LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Luxemburgische Getreideernte liegt 2016 bei Menge und Qualität

An dieser Stelle haben wir bereits darüber berichtet, dass der luxemburgische Weinbau unter Ernteausfällen von bis zu 50 Prozent rechnen muss. Einzelne Parzellen bringen in diesem Jahr Null Ertrag. Wer gehofft hat, dass sich das Debakel auf die Nische Weinbau beschränkt, sieht sich aber getäuscht. Bereits im letzten Jahr war der Artikel über die Getreideernte mit „Ganz harte Zeiten“ betitelt - in diesem Jahr ist es noch viel schlimmer gekommen.

Da die traditionelle „Karschnatz“-Pressekonferenz des Landwirtschaftsministers bis jetzt noch nicht stattgefunden hat, haben wir uns gestern bei einigen Akteuren der klassischen Landwirtschaft nach dem Stand der Dinge in Sachen Getreideernte erkundigt. Die Antworten waren ernüchternd. Sie reichten von einem resignierten „Gute Frage, nächste Frage“ bis zum schlichten „katastrophal“.

Die Ernte kommt nicht voran

Josiane Willems, Direktorin der Bauernzentrale formulierte es noch zurückhaltend. „Die Situation ist nicht gut“. Aufgrund des instabilen Wetters kommt die Ernte nicht voran, gegenüber den Vergleichsjahren ist der zeitliche Verzug deutlich zu sehen. In der ganzen letzten Woche sei wegen des Regens „nichts gelaufen“. Die Wintergerste sei am Wochenende komplett eingebracht worden, die Weizenernte laufe aktuell.

Ihre persönliche Erwartung liegt bei einem Ernterückgang von dreißig Prozent, pessimistische Mitarbeiter sähen die Verluste sogar schon bei 60 Prozent. Auf Versuchsfeldern habe man einen Einbruch von 50 Prozent verzeichnet.

Insgesamt sei es so, meinte Josiane Willems, dass es weniger Quantität gibt, die Qualität aufgrund kleiner Körner schlecht sei und der Brotweizen dazu noch ein geringes Gewicht aufweist. Insgesamt könne man beim Getreide nur sagen: Die Lage ist schlecht.

Preistendenz: Fallend

Ergänzend dazu muss man noch feststellen, dass die Getreidepreise bestenfalls durchschnittlich sind. Laut dem Jahrespreisindex des „Service d’economie rurale“ lag der Weizenpreis 2015 auf demselben Niveau wie 2010. In der Zwischenzeit, 2012, war er um fast 50 Prozent höher.

Winterraps besonders betroffen

Klaus Palzkill von „Versis“, einem Tochterunternehmen der „De Verband“-Gruppe, meinte dem „Journal“ gegen über, dass die Verluste von Kultur zu Kultur variieren. Auch er sieht die zu erwartende Verlustquote zwischen dreißig und fünfzig Prozent. Besonders hart getroffen habe es den Winterraps. Die Qualität der bei „Versis“ angelieferten Wintergerste sei „katastrophal“, die Körner seien klein und ihr Gewicht sehr gering.