MARC NICKTS

Die Musikindustrie hat in den letzten Jahren einen gewaltigen Umbruch erlebt, aus dem die Plattformbetreiber als die entscheidenden Akteure bei der Verbreitung von Musik hervorgegangen sind. Dies stellt die Musiker, Plattenfirmen und auch die Verwertungsgesellschaften wie „SACEM Luxembourg“ vor neue Herausforderungen. Denn nicht alle Plattformbetreiber wollen etwas von ihrem Kuchen abgeben.

„Als Verwertungsgesellschaft ist es unsere Aufgabe die Urheber- und Autorenrechten von Musikern zu schützen. Über 900 einheimische Mitglieder zählt die ‚SACEM Luxembourg‘, neben den tausenden Komponisten, Texten aus aller Welt, welche durch die ‚SACEM‘ in Luxemburg vertreten werden. Jährlich kommen etwa 50 Artisten, die in Luxemburg tätig sind, hinzu und das Durchschnittsalter der Neumitglieder sinkt. Es sind also immer mehr junge Kreative, die sich für das Urheberrecht interessieren, was bemerkenswert ist, da es immer wieder als überholt dargestellt wird.

Im Internet wird meist nicht territorial, sondern europaweit oder weltweit verhandelt. Allerdings verhandelt jede Verwertungsgesellschaft, die untereinander vertraglich verbunden sind, den internationalen Gebrauch der Werke, der bei ihnen gemeldeten Künstler, im Internet individuell. Ein Beispiel hierfür ist der vor Kurzem geschlossene Vertrag zwischen der Videoplattforme ‚YouTube‘ mit der deutschen Verwertungsgesellschaft ‚GEMA‘. Dieser betrifft das Repertoire der bei der ‚GEMA‘ eingeschriebenen Musiker, für den Gebrauch im Netz in Deutschland aber auch in anderen Territorien. Für uns in Luxemburg ändert sich somit nicht viel, denn wir haben bereits seit drei Jahren eine solche Vereinbarung mit ‚YouTube‘.

Internetplattformen wie ‚YouTube‘ oder ‚Dailymotion‘ sehen sich als Serviceanbieter im Rahmen der E-Commerce-Direktive der EU und daher nicht verantwortlich für die Inhalte, die von den Nutzern hochgeladen werden. In dem Kontext sehen sich die Eigentümer der Plattformen, nicht dazu verpflichtet entsprechend des Urheberrechts Geld an die Rechteinhaber der Werke zu zahlen. Als die entsprechende Direktive geschaffen wurde, gab es diese Art von Plattformen aber noch nicht.

Die Idee war Unternehmen, die sich in diesem Bereich gründen wollen eine gewisse Rechtssicherheit zu geben. Nur ist es aber mittlerweile so, dass auf den Internetplattformen Werbung vor und zum Teil auch während quasi sämtlichen Videos geschaltet werden und somit gezielt ein wirtschaftlicher Nutzen aus der Verwertung der musikalischen Werke gezogen wird. Nur leider werden die Urheber von diesen Einnahmen meistens ausgeschlossen.

Der aktuelle Vorschlag der Urheberrechtsreform der EU sieht zur Freude der Rechteinhaber vor, dass auch ‚User-generated content‘, bei dem der Plattformbetreiber eine aktive Rolle spielt, auch lizenziert werden muss. Viele Unternehmen sind hiervon natürlich weniger begeistert.

Das Erstellen von gerechten Rahmenbedingungen, für die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken im Internet, in denen kreativ Schaffende eine gerechte Beteiligung an der Verwertung Ihrer Werke gewährleistet wird, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.