LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Zeltner eröffnet Niederlassung in der Schweiz - Ex-Arbeitgeber UBS hat Sitz ums Eck

Die Luxemburger Privatbankgruppe „KBL European Private Bankers“ (epb) eröffnet eine Niederlassung in der Schweiz, auf der bekannten Bahnhofstraße. Das teilte das Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ auf seiner Internet seite mit.

Sie habe einen Steinwurf vom Paradeplatz entfernt im historischen „Eidgenoss“-Gebäude Büroräume gemietet, schrieb das Magazin unter Berufung auf gut informierte Quellen. Der Vertrag für die rund 600 Quadratmeter große Fläche laufe auf den Namen von Jürg Zeltner. Das ist bemerkenswert.

Zeltner wurde im Mai dieses Jahres zum neuen CEO der KBL ernannt und auch zum Mitglied im Verwaltungsrat. Zuvor war er auch schon mal als Nachfolger für John Cryan, Ex-CEO der Deutschen Bank, gehandelt worden. Der Schweizer ist der ehemalige Präsident des „UBS Wealth Management“, das er rund zehn Jahre lang bis 2017 geleitet hatte. Er kam nicht allein: Jakob Stott, ebenfalls Ex-UBS, kam mit ihm als CEO des „Wealth Management“. Am Schweizer Paradeplatz und auf der Bahnhofstraße, dem Synonym für die Bankenwelt, hatte das für Verwunderung gesorgt. Denn bei der UBS war Zeltner immerhin für Vermögenswerte in Höhe von zwei Billionen Euro verantwortlich. Zum Vergleich: Die KBL wies 2018 rund 72 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen aus. Darüber hinaus behielt Zeltner seinen Wohnsitz in der Schweiz.

UBS ums Eck

Nun zeigt sich, wie er seine Antwort auf unsere Frage nach seiner Strategie umsetzt. „Mehr Mitarbeiter, mehr Marktanteile, mehr Kunden, vielleicht sogar eine neue geografische Basis“, hatte er Ende Mai geantwortet. Tatsächlich ist es ein Angriff in der Höhle des Löwen. Die UBS sitzt ums Eck am Paradeplatz.

Zeltner ist selbst Aktionär bei der KBL epb. Insider gehen von fünf Prozent sowohl für ihn als auch für Stott aus. Weil der Aktionär ist, muss er noch die Einwilligung der Europäischen Zentralbank abwarten. Das erkläre auch, warum er selbst den Mietvertrag unterschrieben habe, schreibt „Bilanz“.

Dann benötigt die KBL noch eine Banklizenz in der Schweiz. Liefern wird sie laut „Bilanz“ voraussichtlich die zum Verkauf stehende „Bank am Bellevue“, die KBL übernehmen wolle.

Übernahme bringt Lizenz in der Schweiz

Im Juni war bekannt geworden, dass Zeltner die „Bank am Bellevue-Gruppe“, die in Küstnacht bei Zürich sitzt, übernehmen will. Seit der geplatzten Fusion mit der Swissfirst Bank im Jahr 2006 war die Finanzgruppe nie mehr richtig zur Ruhe gekommen. Der Aufbau eines Privatkundengeschäfts hatte sich nicht gemäß den Plänen des CEOS realisieren lassen.

Mit der Schweizer Bankengruppe fließen rund zwei Milliarden Franken an Kundenvermögen an die KBL. Diese versteht sich als europäisch ausgerichtete Privatbankengruppe. Sie umfasst sieben europäische Banken und ist in 50 Städten präsent ist. Dabei belässt die Bank die Namen der Privatbanken, die zur Gruppe gehören. Das ist in Deutschland beispielsweise „Merck Finck“, in Belgien „Puilaetco Dewaay“, in Großbritannien „Brown Shipley“ und in den Niederlanden „InsingerGilissen“. In Spanien heißt sie dagegen KBL. Die Bank ist seit 1949 in Luxemburg aktiv. Kontrolliert wird die Bank, die in der Finanzkrise in Schwierigkeiten geriet, von George Nasra, CEO von „Precision Capital“, das seit 2012 rund 90 Prozent der KBL epb hält und die Interessen des Investors, der katarischen Familie Al Thani vertritt.

Zeltner hatte bei seiner offiziellen Vorstellung im Mai 2019 gesagt, er wolle seine Wachstumsziele erreichen, in dem „wir quasi alle Gewinne reinvestieren.“ Das scheint er nun umzusetzen. Erst Ende Juni hatte die britische KBL-Tochter „Brown Shipley“ den britischen Vermögensverwalter „NW Brown & Co“ gekauft. Jetzt folgt der Schritt in die Schweiz.