mit Gas geheizt. Das stellt hohe Sicherheitsanforderungen.

Mit einem lauten Geräusch prasseln die vom 200 Grad Celsius heißen Röster noch dampfenden Bohnen auf das Sieb. Nach dem Abkühlen werden sie direkt gemahlen und dann per Hand abgepackt. „Wir rösten für Privatkunden, Online-Kunden, Kaffeebars, den Export und sind auch Lohnröster“, berichtet Schramer, der seinen Kaffee auch in die Schweiz, nach Österreich, Deutschland, Belgien und in die Niederlande exportiert. Die Nachfrage ist da, jetzt bräuchte er noch jemanden für den Verkauf als Verstärkung.

Schramer führt an beeindruckenden Sammlungen von Schreibmaschinen und alten Kaffee-Werbungen hinaus in den ersten Stock. Hier wartet ein Verkostungsraum auf Gäste, die mal aus Altenheimen, mal aus Verbänden vorbei kommen. Dekoriert ist er mit Unmengen von alten Kaffee-Mühlen: Modelle für die Wand oder die Hand, ein Traum nicht nur für Kasperles Großmutter.

Neben Kaffee verkauft „Mondo del caffé“ auch Schokolade und Tee. „Im kommenden Monat bringen wir dann auch eine Barrista-Milch auf den Markt, die wir gemeinsam mit Luxlait und der Initiative Fair Mëllech ins Leben gerufen haben. Für mich macht es keinen Sinn, fairen Kaffee mit Aldi-Milch zu trinken“, unterstreicht der engagierte Unternehmer. Weil Soziales und Gerechtigkeit ihm wichtig ist, verkauft er auch Artikel aus dem Jutestoff der Kaffeesäcke, die in einer Behindertenwerkstatt in Schweich entstanden sind. Und weil er Kaffee liebt, bietet Schramer auch Kaffeemaschinen in allen Qualitäten und Größen an, denen ein eigener Ausstellungsraum gewidmet ist.

Die Kinder übernehmen den Betrieb

Nebenan geht es sachlicher zu. Hier packen Falk und Felix mit an. Die beiden 28-jährigen Zwillingsbrüder sind schon ins väterliche Unternehmen eingestiegen, kümmern sich um die Finanzen und das Marketing. Schramer selbst will sich nächstes Jahr zurückziehen. Noch ein Sohn und eine Tochter werden dann bei „Mondo del Caffé“ arbeiten. „Mir war es wichtig, dass sie sich zuerst woanders ihre Sporen verdienen“, sagt der vierfache Vater. „Kaffee ist ein Trendprodukt. Ich kümmere mich dann um Rohkaffee. Das ist für mich das Wichtigste. Wir haben ein Farm in Kolumbien.“ Dorthin bietet er Interessierten sogar Reisen an, auf denen man alles über Kaffee erfahren kann. Wer weiß schon, was Kaffeestein ist? Oder wie viel Handarbeit darin steckt?

Seine Söhne schmieden derzeit Pläne. Falk schwebt ein Fonds vor. Felix denkt an eine Vergrößerung freut sich auf die Zusammenarbeit mit seinem Bruder und den anderen Geschwistern. Sie alle haben schon als Kinder mitgeholfen. Die Ausbildung in anderen Betrieben hat ihnen klar gemacht, was sie hier haben. „Es ist toll, dass wir das zusammen durchstehen“, sagt Felix. Alfons Schramer lächelt. Er sagt ausnahmsweise nichts. Vielleicht denkt er an das Sprichwort: „Kaffee und Liebe sind heiß am besten.“