DEN HAAG
LJ

Europols „European Migrant Smuggling Centre“ EMSC legt ersten Jahresbericht vor

Die Schleppernetzwerke machen mit der Flüchtlingskrise große Profite und werden immer mächtiger. Deswegen hat Europol nach dem Muster des „Zentrums gegen Cyberkriminalität“ (EC3) und des „Zentrum für Terrorismusbekämpfung“ (ECTC) im Februar 2016 sein „Europäisches Zentrum zur Bekämpfung der Migrantenschleusung“ (EMSC) in Betrieb genommen. Es soll seine Aufgabe zur Zerschlagung von kriminellen Schleppernetzen unterstützen. Am Freitag wurde der erste Jahresbericht veröffentlicht.

„Mehr als 90 Prozent der Migranten, die nach Europa kommen, haben die Dienste von Schleppernetzwerken beansprucht“ sagte Europol-Direktor Rob Wainright. „Diese Netzwerke organisierten Verbrechens ziehen Massenprofit aus der Massenmigration und machen aus der Schlepperei den am schnellsten wachsenden kriminellen Sektor.“

17.400 neue Schleuser identifiziert

Die 45 EMSC-Experten und Analysten des Zentrums konnten im ersten Jahr fast 12.000 Einsatzmeldungen über das gesicherte Kommunikationsnetzwerk SIENA von Europol versenden - 34 Prozent mehr als 2015. Diese Meldungen enthielten Daten von über 17.400 neuen verdächtigen Schleusern und halfen, 2.057 neue internationale Ermittlungen zu starten. Fast ein Viertel davon stand in Verbindung mit Ausweis- oder Dokumentenbetrug - 2.589 gefälschte oder als verloren/gestohlen gemeldete Ausweisdokumente konnten sichergestellt werden. Es konnten auch 22 Druck- und Fälschungsfabriken entdeckt und zerstört werden. Die Top-Ten-Nationalitäten der Schlepper sind Türkei, Syrien, Rumänien, Bulgarien, Ägypten, Irak, Ukraine, Polen, Britannien und Senegal; fast alle Gruppen sind multinational. Auch die Europol-Liste der Schmuggelboote ist auf über 500 angewachsen - dabei verwenden die Schlepper auch seeuntaugliche Schiffe. Für die Reise auf dem Landweg werden speziell adaptierte Lkw verwendet, inzwischen werden aber vermehrt Züge – auch Frachtzüge – oder Flugzeuge benutzt.

Social Media für die Anbahnung

Die Schlepper leiten ihre Aktivitäten vor allem über Social-Media-Plattformen in die Wege, wo sie offen ihre Dienste anbieten. 2016 wurden insgesamt 1.150 einschlägige Accounts identifiziert; im Jahr davor waren es noch 148 gewesen. In den sozialen Netzwerken, aber auch entlang der Migrationskorridore operieren sie aus kriminellen Hotspots und großen Logistik- und Transportzentren heraus, die hauptsächlich in größeren Städten, aber auch nahe Grenzstellen und Hauptstraßen angesiedelt sind. In einigen Fällen wurden Verbrecher-Hotspots auch um die Empfangszentren herum gefunden.

Der EMSC-Report zeigt auf, dass innerhalb der kriminellen Netzwerke drei Arten von Personen tätig sind: die Führungskräfte, die die Aktivitäten auf den Schmuggelrouten strategisch koordinieren, die Organisatoren, welche die Aktivitäten vor Ort mit ihren persönlichen Kontakten verwalten, und zu guter Letzt auf niederem Level agierende Vermittler, die in den Herkunftsländern über die sozialen Netzwerke ihre Kundensuchen.

Das EMSC deckte aber auch auf, dass sich die Maßnahmen zur verstärkten Grenzkontrolle in den Transit- und Zielländern direkt auf die Aktivitäten der organisierten Verbrecherbanden auswirkten. 2016 wiesen die beiden Haupteingangskorridore - die östlichen und mittleren Mittelmeer-Seewege - signifikante Schleuseraktivitäten auf. Neueste Ermittlungen haben aufgedeckt, dass sich auch Terrorgruppen der Schleusernetzwerke bedienten, um ihre Leute in die EU zu bringen. Diese Fälle würden aber nicht bedeuten, dass Terrorgruppen dauerhafte Verbindungen mit Schleuserbanden unterhalten, so der Bericht.

Dimitris Avramopoulos, EU-Kommissar für Migration, Inneres und Bürgerschaft sagte: „Migrantenschleusung ist ein Phänomen, das nationale Grenzen überschreitet und nur durch effiziente Partnerschaft innerhalb und außerhalb der EU ausgelöscht werden kann. Das EMSC hat von Anfang an eine zentrale Rolle für die EU und ihre unmittelbaren Nachbarn bei der erfolgreichen Bekämpfung, der Unterbrechung und dem Verstehen krimineller Schleppernetzwerke gespielt.“