LUXEMBURG
MARCO MENG

Adidas senkt Prognose - East West United Bank hält an Ukraine fest

Tag Eins nach Beschluss von verstärkten Sanktionen gegen Russland. Während Russlands größter privater Ölproduzent Lukoil gestern sein Tankstellennetz mit insgesamt 240 Tankstellen und sechs Ölspeichern in der Ukraine an das österreichische Unternehmen AMIC Energy Management verkaufte, wie dpa meldete, senkte nicht nur der deutsche Maschinenbauer seine Wachstumsaussichten für 2014 von ursprünglich drei auf nur noch ein Prozent. Auch der Sportartikelkonzern Adidas schockte mit einer Gewinnwarnung seine Anleger: Geplante Geschäftseröffnungen in Russland sind auf Eis gelegt. Für das Gesamtjahr rechnen die Franken nur noch mit einem Gewinn von 650 Millionen Euro - ein Fünftel weniger als bisher geplant. Neben der Schwäche des Rubels sinke auch die Stimmung der Verbraucher in Russland, so das Unternehmen, das auch der Konflikt im Nahen Osten belastet.

EWUB: Kein Abbruch des Ukraine-Geschäfts

Anna Radischewskaja, Marketingchefin der in Luxemburg ansässigen russischen East West Unit Bank (EWUB), für die der ehemalige Wirtschaftsminister Jeannot Krecké als unabhängiger Direktor fungiert, erklärt uns auf die Frage, ob die EWUB die Gefahr sehe, dass die Sanktionen das Geschäft der Bank erschweren würden: „Die US-amerikanische und die europäische Sanktionslisten haben verschiedene Auswirkungen auf den Betrieb aller Banken.“ Man habe die Listen im Auge und stelle sicher, dass man keinen Verbindung mit den aufgeführten Personen und Einrichtungen habe. „Wir werden angemessene Entscheidungen treffen, und wenn nötig die Operationen der Bank anpassen“, so Radischewskaja. Ob durch die Sanktionen russisches Geld Luxemburg verlassen werde, sei schwer vorherzusagen. „Auch hier hängt es von den Sanktionen ab“, so die Sprecherin der Bank. Bislang habe man keine großen Abflüsse von Vermögenswerten von russischen Kunden feststellen können. Drohten allerdings Konten oder russische Kunden auf die US- oder EU-Sanktionslisten zu kommen, könnte das Geld Luxemburg dann verlassen.

Die East West United versteht sich als Verbindungselement für Unternehmen, die nach Russland investieren wollen. Im November hatte die Geschäftsführerin Swetlana Fedotowa noch erklärt, auch bei Investitionen in die Ukraine wolle man helfen: „Die Ukraine ist übrigens ebenfalls ein sehr interessanter Markt“, sagte sie damals. Ob nun angesichts des Konflikts die Pläne der EWUB, bei Investitionen in der Ukraine zu helfen, auf Eis gelegt oder sogar gänzlich gestoppt seien, verneint die Unternehmenssprecherin: „Wir haben unsere Geschäftsbeziehungen zur Ukraine nicht gestoppt.“

Derweil sorgte gestern die Zerschlagung des Yukos -Konzerns für einen weiteren herben Rückschlag für Russland. Zum zweiten Mal binnen weniger Tage wurde Moskau zu Entschädigung in Milliardenhöhe verurteilt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg sprach den früheren Aktionären eine Entschädigung in Höhe von knapp 1,9 Milliarden Euro zu. Russland kritisierte die Verurteilung als „ungerecht“. In Straßburg wurden Fehler im russischen Steuerverfahren gegen Yukos geahndet. Wie in den Niederlanden ist auch der Spruch in Straßburg gerichtlich anfechtbar. Dort hatte am Montag der Ständige Schiedsgerichtshof in Den Haag Russland zu einer Rekordentschädigung von gut 37 Milliarden Euro verurteilt.