LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Gesamtes Frankreich-Team des „Crédit Agricole Indosuez Wealth Management“ abgeworben

Die „KBL European Private Bankers“ (epb) in Luxemburg hat tief in die Tasche gegriffen und sich das Team der auf Frankreich spezialisierten Private Banker vom Crédit Agricole gekauft, die hier unter CA Indosuez Private Wealth operieren. Ein halbes Dutzend der auf französische Kunden spezialisierten Privatbanker wird im ersten Quartal kommenden Jahres für die KBL ebp arbeiten. Das erfuhr das „Journal“ aus gutinformierten Kreisen.

Mit diesem bemerkenswerten Schritt will die Privatbank ihr Geschäft in Frankreich ausbauen. Dort hatte sie sich Ende 2017 von der Banque Richelieu getrennt. Die libanesische Bank SGBL kaufte damals die kleine französische Privatbank KBL Richelieu und deren Pendant in Monaco. Beide Institute schieden damit aus dem Kreis der KBL epb aus.

Die KBL epb, die sich seit 2012 im Besitz der mächtigen katarischen Familie Al-Thani über die Holdinggesellschaft Precision Capital befindet, scheiterte zum Verkaufszeitpunkt mit ihrem Versuch, in Frankreich Fuß zu fassen. „Wir haben erhebliche Anstrengungen unternommen, um eine tragfähige Akquisitionsmöglichkeit in Frankreich zu identifizieren, aber am Ende hat es nicht funktioniert“, erklärte George Nasra, CEO von Precision Capital, damals in der luxemburgischen Presse. Für den Verkauf sprach wohl auch der Mangel an Präsenz der Banque Richelieu in Frankreich selbst.

Unter der Hand hieß es, angesichts der regulatorischen Einschränkungen, denen Privatbanken unterliegen, würden sie dazu gedrängt, zu wachsen, um so profitabel wie möglich zu bleiben. Experten schätzen, dass die heutigen Vermögensverwalter ein Vermögen von mindestens zehn Milliarden Euro verwalten müssen, doppelt so viel wie vor einigen Jahren, um erfolgreich zu sein. Dieser Druck erklärt die vielen Fusionen und Übernahmen in der Branche.

Die KBL ebp selbst hat also keine Wahl, als eine aggressive Strategie zu verfolgen. Der Fall des Bankgeheimnisses macht es nicht leichter. Wie jede Privatbank ist die KBL ebp vor allem auf der Suche nach den Superreichen, jenen High Net Worth Individuals, für die es zwar keine genaue Definition gibt, deren Vermögen sich jedoch im sechs- bis siebenstelligen Bereich befindet. Laut gut informierten Quellen hat die KBL ebp zwar viele reiche Kunden, hätte aber gern deutlich mehr Superreiche. Jürg Zeltner, der die KBL ebp seit Mai 2019 leitet, hatte zu seinem Amtsantritt die Devise ausgegeben: „ „Mehr Mitarbeiter, mehr Marktanteile, mehr Kunden“. Die KBL ebp verwaltete da rund 72 Milliarden Euro.

Im Juni übernahm Zeltner dann in der Schweiz die „Bank am Bellevue-Gruppe“ und eröffnete eine Dependance in Zürich. Er investierte auch in weiteres Personal, unter anderem für Positionen im Marketing und der Personalabteilung holte er Leute der UBS.

Hoffnung auf Kundengelder

Der Kauf eines Teams von Private Bankern geht natürlich mit der Hoffnung - und wohl auch Bedingung bei der Einstellung - einher, dass diese ihre Kunden mit in die neue Struktur bringen, die Kunden also dem Berater oder der Beraterin folgen. Dies ist in der Regel auch Gegenstand der Gehaltsverhandlungen bei der Übernahme. Wie groß die Sorge ist, das Kunden das Haus verlassen könnten, zeigt die Affäre Khan des Crédit Suisse, der Privatdetektive auf eine Führungskraft angesetzt hatte, die zur UBS gewechselt ist.

Der Crédit Agricole ist mit rund 51 Millionen Kunden und 141.000 Mitarbeitern weltweit eine der größten französischen Banken. Das Privatkundengeschäft läuft hier über den CA Indosuez Wealth Management, den Privat Banking Bereich des Crédit Agricole, der 1996 dazu gekauft wurde.

Interessant ist, dass Jean Guill, lange Jahre Generaldirektor der Finanzaufsicht „Commission de surveillance du secteur financier“ (CSSF), nun unabhängiger Verwaltungsrat ist - und als einer von sieben Mitgliedern im Verwaltungsrat des CA Indosuez sitzt. Die CSSF hatte in seiner Zeit offenbar eine Regel erlassen, die die Übernahme ganzer Teams samt Kunden verbat...