RODINGEN
CORDELIA CHATON

ArcelorMittal stellt beim Neujahrsempfang seine Tram-Schienen vor - mit gutem Grund

ArcelorMittal stellte die Schienen - und insbesondere die Tramschienen - bei seinem Neujahrsempfang im Werk in Rodingen in den Mittelpunkt - mit gutem Grund. Denn der weltgrößte Stahlhersteller mit Sitz in Luxemburg will seine Produkte im eigenen Land verlegen. Allerdings gewann British Steel mit seinen im lothringischen Hayange produzierten Schienen die erste Ausschreibung für die Schienen der neuen Tram in der Hauptstadt. ArcelorMittal hofft nun auf das zweite Los im Frühjahr. Denn sonst sei man kaum glaubwürdig mit seinen Angeboten im Ausland, gab Werks-Chef Henri Reding zu bedenken. Laut ihm gibt es drei Konkurrenten weltweit in diesem Segment: Voestalpine aus Österreich, British Steel und ArcelorMittal. Allerdings hat British Steel das Feld lange als Monopolist beackern können, denn ArcelorMittal hatte in den 90er Jahren die Schienenproduktion in Rodingen eingestellt. 2011 war sogar die Rede von der Schließung des Werks. Nun soll das Schienengeschäft eines global anziehenden Trammarktes bald für zwei voll ausgelastete Schichten und mehr als derzeit 277 Mitarbeiter sorgen.

Aufholjagd im Schienengeschäft

Rodingen gibt Gas. „In nur 18 Monaten haben wir elf Profile entwickelt, die decken 75 Prozent der Nachfrage ab“, betont Reding. Die Konkurrenz habe 20 respektive 25 Profile. Weltweit gäbe es rund 250 Profile in 30 Stahl-Arten für Schienen. Vorerst aber ist das Ziel, die kritische Auslastung zu erreichen. Die Kapazität des Rodinger Werks von 300.000 Tonnen jährlich ist im Moment nur zur Hälfte ausgelastet. Deshalb akzeptiert Reding auch kleine Lose, zeigt sich flexibel. Neben Schienen entstehen in Rodingen auch Träger für Kohlewerke, Kranzprofile für Windkrafträder oder Strommasten.

Neben Tramschienen produziert Rodingen auch Schienen für Raupenfahrzeuge und Züge. Sogar die Pariser Metro wird aus Rodingen beliefert, aber auch die Tram in Casablanca oder Taipeh. Selbst Hafenschienen für Container umfasst das Programm. Noch aber hat ArcelorMittal die zweite Ausschreibung, die rund 500 Tonnen Stahl umfasst, nicht gewonnen.

Zeit für gute Nachrichten

Michel Wurth, Verwaltungsratspräsident ArcelorMittal Luxemburg und Verwaltungsratsmitglied des Konzerns, machte gut Wetter. Schließlich dient der jährliche Neujahrsempfang, der seit einigen Jahren stets in einem anderen Werk stattfindet, auch dazu, gute Nachrichten zu verbreiten. So präsentierte Wurth ein paar Zahlen für ArcelorMittal Luxemburg, so weit ihm das vor den Trimesterergebnissen, die am 31. Januar bekannt gegeben werden, möglich war: 4.017 Mitarbeiter, 53 Nationalitäten, 2,2 Millionen Tonnen Stahlproduktion in 2017 über alle Werke mit einer Recyclingquote von 95 Prozent. „Und darüber hinaus haben wir 521 Millionen Euro in die luxemburgische Wirtschaft gebracht, durch Löhne, Abgaben und Verträge“, unterstreicht Wurth.

Die allgemeine weltweite Nachfrage ziehe vor allem dank des Asiengeschäfts um drei Prozent an. „Seit dem Jahr 2000 haben wir die Produktion verdoppelt“, sagt Wurth, Dennoch dominiere China immer noch, weil hier 50 Prozent der Weltkapazität lägen. Wurth äußerte immerhin, dass 2017auch finanziell zufrieden stellen verlaufen war und die letzten Zahlen um 30 Prozent besser waren. „Der Stahlkonsum liegt aber noch 15 Prozent unter dem von 2007“, bedauerte er.

Überblick über Werke in Luxemburg

Dann gingen die anwesenden Manager auf Werke in Luxemburg detailliert ein. So verzeichnete Belval 2017 eine Rekordproduktion von 97.700 Tonnen Stahl. In Differdingen entstehen neue Stahlträger für Hochhäuser. Diese wurden beispielsweise beim viertgrößten Hochhaus in New York, dem „One Vanderbilt“, verbaut. In diesem Jahr soll eine neue Arbeitsbrücke für rund 350 Millionen bis März im Werk Differdingen fertig werden. Aus Differdingen kommt auch ein neuer Stahl, der im Marinebereich eingesetzt wird, beispielsweise für Spundwände. Dieser wurde schon auf den Shetland-Inseln verbaut.

Das Werk Bissen läuft gut, insbesondere dank einer Partnerschaft mit Leroy Merlin für Stahlbeton. Das Projekt Sudcal wurde in Belval unterzeichnet, während Agora in Schifflingen mit einer Machbarkeitsstudie begonnen hat und in Dommeldingen weitere Terrainübertragungen möglich sind. Im April diesen Jahres will ArcelorMittal den neuen Sitz auf Kirchberg des Architekten Wilmotte & Assoc. im Detail vorstellen.

Zukunftsmärkte will sich der Stahlkonzern zudem über neue Brückenmodelle erschließen, die vor allem für Frankreich, Deutschland und Polen gedacht sind. Hier gibt es wiederverwertbare Brücken, Standardlösungen und neue Technologien, die längere Brücken ermöglichen.