STRASSEN
CLAUDE KARGER

„Mäi Wëllen, mäi Wee“ feiert 30 Jahre – Sterbehilfegesetz hat zehn Jahre

Es war ein langer Kampf, den die Gründer der „Mäi Wëllen, mäi Wee - Association pour le Droit de Mourir dans la Dignité – Luxembourg“ - ausfechten mussten, bis es endlich ein Gesetz über die Sterbehilfe und die Beihilfe zur Selbsttötung gab.

Letzteres ist seit dem 16. März 2009 in Kraft, dem vorangegangen waren jahrzehntelange Debatten, die oftmals zwischen den Verteidigern der freien Wahl für das Lebensende und den Gegnern des Freitods sehr leidenschaftlich ausgetragen wurden - nicht zuletzt im Parlament. Davon können die Streiter der ersten Stunde - darunter die ehemalige LSAP-Abgeordnete Lydie Err und der Ex-Grünen-Abgeordnete Jean „Muck“ Huss ein Liedchen singen. Auch sie waren am Donnerstagabend im „Centre Barblé“ dabei, wo ein Doppeljubiläum gefeiert wurde, das 30. der Vereinigung, die am 30. Juni 1988 aus der Taufe gehoben wurde und das zehnte „unseres“ Gesetzes, wie „Mäi Wëllen, mäi Wee“-Präsident Jean-Jacques Schonckert den Text nannte, der seinerzeit nicht nur mit einer knappen Majorität grünes Licht im Parlament bekam, sondern sogar eine Verfassungskrise auslöste, wollte Großherzog Henri doch seine Unterschrift nicht unter das Gesetz setzen.

Heute ist klar, dass die Befürchtungen der Gegner von damals, denen es vor einem „Euthanasie-Tourismus“ graute, nicht eingetreten sind. Im Durchschnitt nehmen zehn Menschen im Jahr die Möglichkeit der Sterbehilfe in Anspruch. Laut dem im Mai veröffentlichten Bericht der „Commission Nationale de Contrôle et d‘Evaluation“ des Gesetzes - deren Vertreter Carlo Bock gestern Abend seine Überlegungen zur Sterbehilfe unterbreitete - wurden seit 2009 71 Fälle gezählt. Meist handelt es sich um ältere Menschen, oft mit Krebs oder neurologischen Krankheiten.

Für Jean-Jacques Schonckert ist die Zahl der Patienten, die das Gesetz in Anspruch nehmen, im internationalen Vergleich gering. Er schätzt, dass de facto deutlich mehr Menschen ihrem Leben ein Ende bereiten, ohne sich zu melden. Vielleicht auch, weil die hiesige Gesetzgebung immer noch nicht bekannt genug sei. „In den Köpfen gibt es immer noch viele Barrieren“, sagte der Anwalt, „wir müssen die aufmachen durch bessere Aufklärung“. Er regte an, dass die Thematik auch etwa in Kinos durch einen Spot aufgegriffen werden sollte, eine denkwerte Idee für Familien- und Integrationsministerin Corinne Cahen, die gekommen war, um den Streitern für das Sterbehilfegesetz Respekt für deren Mut zu zollen, der Vereinigung ihren Rückhalt zu versichern und auch einen kurzen Einblick in den im Regierungsprogramm festgeschriebenen „plan national palliativ/fin de vie“ zu geben. Die Regierung will etwa mehr aufklären, den Zugang zu Palliativpflege besser regeln und die Aus- und Weiterbildung der Palliativfachkräfte verbessern.