LUXEMBURGPIERRE WELTER

Ehemaliger Ermittler Haan nicht auf dem Laufenden zu Überwachung des Justizpalasts

Wäre darüber gesprochen worden, hätte ich es gewusst“, sagte gestern der ehemalige Ermittler Paul Haan zu den Planspielen betreffend die Überwachung des Justizpalastes 1985. Der Polizist Pierre Kohnen hatte vergangene Woche vor Gericht ausgesagt, dass eine Gruppe von Ermittlern gemeinsam mit Leuten vom Bundeskriminalamt über die potenziellen Ziele der „Bommeleeër“ nachgedacht hätten, und zum Schluss gekommen seien, dass der damalige Justizpalast in Frage kommen könnte.

Die Gruppe habe sogar analysiert, wie Eindringlinge am besten in den Hof des Gebäudes gelangen könnten. Just die Mauer, welche die Ermittler als potenziellen Zugang ausgemacht hatten, waren die „Bommeleeër“ am 19. Oktober 1985 tatsächlich hoch geklettert und hatten auf dem Balkon vor dem Büro des für die Akte zuständigen Untersuchungsrichters einen Sprengsatz gezündet.

Die Planspiele waren laut Kohnen auch ans Gendarmerie-Kommando gegangen. Allerdings hatte Colonel Aloyse Harpes die Überwachung des Justizpalasts offenbar als nicht notwendig angesehen. Paul Haan, zu der Zeit Chefermittler in der „Bommeleeër“-Angelegenheit, kann sich nicht an solche Überwachungspläne erinnern. Er habe zwar mit Leuten vom BKA Kontakt gehabt, allerdings nicht zum Thema Justizpalast-Überwachung.

Erneut wurde der Zeuge zum Informationsfluss zwischen Ermittlern, Gendarmerie-Kommando und Untersuchungsrichter befragt. Paul Haan bleibt bei der Auffassung, dass die Gendarmerie-Offiziere, allen voran Kommandant Harpes, die Ermittlungen blockiert haben.

„Ich kann nur spekulieren, und das will ich nicht“

Auch der Umstand, dass er bei dem damaligen Untersuchungsrichter Prosper Klein auf eine Person traf, die ein offenes Ohr für ihn hatte, änderte nicht viel an der Sache, so Paul Haan. Klein habe zwar aufmerksam zugehört, wenn Haan mit seinen Informationen zu ihm kam, doch wenn es um wichtige Angaben ging, sei der Untersuchungsrichter von den Offizieren im Regen stehen gelassen.

Klein hatte das selbst vor Gericht unterstrichen und den hohen Gendarmerie-Beamten schwere Vorwürfe gemacht. Paul Haan wollte sich gestern nicht weiter zu seinen Gedanken über die Autoren der „Bommeleeër“-Attentate äußern.

„Ich kann nur spekulieren, und das will ich nicht“, so der Zeuge, der gestern noch einmal seine Überzeugung kund tat, dass die beiden Angeklagten Marc Scheer und Jos Wilmes nichts mit den Anschlägen zu tun hätten. Zum Beispiel sei vor dem Attentat in den Kasematten am 5. Juli 1985 ein potenzieller Täter mit einem militärischen Haarschnitt beobachtet worden. In der ganzen „Brigade Mobile“ habe damals niemand eine solche Frisur gehabt, erinnerte sich Haan.

Im Zeugenstand war gestern auch Pierre Gehlen, der langjährige Präsident des Bezirksgerichts Luxemburg. Zur Zeit der Attentate war er Vorsitzender des Handelsgerichts. In dieser Funktion sei ihm einmal ein Dossier im Rahmen einer Prozedur wegen unlauteren Wettbewerbs unter gekommen. Präziser ging es über die Rechte an der Unternehmensbezeichnung „Monitor“, um die der Ex-BMG-Gründer Ben Geiben und sein vormaliger Partner für den Aufbau eines Sicherheitsunternehmens, Georges Santer. Ein Urteil in dieser Sache sei am 21. Oktober 1985 gefallen, und zwar zugunsten Geibens. Santers Gesellschaft durfte demnach den Namen „Monitor“ nicht mehr tragen.

Der Zeuge berichtete ferner von einer Unterredung mit Paul Haan und dem beigeordneten Staatsanwalt Jean-Marie Hary über diese Affäre. Fakt ist, dass Georges Santer damals über längere Zeit beschattet wurde.

Justizpalast: Täter hätten durch die Vordertür marschieren können

Pierre Gehlen hat auch noch lebhafte Erinnerungen an die beiden Bombenattentate am Glacis am 28. August 1985. Er habe sich damals mit dem Substituten Pierre Schmit zum Tatort begeben, wo er einem offensichtlich angeheiterten Offizier begegnete, der sich mit Marc Fischbach, dem damaligen Minister der öffentlichen Macht, unterhielt. Erst als sich Schmit zu Wort gemeldet habe, hätten die beiden sie zur Kenntnis genommen.

Laut Gehlen wurden die Überreste der beiden Sprengsätze zum Bundeskriminalamt geschickt. Zum Attentat auf den Justizpalast meinte Gehlen, dass die Täter eigentlich hätten zur Vordertür herein marschieren können. Denn viele Personen hatten damals einen Zugangsschlüssel. Außerdem war das Gebäude nicht mit einer Alarmanlage ausgestattet.

Zum Attentat auf den EG-Gipfel am 2. Dezember 1985 befragt wurde gestern Jean-Pierre Weber. In einem Bericht heißt es, der ehemalige Gendarm habe damals eine verdächtige Person in die Operationszentrale gebracht. Allerdings kann sich der Mann nicht mehr an einen solchen Vorfall erinnern.

Für heute sind die Zeugen Marie-Anne Reinert, Pierre Bartholmé, Jean Majerus, Georges Grof und Henri Knepper vorgeladen.