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Samstag als Tag der nationalen Trauer ausgerufen

Nach dem schweren Erdbeben in Mittelitalien schwindet die Hoffnung, unter den Trümmern noch Überlebende zu finden. Die Opferzahl lag am Freitagmittag - mehr als 55 Stunden nach dem Erdstoß - bei 267, wie der italienische Zivilschutz mitteilte. Für (den morgigen) Samstag wurde ein Tag der nationalen Trauer ausgerufen, einige der Toten sollen bei einem Staatsbegräbnis beigesetzt werden.

Schwere Nachbeben erschwerten die Arbeit der Einsatzkräfte, die eine weitere Nacht lang durcharbeiteten, um vielleicht doch noch Menschen lebend aus ihren zusammengestürzten Häusern zu ziehen. Obwohl es weder am Donnerstag noch am Freitagvormittag ein solches Erfolgserlebnis gegeben hatte, erklärte Einsatzleiterin Immacolata Postiglione, dass nach wie vor mit voller Energie nach Lebenszeichen gesucht werde. Nach dem Beben in L’Aquila 2009 war noch nach 72 Stunden eine Person aus den Trümmern gerettet worden.

Auch Helfer Walter Milan gab sich zuversichtlich. „Es gibt immer noch Hoffnung, Überlebende unter dem Schutt zu finden, auch zu diesem Zeitpunkt“, sagte er am Freitag. Er fügte allerdings hinzu: „Natürlich ist es sehr unwahrscheinlich.“ Die Arbeit der Suchmannschaften wurde auch dadurch erschwert, dass nach wie vor nicht klar war, wie viele Menschen eigentlich noch vermisst waren. Zum Zeitpunkt des Bebens waren viele Urlauber in der Bergregion.

Ein Spürhund der Feuerwehr sucht nach Lebenszeichen in Arquata. Foto: AP - Lëtzebuerger Journal
Ein Spürhund der Feuerwehr sucht nach Lebenszeichen in Arquata. Foto: AP

Einige der beschädigten Häuser im besonders hart getroffenen Ort Amatrice bekamen durch ein schweres Nachbeben am frühen Morgen weitere Risse. Die US-Erdbebenwarte maß eine Stärke von 4,7, jene in Italien 4,8. Insgesamt erschütterten seit dem ursprünglichen Erdstoß der Stärke 6,2 fast 1.000 Nachbeben die Region. Auch eine Brücke nach Amatrice wurde dadurch beschädigt und musste geschlossen werden, wodurch die Arbeit der Such- und Rettungsmannschaften weiter erschwert wurde.

Ministerpräsident Matteo Renzi rief den Notstand aus und autorisierte die Freigabe von 50 Millionen Euro Soforthilfe für die Erdbebenopfer. Zusätzlich wurde für Samstag Staatstrauer ausgerufen, an allen öffentlichen Gebäuden werden die Flaggen auf halbmast gesetzt.

Die Trauerfeier für die Opfer von Arquata del Tronto in einer Sporthalle in Ascoli Piceno soll von Bischof Giovanni D’Ercole geleitet werden. 49 der bis Freitagmittag geborgenen Toten kamen aus dem kleinen Ort und dem nahegelegenen Dorf Pescara del Tronto. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa wird der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella an der Trauerfeier teilnehmen.

Tausende Menschen in der Region mussten nach dem Beben auch ihre Häuser verlassen, weil sie entweder zerstört oder als zu unsicher eingestuft wurden. In der Nacht zum Freitag schliefen 2.100 Menschen in Zeltlagern, die der Zivilschutz errichtet hatte. „Ich habe keine Ahnung, was ich jetzt tun soll“, sagte Umberto Palaferri. „Ich habe mein Haus erst vor zwei Jahren renoviert. Ich bin 76 und weiß nicht, ob ich es wieder aufbauen kann.“

Pescara Del Tronto ist total zerstört. Foto: AP - Lëtzebuerger Journal
Pescara Del Tronto ist total zerstört. Foto: AP