Martine Wagner und Steve Becker sind seit ihrer Kindheit miteinander befreundet, begannen am selben Tag im Jahr 2000 bei KPMG ihre berufliche Karriere und gründeten dann mit beTACS - steht für beTax Advisory & Compliance Services S.àr.l. - ihre eigene Firma. Auf eigenen Beinen zu stehen bereuen die beiden luxemburgischen Jungunternehmer nicht.
Wann wagten Sie den Schritt in die Selbstständigkeit?
Steve Becker Das ganze begann 2011, als ich als „Einmann-Betrieb“ anfing. Das ganze lief gut an, und Martine kam ein Jahr darauf hinzu. beTACS bietet Steuerberatung und Dienstleistungen im Bereich der Steuererklärungen für Unternehmen an. Der Kundenstamm besteht aus Unternehmen in Luxemburg, hauptsächlich Filialen von internationalen Gruppen, die eine persönlichere Betreuung wünschen, welche nach ihrem Empfinden in einer größeren Struktur nicht unbedingt angeboten wird. Mit beAccounting, die als Expert-Comptable in Luxemburg eingetragen ist, machen wir Buchhaltungsarbeiten sowie Jahresabschlüsse. Zuerst hatte ich ein Büro bei einem Freund gemietet, und als es dann richtig losging, mieteten wir hier im Stadtzentrum Büroräume. 2016 werden wir aber in größere Räumlichkeiten umziehen.
Ist der Immobilienmarkt im Land nicht furchtbar teuer?
Becker Das erste Problem besteht darin, überhaupt kleinere Räumlichkeiten um die hundert Quadratmeter zu finden, und vieles ist auch einfach überteuert, das ist schon ein Problem. Fast noch problematischer ist aber, Mitarbeiter zu finden. Aktuell sind wir auf der Suche, aber die gestaltet sich als recht schwierig.
Warum?
Martine Wagner Wir wissen genau, was wir suchen, aber die einen gehen zur Uni, die anderen haben einen festen Job. Auf dem „freien Markt“, also arbeitssuchend, scheint es kaum welche zu geben.
Becker Junge Leute, die Karriere machen wollen, gehen vielleicht eher zur großen Konkurrenz, aber man muss wissen, was man will. Eine unserer Mitarbeiterinnen arbeitete vorher bei einer großen Anwaltskanzlei, war aber auf der Suche nach einer Stelle, die ihr eine bessere Work-Life-Balance bieten würde. Darum wechselte sie zu uns in ein kleineres Unternehmen und ist, denke ich, glücklich hier.
Waren Sie anfangs unsicher, dass das eigene Unternehmen funktionieren würde?
Becker Ob es funktioniert, war weniger die Frage. Man muss vorher schauen, ob es einen Markt dafür gibt, das war für uns sicher. Bei KPMG konnten wir viel Erfahrung sammeln - die Big4 sind immer eine gute Schule - und dann hatte sich mit der Zeit herausgestellt, dass ein eigenes Unternehmen eine gute Sache wäre. Irgendwann kam dann die Entscheidung, ok, jetzt ändern wir etwas.
Keine Unsicherheit am Anfang, was die Finanzplanung betrifft?
Wagner Nein, eigentlich nicht. Unser Unternehmen hat den Vorteil, dass wir durch die Steuererklärungen viele periodisch wiederkehrende Arbeiten haben. Daher wissen wir bereits im Voraus, was anfällt. Das gibt ein regelmäßiges Einkommen, mit dem man kalkulieren kann. 2013 haben wir dann die erste von mittlerweile drei Mitarbeiterinnen eingestellt. Die Nachfrage ist da, besonders bei Kunden, die zwar die Buchhaltung intern machen, sich an die Steuern aber nicht heranwagen und damit gewissermaßen Risiko-Outsourcing betreiben.
Das klingt ziemlich einfach.
Becker Na ja, es gehörte natürlich auch viel Arbeit dazu. Wenn man bei Null anfängt, muss man zuerst auch die Kunden finden. Man macht seine Recherchen, nimmt den Telefonhörer in die Hand und fragt nach, ob man sich vorstellen darf und geht dann raus. Wir hatten natürlich vorher unsere Kriterien aufgestellt, nach denen wir potenzielle Kunden aussuchten. Zu meiner großen Überraschung waren nur sehr sehr wenige abgeneigt. Ich glaube, bis auf eine Absage waren sogar alle, die ich anrief, bereit dazu, mich zu empfangen. Also eine sehr positive Resonanz. Am Anfang dachte ich, es sei ein großer Nachteil, dass wir kein internationales Netzwerk wie die Big4 haben. Aber die Kunden, die sich entscheiden, in Luxemburg mit einem kleineren Steuerberater zusammenzuarbeiten, tun das meistens auch im Ausland.
Waren Sie immer schon für Zahlen begeistert?
Wagner Ja, ich schon. Steuern waren dann Zufall, aber Zahlen an sich machten mir immer Spaß.
Becker Bei mir war es so, dass mir das BTS-Studium Steuern schmackhaft gemacht hat.
Was änderte sich für Sie persönlich durch die Selbstständigkeit?
Becker (lacht) Eigentlich war es gedacht, familientechnisch etwas flexibler damit zu werden, aber wirklich funktioniert hat das nicht.
Wagner Doch, schon…. Weniger Arbeit hat man zwar nicht, aber flexibler sind wir jetzt.
In der kurzen Freizeit, was machen Sie da?
Wagner Wir haben beide jeder seine eigene Familie und Kinder, das füllt schon aus.
Becker Daneben genieße ich Fallschirmspringen. So oft es eben möglich ist.



