LUXEMBURG
LUC SPADA

Dann: eine Stille. Eine längere Stille. Unangenehm. Erinnerung. Kurz angenehm.

Realität zurück. Wieder unangenehm. Unbehagen. Peinlich berührt. Mit dem Kopf durch die Wand. Start.

„Was hast Du denn so gemacht?“, fragt A. sie.

„Wann?“, fragt B. ihn.

„Na, so über die letzten Monate“, will A. wissen und weiß, dass B. weiß, was er wissen will.

„Ich war viel beschäftigt“, B. so.

„Ja, wir sind sehr beschäftigte Leute“, A. so.

„Dann pass gut auf dich auf. Ich muss jetzt schnell los“, schiebt

B. hinterher.

„Ich tue, was ich nicht lassen kann“, hat A. geantwortet und schämt sich sofort für seinen Versuch lustig zu sein.

„Tschüühüsss“, B. nochmal angestrengt auf Vermeidungstaktik eingestellt.

Unbeholfene Bewegungen mit Handy. Zucken im Auge. Hinterkopfgejucke. Kratzen.

„Tschüss“, A. weiß ja auch nicht.

A. schaut ihr hinterher und denkt ganz plötzlich an Proust und wie viel Proust wohl in seinem Leben falsch gemacht haben muss, um Seiten und Seiten mit schwülstigen Geschichten über unerfüllte Liebe oder Liebe ohne Erfüllung zu schreiben. Marcel hatte sicher kein besonders angenehmes Leben. Ist es das wert? Ihr hinterher zu rennen und ihr so zu zeigen, dass A. sie wirklich will. Damit sie, bis der Tod sie scheiden wird, für immer zusammen sein können.

Wie war nochmal dieser eine Spruch, den alle Mütter dieser Welt zu sagen pflegen? Meist solche, die seit über vierzig Jahren mit dem gleichen Mann zusammen sind. Kopf. Äh. Topf und Deckel. Hinterher also.

A.’s bester Freund, C., hat genau das getan. Er lief D. solange hinterher, bis er Blasen an den Füßen hatte. D. war nämlich SO EINE, die es mag, wenn man ihr hinterher rennt. Nur so, meinte D.’s bester Freund (E.), wird sie ihm glauben können, dass C. sie wirklich liebt. Sie mag es, wenn man insistiert. SO EINE.

„Auch wenn sie Dir immer absagen wird, musst Du einfach weitermachen“, versicherte E. A.’s bestem Freund.

Und wie er ihr hinterher lief. Für A.s Empfinden grenzte dieser zweijährige Marathon schon deutlich an Belästigung. C. war aber ebenso verliebt wie entschlossen.

Frei nach seinem Lieblingsspruch, den er auch unter Beschreibung auf Facebook zum Besten gab: Never give up. C. schenkte D. Rosen und sie erwiderte nur, dass sie keine Rosen mag. Er schenkte ihr eine Flasche Wein, aber sie meinte nur, dass Oktober ihr alkoholfreier Monat wäre. Nach zwei Jahren ein weiterer Versuch: C. schenkte ihr eine Reise nach New York, aber D. hasst große Städte und hätte viel lieber nach Saarbrücken gewollt… aber da sie die Tickets nun schon mal hatte, ja, flogen gleich beide nach New York, heirateten an Ort und Stelle und ließen sich nach einem Monat wieder scheiden. C. war sehr traurig. D. lief weiter und schaute ab und zu hinter sich, um den nächsten „Hinterherläufer“ zu überprüfen und schon bald ins Unglück stürzen zu können.

Und A.? Soll er es wagen, B. hinterher zu laufen? Ist das eine gute Idee? Auf keinen Fall. Er weiß doch, dass sie auch SO EINE ist. Wird er es dennoch tun? Selbstverständlich.

Der Roman wird folgen.