LUXEMBURG
BOB KRIEPS

„Fremde“ Kulturen werden von Populisten immer noch als Bedrohung dargestellt und Menschen auf diese vermeintliche Andersartigkeit reduziert. Das Resultat sind nicht selten Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und letztlich Angst. Was Kunst in diesem Kontext bewirken kann, weiß Bob Krieps von der „Arabic Association for Cultural Exchange“.

„Das Hauptmerkmal von Kunst und Kultur ist ihre überaus große Vielfalt. Diese gilt es zu erhalten und den Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen zu fördern. Es ist die Aufgabe der Demokratie, die verschiedenen Ausdrucksformen von Kunst in den heute lebendigen Kulturen sich als gleichberechtigt nebeneinander entfalten zu lassen. Natürlich soll man sich der jeweiligen Kultur in dem Land, in dem man lebt, anpassen, die Regeln und Gepflogenheiten des Zusammenlebens respektieren, sowie die Sprache lernen. Aber genauso wichtig ist es, dass man seine Herkunft nicht vergisst, die Kultur und die Sprache seiner Vorfahren kennt.

In den dunklen Zeiten der Menschheit wurde diese natürliche Vielfalt von Kultur und der verschiedenen Kunstformen stets unterdrückt und ihre Vertreter ausgegrenzt. Während der Inquisition wurden Anhänger anderer Religionen und Menschen, die irgendwie anders waren, verfolgt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In der Nazizeit wurden die Bücher missliebiger Schriftsteller verbrannt, Bilder als entartete Kunst weggehängt und Musik aus demselben Grunde verboten. Andersdenkende sowie Juden und Roma wurden ermordet. Der islamische Staat zerstörte UNESCO-Kulturerbe der Menschheit, versklavte und ermordete Anhänger eines anderen Glaubens. Der Abbau der kulturellen Vielfalt geht immer einher mit Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Auch heute. Die Methoden der Ausgrenzung sind stets die gleichen und dienen der Machtausübung. Sie beruhen auf der Reduzierung auf wenige Merkmale der sogenannten einzig wahren eigenen Kultur, die durch andere bedroht wird. Diese gezielte Vereinfachung übersieht, dass Menschen verschiedener Kulturen sich im Grunde sehr ähnlich sind und die gleichen Probleme und Hoffnungen haben. Wenn wir ihre Filme sehen, ihre Musik hören, ihre Bücher lesen oder ihre Kunstwerke betrachten, wird uns diese Nähe bewusst.

Kunst kann Brücken zwischen den Völkern bauen, weil sie universell ist. Sie spricht eine für jeden verständliche Sprache und ist das eigentliche Gegengift gegen die Angstmacherei in einer durch Kriege und Migration gezeichneten Welt. Kunst erlaubt uns den anderen, den Zugewanderten besser zu verstehen und uns kritisch gegenüber den großen Vereinfachern, den Trumps, Salvinis, Orbans und Kaschinskis dieser Welt zu verhalten. Ja, nicht alle Muslime sind Islamisten. Nein, hinter der Migrationswelle steckt kein teuflischer Plan der EU-Kommission, sondern Kriege, an denen die zu uns geflüchteten Menschen keine Schuld tragen und an denen auch Staaten der westlichen Welt sehr wohl beteiligt waren. Wir sollten deshalb den kulturellen Austausch mit anderen Völkern fördern und gerade den kulturellen Dialog mit jenen, die vor Krieg und Hunger zu uns geflüchtet sind, zu einer Priorität erklären. Anstatt uns die Themen von Hass, Angst, Fremdenfeindlichkeit von den Populisten aufdrängen zu lassen und durch die endlose Wiederholung ihrer Auslassungen in Presse, Medien und Politik der extremen nationalistischen Rechten die Wähler zuzutreiben.

Diese Leute haben nur das eine Thema: die angeblich massive Bedrohung durch Flüchtlinge, mit dem sie an die Macht wollen, um dann unsere Rechte und Freiheiten zu beschränken, uns kulturell verarmen zu lassen und die Welt immer weiter zu spalten. Als ob es außer der Migration keine Probleme gäbe“