LUXEMBURGCHRISTIAN SPIELMANN

Tommy Lee Jones‘ zweiter Kinofilm „The Homesman“

Während Regisseur Tommy Lee Jones in Cannes auf einen eventuellen Preis für seinen „The Homesman“ wartet, kann sich zeitgleich das Luxemburger Publikum über diesen Western eine Meinung bilden. 2005 überraschte der Schauspieler mit seiner ersten Regiearbeit „The Three Burials of Melquiades Estrada“.

Auch wenn bei seinem zweiten Spielfilm der echte Kick fehlt, können die Schauspieler(innen) gefallen - er selbst in der Titelrolle -, wie auch große Teile der Geschichte, die auf dem gleichnamigen Roman von Glendon Swarthout basiert.

In der Einsamkeit der Steppe

Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) lebt allein auf ihrer Ranch nahe dem trostlosen Nest Cloud in Nebraska. Als drei Frauen sozusagen über Nacht verrückt werden, bietet sie ihre Hilfe an, Arabella (Grace Summer), Theoline (Mirando Otto) und Gro (Sonja Richter) nach Iowa zu bringen, wo man sie behandeln wird. Als sie George Briggs (Jones) trifft, sitzt dieser auf einem Pferd, mit einem Strick um den Hals. Sie handelt mit ihm seine Befreiung aus, und so muss er sie auf der langen Reise begleiten! Die beschwerliche Fahrt führt durch eine ausgedörrte Steppenlandschaft, in der Indianer und Banditen ihr Unwesen treiben.

Unspektakulär

Wer nun glaubt, dass diese Ein-Wagen-Karawane ständig unter Beschuss liegt und die durchgeknallten Frauen ihre geistigen Grenzen durchstoßen müssen, um zu überleben, der irrt. Einzig ein paar Indianer tauchen auf und Arabella wird von einem Cowboy gekidnappt. Regisseur Jones handhabt diese Situationen aber ganz unspektakulär. Ihn interessiert in erster Linie Mary Bee, die sich nicht sehnlicher wünscht als einen Mann. Jedoch sind ihre autoritäre Art und ihre Sturheit nicht gerade Eigenschaften, die einen Mann anziehen. Hilary Swank spielt diese außergewöhnliche Frau auf eine genauso faszinierende Art und Weise. Ganz viel Humor und Sarkasmus fließen in die Relation zwischen George, dem Mann fürs traute Heim (Homesman), und dieser von einem Traum erfüllten Frau ein. Wenn etwas wirklich im Film überrascht, ist es Mary Bees Entschluss, sich George hinzugeben, wie die Folgen dieses Akts. Jones passt so richtig in die Haut dieses alten Haudegens, dessen Ursachen, sich auf dieses Abenteuer einzulassen, lediglich versprochene 300 Dollar sind. Aber irgendwie lassen ihn die Schicksale der Frauen nicht kalt. Der Zuschauer erlebt die Situationen der Frauen, die zum Wahn führten, nur kurz am Anfang des Films. Später spielt ihre Verrücktheit keine nennenswerte Rolle mehr. Und das ist schade! Jones hätte diese Schicksale nutzen müssen, um seinem Film etwas psychische Tiefe mit ins Spiel zu bringen, was zu mehr Spannung geführt hätte. Langweilig ist Jones Film sicher nicht, aber diese Geschichte hat viel mehr Potenzial, was nicht ausgenutzt wurde. In Nebenrollen entdeckt man John Lithgow, Meryl Streep, James Spader und William Fichtner.