LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Werteunterricht kommt erst zur Schulrentrée 2017

Der Plan, zur Schulrentrée 2016/2017 mit dem neuen einheitlichen Fach „Leben und Gesellschaft“ - besser bekannt als Werteunterricht - anzufangen, wird wohl nicht aufgehen. Dies bestätigte Bildungsminister Claude Meisch gestern im Gespräch mit dem „Journal“. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich die Einführung des Fachs um ein Jahr verschieben. Die Arbeiten würden aber gut voranschreiten, versicherte der Minister. Davon hätte er sich vor den Sommerferien während eines Treffens mit der Arbeitsgruppe überzeugen können. „Im Gegensatz zu der doch bisweilen lauten Diskussion in der Öffentlichkeit laufen die Arbeiten in der Arbeitsgruppe in ruhiger Atmosphäre ab“, bemerkte Meisch.

Pädagogisches Rahmenkonzept steht

„Das pädagogische Rahmenkonzept steht. Dieses bildet die Grundlage des Programms. Eigentlich gibt es nur einen Punkt, in dem sich die Arbeitsgruppe nicht einig wurde und wo nun das Ministerium gefragt ist. Es handelt sich um die Frage, ob wir eine Leitdisziplin für das Fach definieren oder nicht. Meiner Ansicht nach sollte es multidisziplinär ausgerichtet sein, andere sehen die Philosophie als Leitdisziplin. Das ist ein kleines Detail, wo es noch Differenzen gibt. Ansonsten kann ich nur von einer äußerst konstruktiven Arbeit berichten“, betonte Meisch. Das erwähnte Rahmenkonzept soll indes demnächst der Öffentlichkeit vorgestellt werden, dies ganz im Sinne des partizipativen Prozesses, wie ihn sich der Unterrichtsminister von Anfang an gewünscht hatte. „Die Zivilgesellschaft soll ihr Feedback geben können“, sagte er.

„Da wir das Fach gleichzeitig in allen Klassen anlaufen lassen wollen, wird 2016 schwierig. Wohl hätten wir bis dahin ein Programm, nicht aber das nötige Lehrmaterial. Außerdem möchten wir allen Akteuren, die das Fach in der Grundschule und im Sekundarunterricht unterrichten, eine adäquate Ausbildung bieten, bevor wir damit anfangen. Wir wollen es gut machen, also nichts überhasten“, gab Meisch zu bedenken.

Nicht unterschätzen dürfe man zudem, dass es sich um ein Projekt handele, an dem sich die Geister scheiden würden. „Es geht um die nächste Generation, um ihren Umgang mit Werten, mit der Pluralität, mit Toleranz und so weiter. Dass sich in diesem Kontext unterschiedliche Kräfte mit unterschiedlichen Meinungen zu Wort melden, ist in einer offenen Demokratie normal“, stellte Meisch fest. Trotzdem sei es wichtig, das Ganze in einem offenen Prozess statt hinter verschlossenen Ministeriumstüren entstehen zu lassen: „Ziel ist es, nachher etwas zu haben, was akzeptiert wird, in das die Leute Vertrauen haben. Würden wir keine Akzeptanz für das Fach bekommen, hätte es keine Überlebenschance“. Die Schulrentrée 2017/2018 sei realistisch. 2016 soll das Fach aber bereits in einer Pilotphase in einigen Schulen eingeführt werden und die Erfahrungen dann in die Arbeitsgruppe zurückfließen.
Das komplette Interview mit Bildungsminister Claude Meisch wird in unserer Freitagsausgabe erscheinen