LUXEMBURG
PATRICK WEYMERSKIRCH

LSAP-Parteichef Etienne Schneider, seines Zeichens auch Wirtschaftsminister, präsentierte die Idee: Im Wahlprogramm steht der Vorschlag, die Wochenarbeitszeit von 40 auf 38 Stunden abzusenken, ohne dass dadurch das Einkommen geschmälert werden soll. Ziel dieser Maßnahme sei es, die in den letzten Jahren beobachteten Produktivitätsgewinne auszugleichen, wie es heißt. Zusätzlich zur Reduzierung der Arbeitszeit fordert die LSAP einen längeren bezahlten Urlaub im privaten Sektor. Dieser solle jährlich sechs Wochen betragen. Ein Vorschlag, mit dem sich auch der junge LSAP-Kandidat Patrick Weymerskirch, auseinandergesetzt hat.

„Die Digitalisierung kommt, ob wir es möchten oder nicht. Daher ist es wichtig ein Konzept zu haben, wie man die negativen Konsequenzen, welche die Digitalisierung unweigerlich mit sich tragen wird, sozial abfedern kann. Man sollte den Menschen nicht Angst vor der Zukunft machen, sondern aktive Lösungsansätze vorzeigen. Denn die Aufgabe eines Politikers verstehe ich darin, Konzepte zu entwerfen zu den zentralen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Als Sozialisten haben wir immer den Mut gehabt, Reformen im Sinne des Gemeinwohls einzufordern und umzusetzen, und dies werden wir auch weiterhin tun.

Die 38-Stundenwoche ist notwendig, damit die Produktivitätsgewinne, die unter anderem dank der Digitalisierung zu erwarten sind, gerecht verteilt werden zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. In anderen Ländern hat man mit der Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich gute Erfahrungen gemacht. In Göteborg, der zweitgrößten Stadt Schwedens, hat man in den öffentlichen Krankenhäusern ein Pilotprojekt gestartet, wo man die Arbeitsschichten von acht auf sechs Stunden verkürzt hat und dementsprechend auch mehr Personal eingestellt hat. Insgesamt sind die Kosten nicht gestiegen, weil man einerseits weniger Kündigungen im Personalmanagement zu bewältigen hatte, andererseits auch mehr Operationen mit verkürzter Wartezeit durchführen konnte. Vor allem aber hat das Personal bei der Umfrage angegeben, glücklicher und motivierter am Arbeitsplatz zu sein. Toyota, ein Hersteller der seit jeher den Ruf eines Pioniers in Sachen Produktionsmanagement genießt, hat in seinem Werk in Göteborg bereits im Jahr 2003 einen 6-Stunden-Arbeitstag eingeführt. Die Arbeitszeitverkürzung fördert also nicht nur das menschliche Wohlbefinden und die Work-life-Balance, sondern steht auch mit wirtschaftlichen Interessen nicht im Widerspruch.“