LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Tankstellenräuber vor Gericht: Angestellte mit Pistole bedroht

Es sollten eigentlich drei Täter vor Gericht stehen, doch nur zwei mussten sich gestern vor der Kriminalkammer Luxemburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft Luxemburg teilte mit, dass der dritte mutmaßliche Täter zur Tatzeit noch minderjährig war und deshalb nicht als Erwachsener im strafrechtlichen Sinne gilt. Ihm wird später der Prozess gemacht.

Die zwei Luxemburger sind heute beide 22 Jahre alt und müssen sich wegen Überfällen auf zwei Tankstellen verantworten. Was die zwei Angeklagten am 9. Oktober und 14. Oktober 2015 durchzogen, ist dem Gesetz nach ein Verbrechen und kein Dummejungenstreich. „Diebstahl unter Beteiligung mit Gewalt“, so die Anklage. Zusätzlich dürfte der erschwerende Umstand herangezogen werden, dass die zwei mutmaßlichen jungen Täter (respektive drei) in der Nacht in ein bewohntes Haus eingedrungen waren.

Zuerst überfielen drei maskierte Männer am 9. Oktober 2015 gegen 23.00 die Aral-Tankstelle in Rollingergrund. In der Tankstelle hielten sie den Angestellten eine Magnum-Pistole vor und forderten Geld. Ein Passant, der die Sache beobachtet hatte und in die Tankstelle lief, wurde mit einem Teleskop-Schlagstock bedroht und geschlagen. Bei dieser Aktion erbeuteten sie ganze 535 Euro und sieben Päckchen Zigaretten. Der Überfall wurde von Kameras gefilmt.

Am 14. Oktober 2015 überfielen drei maskierte Täter dann gegen 21.00 die Total-Station in Howald. Dort hatten sie sich wesentlich mehr Beute versprochen.

Auch hier war das Vorgehen ähnlich. Sie hatten das Personal mit einer Waffe bedroht und aufgefordert, ihnen Geld und Ware auszuhändigen. In diesem Fall klauten sie drei Stangen Zigaretten.

Einer der Täter, François L., der anscheinend massive Drogen- und Alkoholprobleme hat, lebt in einem relativ gesunden Umfeld, sagten zwei Psychiater gestern vor Gericht. Die Experten hatten die beiden jungen Männer untersucht. Die Idee, eine Tankstelle zu überfallen, sei eine Woche vor der Tat gereift, sagten die Psychiater. Sie saßen nachmittags zusammen und rauchten Gras und tranken Whiskey.

Der zweite Angeklagte hat eine ähnliche Biografie. Er sei von Drogen und Alkohol abhängig. Laut Psychiater könne er Konflikte nicht gewaltfrei lösen, so etwas sei dem zweiten Angeklagten C. völlig fremd. Die Entwicklung von Aggressivität
und Gewalt habe er schon im frühen Schulalter gelernt.

Tipp bringt Ermittler auf die Spur

Auf die Spur kamen die Ermittler den Tätern durch einen Tipp einer jungen Frau. Sie gab an, die Täter der beiden Tankstellenüberfälle zu kennen. Die Verdächtigen wurden telefonisch überwacht und es wurde festgestellt, dass beide an den Tattagen Kontakt hatten. Außerdem wurde ein schwarzer BMW ins Visier genommen, der einem der mutmaßlichen Täter gehörte. Gestern standen umfassende und glaubhafte Geständnisse der Angeklagten auf der Tagesordnung.

Man hätte das „cool“ gefunden, sagte C., er sei in einem Kampfmodus gewesen. Andererseits führte der Angeklagte seine Tat auf „jugendlichen Leichtsinn“ zurück. Er sei in einem Film gewesen. Die Taten seien unüberlegt gewesen, so Pit C.

Der andere Angeklagte L. äußerte sich nur kleinlaut. Er sei bekifft gewesen, so L. Er versprach dem Gericht, sich zu bessern.

Anwalt Sam Ries, Verteidiger von C., forderte, dass die Bildung einer kriminellen Vereinigung fallengelassen werden sollte. Auch das Alter des Täters sollte eine Rolle spielen, sagte Sam Ries. Es sei zwar keine jugendtypische Tat gewesen, trotzdem beantragte Ries Milde für seinen Mandanten.


Der Prozess wird heute fortgesetzt