CLAUDE KARGER

Die Kandidaten für die EU-Kommissionspräsidentschaft befinden sich derzeit im Dauer-Interview-Modus. Gestern schon wieder in der „Süddeutsche Zeitung“: „Auf dem Tisch steht Kamillentee, in der Anzugjacke steckt die E-Zigarette, die Papierstapel sind überschaubar. Jean-Claude Juncker, einst Premierminister Luxemburgs, seit März Spitzenkandidat der europäischen Schwarzen (Christdemokraten und Christsoziale, vereint in der Europäischen Volkspartei EVP) hat sich dem Wandel verschrieben“, schreibt eine offensichtlich beeindruckte Reporterin. „Er sitzt am Besprechungstisch, sein Blick gleitet durch das Büro in der Zentrale der Christsozialen in Luxemburg, Er brauche viele Bücher um sich herum, um arbeiten zu können, sagt er. Um dann, gewohnt verschwurbelt, zum Punkt zu kommen: In Brüssel, in der Chefetage der Europäischen Union, stünden ja bisher eher wenige Bücher“, beschreibt die SZ-Journalistin. „Hoffentlich kriege ich alles unter, wenn ich um Herbst umziehe“, witzelt der Kandidat, der dem „Figaro“ anvertraute: „L‘Europe a besoin de grosses pointures“ (...) „je n‘accepterai ni les pressentis de petits marchandages, ni les amateurs de jours tranquilles à Bruxelles“. Da legt der Möchtegern-Chef die Latte aber ziemlich hoch. Na, hoffentlich hat er genügend Kamillentee und E-Zigaretten gebunkert.