LUXEMBURG
GILLES ZANEN

Brettspiele, Kartenspiele, Figuren-Spiele? Das ist doch alles nur etwas für Kinder und ewig Junggebliebene! Oder doch nicht? Moderne Spiele können  inzwischen weit mehr als Mensch-ärgere-dich-nicht oder Monopoly sein. Manche von ihnen haben sogar Regelbücher mit doppelstelligen Seitenzahlen und hochkomplexe Hintergrundgeschichten, die Spieler faszinieren. Und trotzdem haftet dem Ganzen noch immer ein wenig der Ruf an, das sei doch trotzdem nur ein Zeitvertreib, wie Gilles Zanen, Betreiber des „Games Tower“ in Mersch, erklärt.

 

„Als Fachgeschäft für moderne Brett- und Kartenspiele, Rollenspiele und Tabletop-Figuren wirkt es leider noch immer so, als hafte den modernen Spielen noch immer ein schlechter Ruf an. Ganz so, als sei das nur etwas für Kinder oder für weniger gesellschaftsfähige Zeitgenossen, die sich damit, vor der Öffentlichkeit zurückgezogen, ihre Zeit vertreiben wollen. Dabei ist das überhaupt nicht wahr: Unsere Kunden rangieren meist in der Altersklasse 20 bis 50 – vom Studenten bis zum Bankkaufmann ist so ziemlich alles vertreten. Aber woher kommt dann dieses ‚Stigma‘?

Es ist nicht so extrem, wie es teilweise bei den Rollenspielen ausartet – verschiedenen fragwürdigen Filmen und Serien sei Dank; aber trotzdem wird nicht direkt verstanden, dass ein bisschen mehr dahinter steckt als ein kleines Papier-Brett, zwei Würfel und fünf Holzspielfiguren. Auch der Modellbau lässt sich nur schwer vermitteln: Das wird oft als Modelleisenbahn-Spiel missverstanden. Dass es den Spaß am Modellbau (wie mit Dioramen) mit der alten Tradition der ‚Wargames‘ kombiniert, muss aber erst verstanden werden. Und da hapert es noch, obwohl wir helfen, mit Rat und Tat zur Seite stehen und erklären, worum es geht.  Ich erkläre es meistens so: Es ist Spielzeug für Erwachsene – aber nicht die Art Spielzeug, an die Sie jetzt denken.

Die modernen Spiele sind wesentlich mehr als die guten, alten Brettspiele von früher. Sie haben komplexe Regeln, eine oftmals reiche Hintergrundgeschichte und bieten ein kleines Abenteuer, das einen ganzen Nachmittag lang fesseln kann. Ein Brettspiel-Abend ist also längst nicht mehr das, was man mal macht, wenn der Strom ausgefallen ist – ein Brettspiel-Abend ist ein soziales Event, bei dem sich Freunde treffen, um gemeinsam  Spaß zu haben. Wenn man es umständlich erklärt, wird es auch verstanden – trotz ‚Stigma‘. Und immerhin: Die Menschen zeigen sich durchaus interessiert.

Moderne ‚Traditional Games‘ sind aber wohl auf absehbare Zeit eine absolut verkannte Nische. Jeder Mensch weiß zwar, was ein Brettspiel ist; aber die Tatsache, dass es da eine Art von Brettspiel gibt, die eine spannende Story erzählen oder eine herausfordernde Aufgabe bieten, ist noch nicht so ganz angekommen. Die Spiele sind einfach anders – sie sind erwachsen geworden.“