CONTERN
CORDELIA CHATON

Robert Dennewald steht als Eigentümer eines Betonwerks durch die Coronakrise vor großen Herausforderungen

Contern S.A., Nachfolgeunternehmen von Chaux de Contern, produziert vor allem Steine und Baustoffe. Kein Wunder, dass die Krise das Unternehmen mit rund 160 Mitarbeitern kalt erwischte. Wir haben Eigentümer Robert Dennewald gefragt, wie er damit umgeht.

Herr Dennewald, wo stand Ihr Unternehmen bei Ausbruch der Krise?

Robert Dennewald Das Jahr 2020 sah so aus, als würde es das beste Jahr des Unternehmens werden. Wir hatten viele Aufträge und so gute Perspektiven, dass wir ab Februar in drei Schichten gearbeitet haben. Das war seit über zwölf Jahren nicht mehr vorgekommen. Dann kam die Coronakrise. Vielleicht hätte man deren Folgen erahnen können, denn wir konnten den Verlauf der Dinge in China und Italien beobachten. Und doch hat es uns kalt erwischt. Das soll uns auch eine Lehre sein im Zeitalter der Information, Signale rechtzeitig wahrzunehmen. Weder die Unternehmen noch die Regierung waren vorbereitet. Als die Krise über uns hereinbrach, dachten wir, wir würden es irgendwie schaffen, man könnte irgendwie weiter arbeiten. Aber wir haben in der zweiten Märzwoche gemerkt, dass die Belegschaft nervös wurde. Als die Ankündigung kam, dass unsere Abnehmer, die Bauunternehmer, die Baustellen stilllegen mussten, standen wir vor zwei Optionen: Weitermachen und auf Lager produzieren oder selbst auch alles stilllegen. Wir haben uns für die zweite Option entschieden. Nun arbeiten wir in der Verwaltung fast alle im Homeoffice. Die sonstige Belegschaft ist in Kurzarbeit, das sind fast 100 Leute. Es wurde von der Belegschaft sehr positiv aufgefasst, dass wir die Produktion eingestellt haben, denn die Leute waren sehr verunsichert.

Nun arbeitet der Bausektor wieder. Was heißt das für Contern S.A.?

Dennewald Unsere Idee war, dass wir unsere Produktion eine Woche vor den Baustellen wieder aufnehmen. Am 14.4. haben wir das dann gemacht. Die Mitarbeiter waren erleichtert, aus dem Lockdown zu kommen und arbeiten zu können - natürlich unter strengsten Auflagen. Wir haben uns wirklich informiert, was wir alles beachten müssen, weil es von offizieller Seite nur wenige Informationen gab. Doch im Industrieverband FEDIL-Ebene haben wir uns über best practice ganz pragmatisch ausgetauscht, das hat geholfen. Bei uns im Betrieb gibt es wenige Situationen, in denen Leute eng zusammen arbeiten. Insgesamt bin ich sowohl froh, dass wir eine Weile die Produktion heruntergefahren haben, als auch, dass wir nun wieder arbeiten. So haben wir dem Notzustand Rechnung getragen, aber auch auf unsere Leute gehört. Ich glaube, die waren auch dankbar dafür. Darüber hinaus muss man sagen, dass die Regierung gut und richtig gehandelt hat.

Wie sind Sie mit Ihren Mitarbeitern während des Lockdowns im Kontakt geblieben?

Dennewald Während sich unsere Mitarbeiter in der Kurzarbeit befanden, haben wir sie informiert, wenn es etwas gab. Damit das möglich war, hatten wir von allen zuvor die Mailadressen eingesammelt. Wir haben ihnen auch gesagt: Haltet euch bereit, damit wir im Zweifel auf euch zurückgreifen können. Der Kontakt war nicht nur für uns hilfreich. Als Luxair dringend Leute im Cargobereich suchte, haben sich auch drei Freiwillige von uns gemeldet.

Wie läuft das Geschäft jetzt?

Dennewald Die Baustellen sind seit Dienstag letzter Woche auf, aber das Geschäft ist noch sehr schleppend. Es läuft noch nicht auf Hochtouren, obwohl die Auftragslage sehr gut ist. Viele Mitarbeiter befinden sich auch weiterhin noch in Familienurlaub oder Teilzeit. Dazu verlangsamen Schutzmaßnahmen das Geschäft. Letzteres wird im Übrigen auch teurer.

Wie ist Ihre finanzielle Situation?

Dennewald Wenn alles so bleibt, wie es heute ist, gibt es einen gewaltigen Ergebniseinbruch in meinem Unternehmen. Ich befand mich bislang nie in einer Liquiditätsklemme, obwohl das nach der Winterpause bei vielen Unternehmen des Sektors nicht unüblich ist. Wir konnten immer Löhne und Rechnungen zahlen. Dazu kommt: Die Staatshilfe war nicht nur rechtzeitig angekündigt worden; das Geld ist auch schnell geflossen. Das hilft uns sehr bei der Liquidität. Die Regierung ist unkonventionell und unbürokratisch vorgegangen.

Wie sehen Sie die wirtschaftliche Zukunft?

Dennewald Für uns gibt es einen Hoffnungsschimmer. Wenn der Luxemburger Staat es schaffen würde, den Kollektivurlaub abzuschaffen, dann könnten wir einen Teil der Verluste wieder gut machen. Man muss sich vor Augen halten, dass dieser Kollektivurlaub zwischen 1,5 und zwei Milliarden Euro Wirtschaftsleistung kostet. Ich hoffe, dass es uns gelingen wird, die Sozialpartner davon zu überzeugen. Man merkt, dass jene mit Weitblick ihn nicht gut finden, denn die Fixkosten laufen ja weiter. Im Bausektor arbeiten sehr viele Portugiesen, deshalb wurde der Kollektivurlaub bei seiner Einführung vor Jahrzehnten als soziale Maßnahme gesehen. Aber heute beklagen sich die Portugiesen, dass man sie zwingt, den Urlaub dann zu nehmen, wenn die Preise am höchsten sind und der Verkehr am dichtesten und dass es für ein arbeitendes Ehepaar schwer ist, zu zweit in den Urlaub zu fahren. Ich hatte vor einem Jahr schon eine Petition für die Abschaffung des Kollektivurlaubs gestartet, die damals scheiterte. Daher hoffe ich, dass wir es schaffen, ihn jetzt abzuschaffen.

Das werden viele nicht wollen.

Dennewald Es gibt viele Möglichkeiten. Was man sich auch überlegen kann: Der Lockdown war für viele angenehm, die ihn bei schönem Wetter im Garten verbracht haben. Die Idee wäre, auf nationaler Ebene eine Vereinbarung zu finden zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, die vorsieht, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer den Resturlaub abkaufen kann, vorausgesetzt, dass dieser in den Genuss von mindestens 26 Tagen Urlaub gekommen ist; den Lockdown als Zwangsurlaub mit eingerechnet. Wir werden mit Sicherheit eine Verknappung der Arbeitskräfte erleben. Das macht eine solche Aktion Sinn. Ich hoffe, dass die FEDIL das in ihr Programm einbaut. Bislang ist das juristisch nicht möglich, daher müsste das im Rahmen des Gesetzes geändert werden. Darüber hinaus haben wir so viele Baustellen in Luxemburg - auch öffentliche -, dass das im Interesse des Staates wäre.

Rechnen Sie mit einem Einbruch im Bausektor?

Dennewald Ich denke, dass auch bei einer möglichen Rezession der Bausektor nicht so betroffen wäre. Luxemburg ist im Vergleich mit anderen Ländern immer in einer Sondersituation.