LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Reaktion auf kontroverse Berichte: Die Kulturfabrik bleibt ein Hauptakteur von Esch 2022

Viel Lärm um nichts? Das könnte man zumindest meinen, wenn man das gestern Nachmittag verschickte gemeinsame Statement der Kulturfabrik und der Verantwortlichen von Esch 2022 liest, in dem sie auf einen Bericht der Gratiszeitung „L’essentiel“ reagieren. Darin ging am Dienstagmorgen nämlich die Rede davon, dass die Kufa als „wichtigstes Kulturzentrum im Süden des Landes“ den Großteil ihrer Projekte für Esch 2022 zurückgezogen habe. Als Gründe wurden unter anderem der zu enge Zeitplan, die fehlende definitive Zustimmung seitens der Kulturhauptstadtkoordination und die mangelnde Bürgerbeteiligung aufgelistet. Viele andere Künstler würden sich ebenfalls Sorgen um ihre Projekte machen, wusste der „L’essentiel“ außerdem zu berichten. Auch würden Gerüchte über Differenzen innerhalb des Managements und einen Rücktritt die Runde machen.

Zu enger Zeitplan für so große Projekte

„La Kulturfabrik n’a en aucun cas supprimé huit projets phares pour Esch 2022“, wurde dann am Nachmittag mitgeteilt. Wohl hätte man im Juni 2017 acht Projekte von internationaler Bedeutung eingereicht, sich jedoch nach einer Konzertierung mit der Mannschaft von Esch 2022 im Zuge des eigentlichen Projektaufrufs im Juli 2019 auf zwei - „Les Échelles“ und „Les Chemins de l’Imaginerie“ - beschränkt. Nach einer erneuten, eingehenderen Analyse der Empfehlungen von Esch 2022 und der für diese beiden Projekte nötigen Planung sei man allerdings zu der Feststellung gekommen, dass die Umsetzung sich als unmöglich gestalten würde.

„Il est essentiel de renoncer à un projet lorsqu’il ne répond plus aux attentes et aux besoins initiaux; et cela pour pouvoir se consacrer au plus vite à d’autres projets“, schreibt die Kulturfabrik weiter, stellt aber auch klar, dass man ein Hauptakteur der europäischen Kulturhauptstadt 2022 bleibe - und damit wohl auch einer der wichtigsten Austragungsorte. Ein dritter Projektvorschlag sei derweil Ende 2019 eingereicht worden: ein Indoor-Musikfestival an ungewöhnlichen Orten, dessen Rahmen aber noch näher definiert werden müsse. Andere Projekte würden sich noch dazu in Ausarbeitung befinden.

Kufa übernimmt weiterhin Schlüsselrolle

„La Kulturfabrik est un partenaire important pour Esch 2022 et joue un rôle clé. Au-délà de la réalisation de ses propres projets, elle s’associera à d’autres porteurs de projet. Nous sommes très heureux de l’avoir à bord, elle est bien évidemment indispensable pour le projet dans sa globalité“, wird Nancy Braun, Generaldirektorin von Esch 2022, in dem Schreiben zitiert. Ähnlich formulierte es übrigens auch Kulturministerin Sam Tanson gestern Nachmittag im Rahmen der Vorstellung des „Projet de loi relatif à la réalisation des infrastructures et aménagements pour la Capitale Européenne de la Culture 2022 à Belval“ in der „Chamber“. Bereits am Morgen hatte Pim Knaff, Kulturschöffe der Stadt Esch, in einem Interview mit RTL Radio die Gerüchte um den Rückzug der Kufa bei Esch 2022 zerstreut: „Ech kann Iech garantéieren, datt d’Escher Kulturfabrik bei Esch 2022 mat derbäi ass“. Verschiedene Projekte seien aber zu teuer gewesen, deshalb seien sie gestrichen worden, sagte er. René Penning, administrativer Leiter der Kufa, bestätigte dies später auf der gleichen Antenne. Die Zeit hätte nicht gereicht, um derart umfangreiche Projekte zu realisieren, das Risiko wäre einfach zu groß gewesen.

Rückzug von Charles Wennig

Wer sich aus den Reihen des Teams von Esch 2022 zurückgezogen hat, so wie ebenfalls im „L’essentiel“-Artikel angedeutet, wurde in der Mitteilung übrigens nicht erwähnt. Auf Nachfrage hin brachte wort.lu jedoch in Erfahrung, dass es sich dabei um den künstlerischen Koordinator Charles Wennig handelt.

Am 20. Februar soll nun bekanntlich in einer ersten Pressekonferenz über die Projekte von Esch 2022 informiert werden, wenn auch natürlich noch nicht im Detail. Die Spannung steigt jedenfalls, dies umso mehr, da in regelmäßigen Abständen Medienberichte über Differenzen hinter den Kulissen und Beschwerden von involvierten Künstlern die Stimmung anheizen.