Jahrzehntelang wollten sich die USA in Sachen Klimaschutz auf gar nichts festlegen. Das Land mit rund 320 Millionen Einwohnern und eine führende Industrienation blockte. Dahinter standen immer wirtschaftliche Interessen. Jetzt kommt mit Barak Obama die Kursänderung - weil es eben nur einen Planeten gibt und somit keinen „Plan B“, wie Obama sagt.
Natürlich ist die angeblich „bisher schärfste Bekämpfung des Treibhauseffektes“ nicht so überraschend. Immerhin hatte der US-Präsident schon im November 2014 mit Chinas Ministerpräsident Xi neue Klimaziele bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Peking bekannt gegeben. Das beschrieb er damals als „Meilenstein in den Beziehungen zwischen den USA und China“. Beide Länder gelten als die größten Klimasünder der Welt. Es deutete sich also schon ein Richtungswechsel an. Das mag auch daran liegen, dass Obama Töchter hat, die noch nicht erwachsen sind und als Teenager kritische Fragen stellen.
Darüber hinaus passt die Entscheidung in den Zeitgeist. Wahrscheinlich stimmt es, dass 70 Prozent der US-Wähler diesen Kurs unterstützen. Denn die US-Amerikaner erleben die Folgen des Klimawandels zusehends auf ihrem eigenen Territorium: Überschwemmungen in Florida, Dürre und Waldbrände in Kalifornien und dem gesamten Westen der USA sowie häufigere Stürme.
Wenn Obama von 32 Prozent Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes bis 2030 spricht, ist natürlich auch Marketing dabei. Das Vergleichsjahr ist nämlich nicht 2014, sondern 2005. In jenem Jahr aber war der Kohlendioxid-Ausstoß in den USA besonders hoch und ist seither schon um mehr als 15 Prozent gefallen. Denn mittlerweile ist Fracking eine Alternative zu Kohlekraftwerken geworden. Diese stehen ohnehin nur für knapp ein Drittel des CO2-Ausstoßes in den USA. Außerdem können nach dem geplanten Gesetz die Bundesstaaten selbst aussuchen, wie sie die Zielvorgaben erreichen. Sie müssen auch nicht vor 2022 anfangen. Aber: Die Richtung des „Clean Power Plans“ ist eine ganz andere als die bislang verfolgte. Und darauf kommt es an.
In den USA stehen jedoch Wahlen an und schon tönen die Republikaner, sie würden das Gesetz in jedem Fall kippen, wenn sie an die Macht kämen. Es wäre gegen die wirtschaftliche Entwicklung. Gerade Leute mit einer so gestrigen Einstellung haben schon vor Jahrzehnten verhindert, dass die USA spritsparende Fahrzeuge bauen und damit auf dem Weltmarkt Alternativen anbieten.
Natürlich fehlen auch die Kohlekraftwerke nicht, die mit Dutzenden von Klagen und Prozessen drohen. Laut „New York Times“ müssten einige hundert von ihnen schließen. Aber das käme dann wahrscheinlich der Gesundheit der US-Amerikaner zu Gute, die auch einen Preis hat - das sage ich als jemand, der als Kind noch mit der Atemwegserkrankung Pseudokrupp im Umfeld von Zechen aufgewachsen ist.
Vier Monate vor der Internationalen Klimakonferenz ist es mehr als begrüßenswert, dass die USA endlich in diese Richtung gehen. Und die Replik der Opposition ist einfach nur rückwärtsgewendet.


