BETTEMBURG
JEFF KARIER

Mit ihrem Dienst „Catsitter“ will Fanny Schlesser das Leben von Katzenbesitzern erleichtern

Ob für einige Tage oder sogar mehrere Wochen: Viele lieben es, zu reisen und tun dies nach Möglichkeit oft. Doch wer kümmert sich während dieser Zeit um den geliebten Stubentiger? Wenn sich kein Familienmitglied, Freund oder Nachbar finden lässt, verbringt die Katze den Urlaub oft in einer Tierpension. „Das ist jedoch oft eine Stresssituation für sie. Besser ist es, wenn das Tier in ihrem gewohnten Zuhause bleiben kann“, erklärt Fanny Schlesser. Die junge Frau besitzt selbst zwei Katzen und hat den Dienst „Catsitter“ geschaffen, der sich um die Samtpfoten kümmert, wenn ihre Besitzer verreist sind.

Im selben Boot

Die Idee kam ihr vor etwa zwei Jahren. Nachdem sie von Bartringen nach Bettemburg gezogen war, suchte Schlesser nach jemandem, der auf ihre Katzen aufpassen könnte, da sie verreisen wollte. „In Bartringen hat dies praktischerweise immer meine Mutter machen können. Das war jetzt nicht mehr so einfach machbar“ Schlesser kontaktierte daraufhin einige Firmen, die einen solchen Catsitter-Service anboten. Allerdings waren diese oft recht teuer oder die Firma bot die Dienstleistung nicht für die Gegend um Bettemburg an.

„Daraufhin dachte ich mir, dass es eigentlich praktisch wäre, wenn man etwa einen Studenten hätte, der in der Gegend wohnt und sich während des Urlaubs um die Katze kümmern könnte. Und da viele in meinem Umfeld in einer ähnlichen Situation waren, kam mir die Idee, einen eigenen Dienst auf die Beine zu stellen“, erklärt die junge Geschäftsfrau. Um dies umzusetzen, wandte Schlesser sich an das „House of Entrepreneurship“ , das ihr dann auch weiterhelfen konnte und erklärte, wie man eine Sàrl. gründet. Schlesser hat dabei alles in Eigenregie gemacht. Das heißt die Internetseite, das Logo sowie das Marketing und was sonst noch alles zu tun ist.

„In einem ersten Schritt habe ich im November 2017 Catsitter gesucht und über Facebook einen Aufruf gestartet.“ Schüler und Studenten zwischen 15 und 27 Jahren konnten sich melden, was auch viele taten. „Nach einem Monat hatte ich schon fast 100 Katzensitter.“ Ihr sei es wichtig gewesen, zuerst ausreichend Catsitter aus dem ganzen Land zu haben, damit sie ihren Service auch im ganzen Land anbieten kann. Am 1. Dezember 2017 startete sie dann ihren Dienst und traf auf eine große Nachfrage, und zwar von beiden Seiten, so dass auf ihrer Website mittlerweile mehr als 450 Catsitter angemeldet sind. Diese haben größtenteils selber Katzen, sind also ebenfalls Katzenfans und wissen, wie man mit den Tieren umgeht.

Simples Prinzip

Der Service an sich ist sehr einfach. Auf eine Buchungsanfrage geben Kunden an, wo sie wohnen, von wann bis wann sie einen Catsitter brauchen und wie lange und wie oft pro Tag die Katze betreut werden soll. „Minimum ist eine halbe Stunde am Tag, denn neben dem Füttern und Säubern des Katzenklos sollen die Catsitter auch etwas Zeit mit den Katzen verbringen und mit ihnen spielen.“ Der Kunde kann dann zum Beispiel zweimal eine halbe Stunde oder einmal eine Stunde und einmal eine halbe Stunde pro Tag buchen. „Alles sehr flexibel“, betont Schlesser.

Die Zahl der Anfragen variiert im Laufe eines Jahres. An verlängerten Wochenenden und während der Schulferien ist diese entsprechend hoch. Am letzten Wochenende etwa hatte Schlesser pro Tag rund 40 Catsitter im Einsatz.

Die Anfrage geht bei der Unternehmerin ein, die diese dann auf ihrer Karte mit den Catsittern abgleicht. „Ich habe die Catsitter gerankt, und zwar basierend auf dem Feedback der Kunden. Ich greife also immer zuerst auf die am besten bewerteten Catsitter zurück und frage bei ihnen an, ob sie sich in dem Zeitraum um die Katzen des jeweiligen Kunden kümmern können.“ Der Kunde erhält eine Karte des Catsitters mit einem Foto und Informationen über ihn.

Wenn alles passt, setzt Schlesser den Kunden mit dem Catsitter in Verbindung, und es kommt vor der Reise zu einem Treffen. „Das ist auch sehr wichtig, damit der Kunde dem Catsitter alles zeigt und erklärt, was die Katzen mögen und Ähnliches.“ So werde auch eine Vertrauensbasis aufgebaut. Während des Urlaubs findet oft auch ein täglicher Austausch zwischen den beiden Seiten statt. So schickt der Catsitter in der Regel alle ein bis zwei Tage ein Foto der Katze, damit die Katzenbesitzer auf dem Laufenden bleiben, wie es den kleinen Lieblingen geht. Außerdem beweisen die Catsitter mit den Bildern, dass sie auch dort waren. Nach dem Catsitting lässt Schlesser dem Kunden eine Rechnung zukommen und fragt nach, ob alles gut verlaufen ist.

Sicherheit und Vertrauen

Laut Schlesser schätzen es die Kunden, dass die Katzensitter aus ihrer Gegend kommen und Schüler beziehungsweise Studenten sind. „Das gibt ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen“, meint sie. Hinzu kommt das Wissen, dass wenn etwa Unvorhergesehenes passieren sollte, ein anderer Catsitter einspringen kann und die Katze nicht alleine gelassen wird.

Wie Schlesser erklärt, macht ein Großteil ihrer Kunden Expats aus, die ihre Nachbarn nicht kennen und oft auch keine Familie in Luxemburg haben. Entsprechend ist der Dienst von Schlesser sehr praktisch für sie. Aber auch die Schüler und Studenten sowie die Katzen profitieren von „Catsitter“

„Catsitter“ arbeitet mit dem ACL zusammen, da dieser den Service „Assistance Pets“ anbietet. Wenn zum Beispiel eine ältere Frau auf der Treppe stürzt und ins Krankenhaus muss, kümmert sich ein Catsitter von Schlesser während des Krankenhausaufenthalts um deren Katze.

Blick in die Zukunft

Eine halbe Stunde kostet zwölf Euro beziehungsweise 24 Euro die Stunde, wobei nochmal die Mehrwertsteuer dazu kommt. Die Catsitter erhalten pro Stunde zwölf Euro Gehalt. „Der Rest der Einnahmen wird benutzt, um die laufenden Kosten zu decken“, erklärt Schlesser, die neben ihrer Unternehmertätigkeit noch einem festen Job nachgeht. Denn noch kann sie von ihrer Firma nicht leben.

In Zukunft möchte sie die angebotenen Dienstleistungen noch weiter ausbauen und hat auch schon einige Ideen. Eine davon ist eine Box, die der Kunde hinzubuchen kann. In dieser befinden sich Leckereien sowie spezielles Spielzeug für die Katze, die der Catsitter besucht. „Aber ich habe noch eine ganze Reihe an weiteren Ideen, die ich jedoch noch nicht verraten möchte.“