LUXEMBURG
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23 Fragen an CSV-Fraktionschef Claude Wiseler

Für unsere diesjährige Sommerserie ließen wir einer Reihe von Politikern eine Reihe von Fragen per Email zukommen, von denen einige politisch, andere eher privater Natur sind. Einige haben noch am gleichen Tag geantwortet, bei anderen lässt die Antwort immer noch auf sich warten.

Befragt wurden neben den Regierungsmitgliedern in erster Linie die Fraktionsvorsitzenden der im Parlament vertretenen Parteien sowie die Parteipräsidenten. Heute antwortet CSV-Fraktionschef Claude Wiseler, der ja auch Spitzenkandidat seiner Partei für die Legislativwahlen 2018 ist.

Was war in Ihren Augen das wichtigste politische Dossier in der zurückliegenden Kammersession?

Claude Wiseler Das Anfang des Jahres in Kraft getretene Gesetz über die Luxemburger Nationalität war für mich persönlich eines der wichtigsten politischen Dossiers. Nach einem Referendum über das Ausländerwahlrecht, das nie stattfinden hätte sollen, hat es erlaubt, die Frage der sozialen Kohäsion ein bisschen entkrampfter anzugehen und eine gemeinsame Lösung für effiziente Integrationspolitik vorzuschlagen. Luxemburg braucht Zusammenhalt und keine Spaltung.

Wie bewerten Sie die bisherige Arbeit dieser Koalition, die nun ihr letztes Jahr in Angriff nimmt?

Wiseler Die Regierung war angetreten, um den öffentlichen Haushalt zu sanieren, dem Land eine neue Verfassung zu geben, die Krise auf dem Wohnungsmarkt zu lösen, in Sachen Landesplanung die notwendigen gesetzlichen und reglementarischen Instrumente zu schaffen, eine gerechtere Familienpolitik umzusetzen. Bei keiner dieser wesentlichen politischen Zielsetzungen hat die Regierung zufriedenstellende Resultate aufzuweisen.

Welches Projekt muss aus ihrer Sicht noch unbedingt in dieser Legislatur verabschiedet werden?

Wiseler Eigentlich müssten alle die vorgenannten Projekte noch umgesetzt werden. Vielleicht kann noch bis Ende der Legislaturperiode einiges in Sachen Landesplanung geschehen. Es wäre auf jeden Fall, angesichts dem von der Regierung angekündigten demografischen Wachstums, mit all seinen Problemen, unter anderem in Sachen Mobilität und Wohnungsbau, absolut von Nöten.

Welches sind Ihre persönlichen Prioritäten für die Rentrée?

Wiseler Das Weiterarbeiten an den Details unseres Planes für Luxemburg, auf dem sich das CSV-Wahlprogramm aufbauen wird. Eine große Herausforderung und eine ungemein spannende Aufgabe.

Spielen die Kommunalwahlen für Sie eine Rolle?

Wiseler Obwohl ich nicht selber Kandidat bin, spielen sie selbstverständlich für mich eine wichtige Rolle. Eine ganze Menge politischer Entscheidungen werden in der Gemeinde getroffen, und zum Beispiel in Sachen Mobilität oder auch noch Wohnungsbau ist eine Politik konsequent nur durchsetzbar, wenn die Gemeinden mitarbeiten. Eine andere Rolle, die ich wahrscheinlich das ein oder andere Mal während der Kampagne für die Gemeindewahlen spielen werde, ist die des Fahrers meiner Frau, die in der Stadt Luxemburg kandidiert. Sie wird diese Rolle dann in den Nationalwahlen übernehmen...

Welche Koalition würden Sie sich für nach den Parlamentswahlen von 2018 wünschen?

Wiseler Eine stabile Koalition. Blau, Grün oder Rot als Koalitionspartner der CSV ist möglich. Hauptsächlich eine Koalition die uns erlaubt, das absolut notwendige Reformprogramm weitgehend umzusetzen.

Welches Ministeramt würde Sie am meisten reizen?

Wiseler Raten Sie mal!!

Was war der Auslöser, warum Sie in die Politik eingestiegen sind?

Wiseler Die Unzufriedenheit mit der DP-LSAP-Regierung in den 70er Jahren und der Wille, selbst Verantwortung zu übernehmen. Letztendlich ebenfalls ein langes Gespräch mit dem damaligen Staatsminister Pierre Werner, der mir erklärte, dass Politik nicht nur eine Auseinandersetzung der Ideen sei, sondern hauptsächlich von Menschen mit Wille, Einsatz und Verantwortungsgefühl geprägt sei.

Macht EU-Kommissionspräsident Juncker eine gute Arbeit?

Wiseler Ja, und das in einer außergewöhnlichen und gefährlichen Zeit, und unter sehr schwierigen Bedingungen. Europa verdankt ihm viel.

Was halten Sie vom (nicht mehr ganz so) neuen US-Präsidenten?

Wiseler Ich habe nichts von ihm erwartet, und er übertrifft alle meine Erwartungen.

Sind Sie in den sozialen Medien aktiv, und was halten Sie von Facebook & Co.?

Wiseler Ja, bin ich. Sie machen die Kommunikation schnell und effizient. Aber ebenfalls oberflächlich. Unentbehrlich, aber mit Vorsicht zu genießen. Für politische Kommunikation notwendig, aber an sich ungeeignet, da Politik komplex und die sozialen Medien manchmal zu vereinfachend sind.

Was würden Sie machen, wenn Sie drei Wünsche frei hätten?

Wiseler Ich wünsche mir vieles, aber ich bin zufrieden mit dem was kommt. Mehr Zeit wäre vielleicht der einzige persönliche Wunsch. Im allgemeinen gibt es sich so vieles zu wünschen, dass auch die Tagesausgabe des „Journal“ zu klein wäre, um alles aufzuzählen.

Was würden Sie ändern, wenn Sie der reichste Mann/Frau der Welt wären?

Wiseler Glück und Zeit kann man sich nicht mit Geld kaufen. Aus vielen Gründen würde ich sicherlich einen großen Teil des Geldes für Forschung in Sachen Alzheimer und Demenzkrankheiten benutzen.

Wohin fahren Sie in den Urlaub, und warum?

Wiseler Einige Tage nach England und Irland, um meine Kinder und Enkelkinder zu besuchen. Und dann kurz nach Portugal in die Sonne.

Was haben Sie sich in sportlicher Hinsicht für den Urlaub vorgenommen?

Wiseler Vieles. Hoffentlich klappt es.

Welche Bücher planen Sie, im Urlaub zu lesen?

Wiseler Ich versuche, den während dem Jahr angesammelten Haufen von ungelesenen Büchern ein bisschen abzuarbeiten. Das Programm besteht hauptsächlich aus Literatur mit zum Beispiel dem neuen Buch von Philippe Djian, „Marlène“, oder auch noch David Foenkinos „Le Mystère de Henri Pick“, aber ebenfalls ein bisschen Politik mit Helmut Schmidts „Außer Dienst: Eine Bilanz“.

Ihr Hauptcharakterzug?

Wiseler Verantwortungsbewusst. Und verlässlich. Auf jeden Fall gebe ich in dieser Hinsicht mein Bestes.

Ihr größter Fehler?

Wiseler Detailbesessen. Ich hasse Oberflächlichkeit.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Wiseler Lesen. In aller Ruhe. Am liebsten zwei bis drei Stunden ungestört. Ein richtiger Luxus, zu dem ich selten die Möglichkeit habe.

Ihr Leibgericht?

Wiseler Brot, und jede Sorte von Käse. Dafür lasse ich jede Sterneküche stehen.

Was schätzen Sie am meisten an sich?

Wiseler Wenn es etwas gibt, was ich nicht verlieren möchte, ist es meine innere Ruhe und mein Gleichgewicht. Sie erlauben es, schwierige Situationen oder größeren Stress zu meistern. Und Stress ist keine Seltenheit in der Politik!

Was hassen Sie am meisten an sich?

Wiseler Meinen Wunsch, alles unter Kontrolle zu haben, nervt mich schon selbst manchmal. Weil es besser sein kann, Verschiedenes, auf das man sowieso keinen Einfluss hat, einfach laufen zu lassen. Aber man ist halt wie man ist.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Wiseler Gelassen, ausgeruht, einsatz-und kampfbereit. Ich freue mich auf das kommende Jahr. Was auch immer es bringen mag.