ETTLINGEN CHRISTIAN SPIELMANN

Der Luxemburger Fernand Delosch spielt bis zum 17. August „Sweeney Todd“ in Ettlingen

Am 1. März 1979 wurde im Uris Theatre am Broadway Stephen Sondheims Musical „Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street“ uraufgeführt. Udo Schürmer inszenierte eine Open-Air-Fassung für die Schlossfestspiele in Ettlingen, die vorgestern Premiere feierte. Der Luxemburger Fernand Delosch spielt die Titelrolle.

Benjamin Barker wurde durch den fiesen Richter Turpin (Jon Geoffrey Goldsworthy) verurteilt. Der Gesetzesmann räumte den unschuldigen Barker so aus dem Weg, um sich ungehindert an dessen Frau Lucy ranzumachen. Fünfzehn Jahre später kommt Barker unter dem neuen Namen Sweeney Todd ins London des 19. Jahrhunderts zurück. Er nimmt an, dass seine Frau tot ist. Turpin ist unterdessen der Vormund seiner Tochter Joanna (Madeleine Haipt). Todd lernt die Pastetenbäckerin Mrs. Lovett (Gudrun Schade) kennen: Mit ihrer Hilfe beginnt sein Rachefeldzug. Er rasiert Kunden und tötet sie anschließend. Aus deren Fleisch backt Mrs. Lovett die besten Pasteten Londons. Nun muss er nur noch Turpin und dessen rechte Hand, Büttel Bamford (Thomas Schirano), in seinen Rasierstuhl locken.

Rabenschwarzer Humor

Fernand Delosch besticht zuerst durch seine ausgezeichnete Stimme, mit der er jede Tonlage fehlerfrei beherrscht. In Todds Gesicht spiegelt sich jede Enttäuschung wieder; kaum ein Lachen kommt über seine Lippen. Nur beim Namen von Joanna erkennt man einen leichten Hoffnungsschimmer in seinen Augen. Ohne irgendwelche emotionale Regung schneidet er seinen „Kunden“ die Kehle durch. Delosch spielt diese Rolle mit einer außergewöhnlichen Intensität, die sowohl Angst macht, wie auch Betroffenheit auslöst - eine tolle Leistung! An seiner Seite kann Gudrun Schade stimmlich wie auch schauspielerisch mithalten. Überraschend gut ist Nikolaj Alexander Brucker als Seemann Anthony, der sich in Joanna verliebt hat.

Sondheims Musical besticht zudem durch seine fast durchkomponierte Partitur. Der wunderschöne Titel „Joanna“ geht unter die Haut. Etwas Humor, wenn auch rabenschwarzer, lockert etliche Mal die düstere Geschichte auf, die auf ein Ende à la Shakespeare zusteuert. Die Ettlinger Open-Air-Fassung von „Sweeney Todd“ ist somit ein Muss für alle Musical-Fans, und es bietet die Gelegenheit, Fernand Delosch in
Bestform zu sehen.

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