LUXEMBURG
INGO ZWANK

Experten beleuchten bei der „Matinée d’Études InterLycées“ das Thema „Künstliche Intelligenz“

Wenn Mechanismen und eine gewisse Intelligenz Hand in Hand gehen: Bei der gestrigen „Matinée d‘Études InterLycées“ im Athénée lautete das Thema „Künstliche Intelligenz in Luxemburg und anderen Ländern - Definitionen - Expertise - Analyse - Entschlüsselung-Entmystifizierung“. Als Referenten traten Emilia Tantar (PwC), Jean-Paul Hengen (Luxinnovation), Nasir Zubairi (Luxembourg House of Financial Technology), Frédéric Robin (IBM) sowie Christophe Bianco (Excellium Luxembourg) auf.

22 Prozent der KI-Start-ups in Europa

Künstliche Intelligenz (KI) gilt als eines der Hauptfelder im wirtschaftlichen Wettbewerb des 21. Jahrhunderts. Nicht große Konzerne, sondern Start-ups sind hier die bestimmenden Innovationstreiber. Nach aktuellen Studien haben die USA hier eine Führungsrolle inne: Fast 40 Prozent aller KI-Start-ups sind hier ansässig. Europa liegt mit 22 Prozent an zweiter Stelle vor China und Israel, was gestern auch bei der Matinee mit Verweis auf die Studie „Artificial Intelligence - A strategy for European startups“ ausgeführt wurde. Wie präzisiert wurde, müsse Europa sich zusammenschließen, um im Rennen um die KI zu bleiben. Denn langfristig würden diejenigen Länder gewinnen, die sich für eine diesbezügliche klare Strategie entscheiden. Hier seien China und die USA deutlich einen Schritt voraus.

Dabei seien die Ansätze für eine Mechanik mit gewisser Intelligenz bereits einige Jahrhunderte vorher zu finden, unter anderem bei Leonardo Da Vinci, der „Ritter der Mechanik“, oder auch bei den sogenannten Karakuri, wie Emilia Tantar den Schüler die Entwicklung beschrieb. Diese Idee stamme aus dem Japan des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich ginge es dabei um mechanische Puppen, die mit ihren Fertigkeiten für Erstaunen sorgten, sagte Tantar. Als bekanntestes Beispiel galt ein Puppenmodell, das Tee servieren konnte. Unter Karakuri in der Produktion verstehe man heute die einfache, aber intelligente Automatisierung von Abläufen, aber ohne die Zuhilfenahme von Antrieben, Sensoren, Strom oder Druckluft.

Das Wissen des Menschen erlaubte es ihm, so neue Erfahrungen und Kompetenzen zu erschließen und auch eine „Enzyklopädie des Wissens für Künstliche Intelligenz“ zu kreieren und zu kontrollieren, so Tantar.

Es wurde für Luxemburg aber auch auf die Regierungserklärung von Premier Xavier Bettel (DP) vom 11. Dezember 2018 hingewiesen, der davon sprach, dass Luxemburg eine nationale Strategie erarbeiten werde, um auf dem Gebiet der KI europäischer Vorreiter zu werden; denn die Welt wandelt sich schnell, resümierte Nasir Zubairi, und man muss Schritt halten können - schaue man sich nur das Smartphone an, dass „gerade einmal zwölf Jahre alt ist“, womit Zubairi den Bogen von KI zu „FinTech“ schlug.

Denn, so auch die Studie, langfristig werden die Gewinnerländer diejenigen sein, die sich für eine Strategie entscheiden - wie eben Luxemburg. Es würden sicherlich Bedenken und Risiken geben, wenn man auf den Weg gehen würde, Computern Aufgaben zu übertragen, die heute exklusiv dem Menschen vorbehalten seien. Doch man habe hier nur die Möglichkeit, zu schauen und selbst zu bestimmen, in welche Richtung es geht und wo die Grenzen sind, wie auch Bettel in seiner Regierungserklärung ausführte - „bei der Menschheit gibt es eine gewisse Angst vor der KI“, sagte auch Zubairi. Doch: „Automatisation raubt keine Arbeitsplätze, sie übernimmt Aufgaben.“ Es gebe nur einen Job, den die Automatisation wirklich komplett übernommen habe, nämlich den des Liftboys, so Zubairi mit einem Schmunzeln.

„Digitale Nation“

Es wurde auch darauf hingewiesen, dass das Großherzogtum sich entschieden hat, in den Bau einer Hochleistungsanlage zu investieren, was eine wichtige Ressource für Start-ups sei, die sich im Bereich KI ansiedeln wollen, wie auch Jean-Paul Hengen von Luxinnovation erklärte, der hier von Luxemburg als einer „Digitalen Nation“ sprach. Doch dafür bräuchte man natürlich neben den notwendigen Köpfen auch den entsprechenden legalen Rahmen.

Luxemburg mit seinen 23 Datacentren habe bereits eine der besten Strukturen, mit 28 Fiberkabelrouten zu internationalen Hubs. Als ein Beispiel brachte Hengen hier das „Digital cross-border test bed LU-DE-FR“ des Automobil Clusters an, das sich mit dem autonomen und vernetzten Fahren beschäftigt.

Für Europa, so wird betont, empfiehlt die bereits erwähnte Studie über die Künstliche Intelligenz daher ferner mehrere Möglichkeiten, voranzukommen - darunter die Einführung eines europäischen Visums für Forscher und Unternehmer aus diesem Sektor, die sich in der EU niederlassen wollen. Oder die Schaffung eines gesamteuropäischen Gesellschaftsstatus für Unternehmensgründungen, der einen leichteren Zugang zum Gemeinschaftsmarkt verschafft.