LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Neue Krimi-Anthologie „Luxemburger Leichen“

Luxemburg ist ein Mekka für Mörder. Zumindest im fiktiven, literarischen Großherzogtum fließt Blut hektoliterweise. Josy Braun, Monique Feltgen oder der schreibende Minister Marco Schank: Drei etablierte Luxemburger Autoren, deren Werke sich mindestens genauso gut an den Mann und die Frau bringen lassen, wie die Bücher eines Dan Brown oder Stieg Larsson.

Vor einigen Jahren haben auch ausländische Literaten, vorrangig jene aus der deutschsprachigen Literaturszene, das europäische Nachbarland als Tatort entdeckt. Allen voran natürlich Tom Hillenbrand, der seinen in Luxemburg kochenden Schnüffler Xavier Kieffer durch fast ganz Europa hetzt, um Verbrecher zu jagen.

Deutsch-französisches Ermitteln

Im KBV-Verlag erschien jetzt eine Anthologie mit Kurzkrimis, die allesamt in Luxemburg, bzw. im nahen Grenzgebiet spielen. Die Texte stammen aus der Feder deutscher und luxemburgischer Autoren, die sich mal mehr, mal weniger Ruhm im Krimi-Genre erschrieben haben.

Der luxemburgischen Leserschaft wird bei der Lektüre schnell auffallen, welche der deutschen Autoren, die bis auf einige Ausnahmen nicht in oder in der Nähe zu Luxemburg leben, sich die Mühe gemacht und fundierte Recherchen über das kleine EU-Land angestellt haben.

Nina George muss man zum Kreis jener Schriftsteller zählen, die in ihren Kurzwerken nicht nur Luxemburg-Klischees aufwärmen, sondern sich mit der jüngeren Geschichte Luxemburgs befasst haben und die Früchte ihrer Recherchen im Werk platzieren.

Der Kurzkrimi „Benzin im Blut“, der sich durch einen rasanten Erzählfluss auszeichnet, schildert die Vergangenheitsbewältigung einer jungen Polizistin, die an der Luxemburger Mosel einen Nordafrikaner erschoss, der einst eine ganze Kindertagesstätte in seine Gewalt gebracht hatte. George verzichtet auf politisches wie geografisches Pseudowissen und packt stattdessen gut recherchierte Fakten, gepaart mit einer soliden Story zu einem exquisiten Lesevergnügen zusammen. Ein Lektürevergnügen ist auch Luc Martelings Beitrag „Die Goldenen Türme“, in dem neben dem Präsidenten des Europäischen Gerichtshofes gleich noch mehrere Abgeordnete und ein Minister binnen weniger Stunden das Zeitliche segnen.

Der Beitrag sticht wegen seiner literarischen Sprache hervor, in die der luxemburgische Journalist und Autor seinen Plot verpackt. „Der letzte Kunde“ von Arno Strobel punktet durch ein solides Handlungsgerüst, allerdings stolpert der Leser bei der Lektüre über zu viele abgedroschene Luxemburg-Klischees. Ein perfektes Beispiel, wie man es nicht machen sollte.

„Luxemburger Leichen-Kurzkrimis aus dem Großherzogtum“. Herausgegeben von Eva Lirot und Hughes Schlueter. KBV-Verlag, 2013. Auszüge aus dem Buch werden am kommenden Dienstag, dem 5. November im Cercle Cité gelesen.