LUXEMBURG
KIM ZOENEN

KonterBunt-App hilft bei der Deeskalation

Die App „KonterBunt“ soll Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene auf einer spielerischen Art und Weise die Rhetorik gegen „Hate Speech“ näher bringen. Die Landeszentralen für politische Bildung Niedersachsen und Sachsen-Anhalt haben in enger Zusammenarbeit mit Verbänden diese App, die jetzt von „Bee Secure“ aufgegriffen wurde, entwickelt.

Fremdenfeindliche, homophobe, antisemitische oder auch sexistische Sprüche sind in der aktuellen gesellschaftlichen Situation leider Alltag. Sie werden oft als freie Meinungsäußerung getarnt oder als „Stammtischgespräche“ abgestempelt. Die freie Meinungsäußerung ist von Artikel 24 der luxemburgischen Verfassung geschützt.

Jedoch nur, wenn keine andere Person dadurch Schaden zugefügt wird. Hierbei ist es grundlegend zu verstehen, dass das Recht, seine freie Meinung äußern zu können mit Pflichten einhergeht. Daher ist „Hate Speech“ eine Straftat, weil sie immer darauf zielt andere Menschen zu verletzten.

Es ist nicht nur wichtig, auf die Gesetzeslage gegen „Hate Speech“ hinzuweisen, sondern die Gesellschaft muss auch darauf aufmerksam gemacht werden, wie sie den Hassbotschaften entgegentreten kann.

Die App „KonterBunt“ soll den Nutzer helfen, eine ausgefeilte Strategie und passende Argumente gegen Hassbotschaften zu finden. Zudem stellt die App auch klar, dass dies alles auf einer deeskalierenden Basis geschehen muss, um die Situation nicht unnötig anzuspannen.

Mit Hilfe der App müssen die Benutzer in kleinen Minispielen die passenden Argumente finden. Es werden Alltagssituationen nachgestellt, beispielsweise in der Schule, Bar oder anderen Orte. Im Spiel werden „Stammtischparolen“ simuliert und in 60 Sekunden muss auf die beste Antwort getippt werden. Ziel des Spieles ist es, die Situation zu entspannen und die Diskussion im Griff zu haben. Das finale Level ist dann ein Familienfest, eine schwere Aufgabe, denn bei Familie und Freunden ist es heikler, das passende Gegenargument parat zu haben.

Der Selbsttest

Die App lässt sich leider nur im Browser nutzen, weil sie nicht für Luxemburg verfügbar ist. Die Benutzung ist dafür umso leichter, denn es muss nur auf den Button „Minispiel“ getippt werden und schon kann es los gehen. Der erste Ort ist ein Spielplatz, wo sexistische Vorurteile rausgehauen werden. In 60 Sekunden muss der User reagieren und das pro Level drei mal. Zum Schluss bekommt der User ein Feeback, wie gut die Antwort war, auf die getippt worden ist.

Die sexistischen Vorurteile werden im „Parolenverzeichnis“ genauer unter die Lupe genommen. Dort werden die Hintergründe der gängigsten Sprüche, Vorurteile und andere Parolen in einem leicht verständlichen Text dargestellt. Im Hauptmenü werden noch wertvolle Tipps für seine eigene Konter-Strategie bereitgestellt, um sich gegen jede Situation wappnen zu können..

Hass-Aufrufe sind in Luxemburg strafbar

„Hate Speech“ ist in Luxemburg eine Straftat, welche juristische Konsequenzen nach sich zieht. Das wird durch die Artikel 442-2 (obsessives Nachstellen), 443 bis 452 (öffentliche Beleidigungen und üble Nachrede) und 454 bis 457-4 im Kapitel VI des Strafgesetzbuches über Rassismus, Revisionismus und Diskriminierung geregelt.

Zwei Faktoren müssen erfüllt werden:

1. Anstiftung zum Hass oder Gewalt in Bezug auf Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Alter, Behinderung, etc..

2. Konkretisierung durch Parolen, Texte, Bilder, Plakate und andere Formen der Kommunikation in der Öffentlichkeit.

Rechtlich ist die Öffentlichkeit aber nicht definiert. Das muss das Gericht unabhängig zu jedem Fall neu entscheiden. Jedoch können auch auf privat gestellte Gruppen in den sozialen Medien als öffentlich gelten.

Wenn das Gericht „Hate Speech“ nachweisen kann, können die Täter zu einer Haftstrafe von acht Tagen bis zu zwei Jahren und/oder zu einer Geldstrafe von 251 bis 25.000 Euro verurteilt werden.

Sicher bewegen in der digitalen Welt

„Bee Secure“ ist eine Initiative, die von den luxemburgischen Ministerien für Wirtschaft, Familie und Bildung, ins Leben gerufen worden ist. Das Ziel von „Bee Secure“ soll die Sensibilisierung für die sichere Nutzung in digitalen Medien sein.

Pädagogisch wertvoll - Auf Anfrage hat „Bee Secure“ mitgeteilt, dass sie die „KonterBunt“-App für Kinder und Jugendliche für pädagogisch wertvoll halten, zudem sei die App gut strukturiert, aber „Bee Secure“ bedauert, dass die App nicht in anderen Sprachen verfügbar ist.

Rassismus und Diskriminierung: 124 Meldungen im 2018 beim „Kanner a Jugend Telefon“ - Aus dem Jahresbericht 2018 vom „Kanner a Jugend Telefon“ geht hervor, dass 2018 insgesamt 124 Meldungen im Bereich Rassismus und Diskriminierung gemeldet wurden.

Es wurden 69 Meldungen als „illegal“ eingestuft und den dafür zuständigen Behörden gemeldet. Im Vergleich zu 2017 sind das mehr Meldungen.