Von Einem der dachte, es sei egal wo man in Europa krank wird und dabei Dr. Kafka kennen lernte.

Manchmal sorgt der eigene Körper für Grenzerfahrungen, sogar im doppelten Sinne. Wer als Grenzgänger zunächst einmal hüben versichert ist, aber drüben krank wird, hat eigentlich gute Karten, denn er besitzt ja zwei Krankenversicherungskarten. Die luxemburgische, für die er Beitrag zahlt, und eine kostenlose deutsche. Die dortige Krankenversicherung verrechnet die Ausgaben an die CNS weiter. So weit, so gut. Wenn der Grenzgänger, einfach weil es praktisch ist, auf einen luxemburgischen Hausarzt setzt, wird die Sache kompliziert.

Es rumpelt in der Brust und schon kommt Europa ins Stottern: In der Notaufnahme des Merziger Krankenhauses, 20 Kilometer hinter der Grenze, ist der Computer nicht in der Lage einen luxemburgischen Hausarzt zu registrieren - also steht auf allen Papieren „kein HA“. Was beim Marsch durch die Labore und Sprechzimmer immer zum selben Spruch führt: „Was, sie haben keinen Hausarzt?“ Beantwortet mit langen Erklärungen.

Richtig kompliziert wird die Sache, wenn es um die Überweisung in eine Fachklinik geht. Im deutschen Gesundheitssystem ist der Hausarzt der Dreh- und Angelpunkt. Nicht das kleine Kreiskrankenhaus, sondern der Hausarzt muss die Über- oder Einweisung in eine Fachklinik ausstellen. Was wiederum für die luxemburgische Hausärztin ein Ding der Unmöglichkeit ist, sie müsste zunächst einen Antrag an die CNS schreiben, plus Facharztgutachten, um den Patienten in eine deutsche Fachklinik einweisen zu können. Immerhin kann sie den Patienten krankschreiben, was das deutsche Krankenhaus auch nur im Ausnahmefall tut - ist ja Sache des Hausarztes. Was tun? Einzige Lösung: Den Dienst habenden deutschen Notfallmediziner anrufen „Äh, ich kenn sie zwar nicht, aber ich brauche eine Überweisung von Ihnen.“ Zum Glück hat er Verständnis für das grenzüberschreitende Chaos. Es ist noch nicht das Ende der Kuriositäten. Die Pumpe funktioniert wieder, die Fachklinik hat ihr Bestes getan. Damit das so bleibt, erhält der Patient eine ellenlange Liste mit Medikamenten - das dafür notwendige Rezept muss aber wieder wer ausstellen? Genau, der Hausarzt. Von dessen Einschätzung hängt auch die weitere Krankschreibung ab.

Also mit einer deutschen Medikamentenliste zum luxemburgischen Hausarzt - die nächste europäische Baustelle. Einige aufgelistete Medikamente sind mit den hiesigen identisch, andere heißen nur anders und eines scheint es im Großherzogtum nicht zu geben. Ab in die Apotheke und fragen. „Nein dieses Medikament ist hier nicht zugelassen, einen Ersatzstoff gibt es nicht und die Krankenkasse zahlt es auch nicht“. Dann mit dem luxemburgischen Rezept in die nächste deutsche Apotheke unter dem Hinweis, dass dieses Präparat in Luxemburg nicht zu kriegen ist. Das Medikament ist da, alles kein Problem- bis die Apothekenhelferin in wieherndes Lachen ausbricht. Sie hat das Kleingedruckte auf der Packung gelesen: Das in Luxemburg nicht zugelassene und auch nicht zu erhaltende Herzmedikament stammt, man mag es kaum glauben, von einem luxemburgischen Unternehmen! Fragen sie Dr. Kafka oder fressen sie die Packungsbeilage.

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