LUXEMBURG
ANDREA DI RONCO

Ein geplantes Gesetz sieht vor, dass Arbeitgeber, die Menschen mit einer Behinderung oder in einer externen beruflichen Wiedereingliederung einstellen wollen, künftig auf Experten zurückgreifen können, die die Unternehmen und Betroffenen bei der Anpassung des Arbeitsplatzes beraten und begleiten. Die nationale Informations- und Begegnungsstelle im Bereich Behinderung, Info-Handicap, begrüßt dieses Vorhaben, würde aber eine gleichzeitige Durchsetzung der bereits existierenden gesetzlichen, jedoch nicht angewandten, Quoten bevorzugen, statt weiter nur auf Sensibilisierung und neue Maßnahmen zu setzen. Andrea Di Ronco, Mitarbeiter des juristischen Informationsdienstes von Info-Handicap, erklärt:

„Als Info-Handicap unterstützen wir prinzipiell das Vorhaben der Regierung für das geplante Assistenzprojekt, auch wenn, wie aus dem Gutachten des Obersten Behindertenrates zur Gesetzesvorlage hervorgeht, eine Bestandsaufnahme bestehender Dienste und Instrumente sinnvoll gewesen wäre, bevor etwas Neues ins Leben gerufen wird. Zudem gibt es noch einige Unklarheiten und Nachbesserungsbedarf im Text.

Wir sind allerdings der Meinung, dass die Sensibilisierung und die Schaffung neuer Maßnahmen alleine nicht ausreichen, um die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt wirklich voranzubringen. Wirksamer wäre die Umsetzung der gesetzlich festgeschriebenen Quoten. Quoten haben einen schlechten Ruf, sollen aber keine Strafe darstellen, sondern vielmehr als Katalysator dienen, das heißt die Inklusion beschleunigen helfen. Man könnte sich beispielsweise vorstellen, dass der Staat eine bestimmte Frist vorgibt, bis zu welcher der Privatsektor seinen Verpflichtungen nachkommen muss. Gleichzeitig könnte man den Arbeitgebern eine Unterstützung anbieten, um ihre Fragen zu beantworten oder durch Klärung der Voraussetzungen zu ermitteln, welche Formen der Behinderung im spezifischen Arbeitsumfeld eines Unternehmens überhaupt infrage kommen.

Mein persönlicher Eindruck ist heute der, dass die Bereitschaft, Mitarbeiter mit einer Behinderung einzustellen, meistens von den Arbeitgebern kommt, die direkt oder indirekt von einer Behinderung betroffen sind. Es kann mehr Aufwand, Zeit und manchmal auch Umdenken erforderlich sein, wenn ein Unternehmen einen Menschen mit einer Behinderung rekrutiert. Eine Hilfestellung kann deshalb von Vorteil sein, um die Arbeitgeber zu unterstützen und diesen Prozess voranzubringen.

Parallel dazu müsste auch die Bewertung der beruflichen Neigungen und Fähigkeiten von Menschen mit einer Behinderung, die bei der ADEM eingeschrieben sind, ausgebaut werden, damit von vornherein klar ist, ob die Kompetenzen und Bedürfnisse des Arbeitssuchenden den Stellen auf dem Arbeitsmarkt entsprechen oder nicht. Man darf dabei nicht nur an sichtbare Behinderungen denken. Bei einer psychischen Behinderung können etwa Aspekte wie das Arbeitsklima ausschlaggebend sein, in anderen Fällen muss das Arbeitspensum oder die Arbeitszeit flexibel gehandhabt werden können. Die jüngsten Entwicklungen bei der Arbeitsagentur gehen zweifellos in die richtige Richtung, reichen allerdings noch nicht aus.

So müsste man zum Beispiel ebenfalls in Fällen, in denen Menschen mit einer Behinderung zwar theoretisch schon arbeiten könnten, in der Praxis allerdings über Jahre keine Einstellung finden, sich die Frage stellen, ob in diesen Fällen nicht andere Wege, etwa in Form einer Invalidenrente, eingeschlagen werden müssten.“