Die italienische Banco Popolare verkauft ihre Niederlassung in Luxemburg an die Banque Havilland S.A. Der Kaufpreis beträgt 30,9 Millionen Euro, plus das Nettoeinkommen, das die luxemburgische Filiale vom 1. Januar an bis zum Tag, an dem der Kauf rechtskräftig wird, erwirtschaftet, wie die Beraterfirma KPMG, die die Übernahme begleitete, gestern mitteilte. Das Kreditgeschäft verbleibt beim Mutterhaus Banco Popolare. Auch sei die Beteiligung der Banco Popolare Luxembourg an Aletti Suisse vom Kauf ausgenommen.
Beide Geldhäuser verweisen darauf, dass die Transaktion noch der Zustimmung der zuständigen Aufsichtsbehörden bedarf.
Wie die Banque Havilland, der Nachfolgerin der im Zuge der Finanzkrise abgewickelten isländischen Kaupthing, erklärte, steht der Erwerb in Zusammenhang mit der strategischen Ausrichtung der Gruppe, ihre UHNW-Kundenbasis in Europa zu erweitern. UHNW steht für Ultra High Net Worth und meinte Superreiche mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Dollar.
Während die Italiener erklärten, sich auf das heimatliche Kerngeschäft konzentrieren zu wollen und zuletzt in Osteuropa Filialen verkauften, eröffnete Havilland im Juli eine Niederlassung in Moskau.
Jean-François Willems, Geschäftsführer der Banque Havilland S.A., betont, der neuerliche Zukauf erweitere zusätzlich für Havilland die Möglichkeiten, als Plattform den Kunden auch Fondsdienstleistungen bieten zu können.
Die Banco Popolare Luxembourg, die 1995 ihre Tätigkeit begann und vor der Umfirmierung 2008 Banca Popolare di Verona e Novara hieß, beschäftigt derzeit 32 Personen und verwaltete laut Mitteilung Ende Juni ein Vermögen von 1,9 Milliarden Euro. Die Muttergesellschaft gehört zu den Top 3 der italienischen Filialbanken; der luxemburgische Arm kennzeichnet sich durch ein starkes Vermögensmanagement und Fondsgeschäft.
Havilland will als Privatbank wachsen
Die Bank Havilland entstand 2009 aus der abgewickelten isländischen Pleitebank Kaupthing Luxemburg, nachdem sich die Bankengewerkschaft Aleba auf einen Sozialplan und die Entlassung der Hälfte der damals 90 Mitarbeiter geeinigt hatte. Jonathan Rowland griff dann zu. Er soll damals laut Medienberichten mit seiner Investmentgesellschaft Blackfish 200 Millionen Pfund in die frühere Kaupthing-Luxemburg-Bank investiert haben. Damals hatte Rowland angekündigt, die Bank konservativ führen zu wollen, aber auch zu versuchen, durch günstige Übernahmen zu wachsen.
Havilland ist seitdem auf Expansionskurs. Einst soll die Familie Rowland auch an der Übernahme der BIL von der damaligen Dexia interessiert gewesen sein. Nach dem Erwerb der Dexia Private Bank Monaco 2011 und der Eröffnung der Banque Havilland (Monaco) im Jahr darauf, hat Havilland jedenfalls nun Ende letztes Jahr eine Mehrheit am Privatbankgeschäft der Banque Pasche aus Liechtenstein übernommen, dazu auch die Pasche Bank & Trust Limited in Nassau auf den Bahamas. Laut eigenen Angaben will sich die Banque Havilland zu einer internationalen Privatbank-Gruppe entwickeln, mit einem Fokus auf sehr vermögende Privatkunden.
Auf Nachfrage, ob die Banco Popolare Luxembourg eigenständig bleibt oder in Havilland verschmilzt, war keine Antwort zu erhalten.


