CLAUDE KARGER

Na, vielleicht kommt es doch noch zum „Schock der Ideen“, der einen Wahlkampf auszeichnen sollte.

Ideen für die Gestaltung der Zukunft des Landes, die den Realitäten und den Bedürfnissen einer sich laufend verändernden Gesellschaft und Wirtschaft gerecht werden.

Die Parteien sind dabei, ihre Wahlprogramme definitiv zu schnüren. „Testballons“ steigen allerdings schon seit Monaten.

Von den im Parlament vertreten politischen Formationen haben Déi Lénk, DP und LSAP die Übung schon hinter sich, heute absolvieren die Grünen sie bei ihrem Kongress in Junglinster.

Das Wahlprogramm der ADR soll ab dem 16. Juli verfügbar sein. Wir sind gespannt, wieviel „Nee2015/Wee2050“ darin steckt. Jedenfalls scheinen deren Facebook-Vielposter in den sozialen Medien bereits die Kommunikationspolitik der „Alternativen Demokraten“ übernommen zu haben.

Fundus: „Gambia“ mache „Lëtzebuergesch“ kaputt, obwohl es gerade ordentlich gefördert wird, Untergangsstimmung beim Thema Wachstum und Furcht vor „Asylanten“.

Was dazu alles an Üblem an den digitalen Stammtischen abgeladen wird: Unsäglich.

Die größte Oppositionspartei CSV indes, die freilich bereits einige Stoßrichtungen angekündigt hat, von denen die Sache mit der Neuordnung mit Referendumsnachdruck der gemeindepolitischen Landschaft bislang am meisten Wellen schlug, will ihren Fahrplan für Luxemburg erst im Herbst offenlegen.

Warum eigentlich, wo man doch in fünf Jahren Opposition leicht mehr Zeit gehabt hätte, um die großen Reformwürfe auszufeilen, die man ohne nähere Angaben vorgibt, zu haben?

Kommt das Programm erst im Herbst, bleibt den Wählern recht wenig Zeit, gründlich Kenntnis davon zu nehmen. Vielleicht gehört es aber auch zur Taktik mal abzuwarten, was die Konkurrenz auf den Tisch bringt und das zunächst mal genüsslich zu kritisieren.

Laut CSV-Auslegung ist die Politik der Dreier-Koalition, deren demokratische Legitimierung immer noch von verschiedenen Kreisen in Frage gestellt wird, eh nur eine Reihe von Fehlschlägen und „Walkaddoen“. Wobei sich die Partei, die Jahrzehnte lang am Ruder war, eigentlich in solchen Dingen auskennt...

Nun liegt es in der Natur eines Wahlkampfs, dass Parteien oft Konzepte vorschlagen, die immer noch einiges an Diskussion benötigen und nicht selten eine konsequentere Durchrechnung.

Und es ist klar, dass ein Wahlprogramm noch längst kein Koalitionsprogramm ist und auch noch längst kein Vertrag mit den Sozialpartnern etwa.

Wichtig ist aber, dass die Ideen fortschrittlich sind, aus einem Antrieb der weiteren Verbesserung der Lebensqualität und Freiheit der Bürger heraus, ohne die Konsequenzen für das gesellschaftliche, soziale und wirtschaftliche Gefüge aus den Augen zu verlieren.

Sicher ist: Auf Rückwärtsgewandheit und Abschottung, Hass und Neid ist keine Zukunft zu bauen.