LUXEMBURG
CHRISTINE MANDY

Sechs persönliche Überlebensstrategien für die Zeiten der Krise

Im März wurde das Coronavirus von der WHO zur Pandemie erklärt. Fast ein halbes Jahr später scheint uns die Situation nach wie vor bedrückend und befremdlich: die Angst sich zu infizieren und andere anzustecken, der erschreckende Egoismus im Umgang mit den geltenden Hygienemaßnahmen, die vielen Einschränkungen, die Unsicherheiten in Bezug auf nicht vorliegende, unterschiedlich interpretierte oder bewusst zurückgehaltene Daten, die einzelnen Länder, die lieber einen heimlich Wettkampf austragen, statt zusammenzuarbeiten. Aus diesem Grund will ich im Folgenden sechs Tipps teilen, die anderen hoffentlich so gut helfen wie mir, um gut durch diese Zeit zu kommen.

1. Sich auf sich selbst konzentrieren

Es ist wichtig, dass wir füreinander da sind und uns unterstützen. Doch ebenso wichtig ist es, nicht ständig nach links und rechts zu schauen, zu beobachten und darüber zu urteilen, welchen Beschäftigungen unsere Bekannten nachgehen und welche Ansichten sie vertreten. Stattdessen sollten wir uns selbst eine Meinung bilden, so schwierig das bei der teils lückenhaften, teils widersprüchlichen Faktenlage auch sein mag, und uns eigene Maßstäbe setzen. Ebenso ist es ratsam, die sozialen Netzwerke, mehr noch als sonst, mit Bedacht zu nutzen, und zwar vorrangig, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben, und nicht, um uns die Bilder aus Jempys Italienurlaub halb mit Neid, halb mit Empörung zu Gemüte zu führen.

2. Auf die eigenen Bedürfnisse hören

Die Pandemie fordert von uns einen gewissen Verzicht. Und es ist entscheidend, stets in uns hineinzuhorchen, ob und wie wir ihn kompensieren können, ohne dabei gegen die geltenden Regeln und unsere eigenen Prinzipien zu verstoßen. Damit geht auch einher, mit uns ins Gericht zu gehen und die eigenen Bedürfnisse unter die Lupe zu nehmen, jene zu entlarven, die keine wahren oder nur niedere Bedürfnisse sind. Abstand und Erholung vom stressigen Arbeitsalltag braucht jeder. Aber einen Urlaub am Strand unter Palmen? Auch, sich selbst auf die Schulter klopfen zu können, ist ein Bedürfnis. Und erfüllt es uns nicht mit Stolz, festzustellen, dass wir auch ohne bestimmte Dinge auskommen oder uns für den Moment mit der reinen Vorfreude zufrieden geben, wenn wir unsere alten Gewohnheiten wieder uneingeschränkt werden aufnehmen können?

3. Soziale Kontakte pflegen

Wer sich mit einer Lebenssituation konfrontiert sieht, die ihn überfordert, tendiert dazu, seinen Missmut an anderen auszulassen oder sich zurückzuziehen. Dabei kommt es jetzt vielleicht mehr als zuvor darauf an, seine sozialen Kontakte zu pflegen. Eine Eigenschaft, die die Pandemie mit sich bringt, ist, dass sie uns ganz frappierend aufzeigt, mit wem wir die gleichen Werte und eine ähnliche Einstellung teilen – eine Medaille mit zwei Seiten. Diese Tatsache kann einstige Freunde voneinander entfremden. Aber sie kann auch Menschen wieder zusammenführen.

4. Sich inspirieren lassen

Ich bin davon überzeugt, dass die Kraft der Inspiration viel zu oft unterschätzt wird. Nichts ist so anregend als ein tiefes Gespräch, ein interessantes Buch oder ein spannender Film. Inspiration ist vielfältig. Es kann um einen Gedankenansatz gehen, den wir weiter verfolgen, ein Bastelanleitung oder DIY-Idee, die wir ausprobieren möchten, oder ein Musikstück, das uns emotional bewegt und innere Bilder entstehen lässt. Inspiration ist das Gegenteil von Langeweile. Sie erzeugt Lebensfreude und Tatendrang, ist an sich sinnstiftend, aber auch eine essentielle Quelle von Zukunftsplänen.

5. Für Routine sorgen und Tagebuch führen

Weil wir weniger unternehmen, zum Teil noch im Homeoffice arbeiten und viele Veranstaltungen abgesagt werden, kommt uns jeder Tag gleich vor, und das wiederum bewirkt, dass die Zeit viel schneller zu vergehen scheint. Um dem entgegenzuwirken, können wir eine gewisse Routine in unseren Alltag bringen, indem wir uns für bestimmte Wochentage bestimmte Dinge vornehmen. Auch hilft es, Tagebuch zu führen. So können wir die Erlebnisse des Tages festhalten und dabei stellen wir meist fest, dass sich doch mehr zugetragen hat, als wir geglaubt haben. Es sind nicht immer die großen Ereignisse mit Paukenschlag, die den Tag ausfüllen und das Erleben ausmachen. Manchmal sind es die scheinbar kleinen und belanglosen Momente, Gespräche, Gedanken. Darüber hinaus ist es entspannend und befreiend, das Geschehene noch einmal zu rekapitulieren und darüber zu reflektieren.

6. Sport und Entspannung

Im Stress des Alltags vergessen wir oft, uns Zeit für uns zu nehmen, dabei sind Aktivitäten, die uns helfen, abzuschalten, keineswegs Zeitverschwendung. Sport ist ein solches Mittel, das eben nicht nur dazu dient, fit und schlank zu bleiben. Er erzeugt neben dem körperlichen auch ein seelisches Wohlergehen. Daneben kann es gut tun, sich ein heißes Bad zu gönnen oder ein paar Minuten zu meditieren. Vor dem Schlafengehen schaue ich mir gerne mal ASMR-Videos an. ASMR steht für „Autonomous Sensory Meridian Response“ und meint ein Kribbeln im Bereich der Kopfhaut, des Nackens und der Schultern, das durch bestimmte Reize ausgelöst wird. Möglicherweise kann nicht jeder die sogenannten „Tingles“ wahrnehmen, dass das Konsumieren von ASMR-Videos die Herzfrequenz senken und die Hautleitfähigkeit steigern kann, gilt aber inzwischen als bewiesen. Ich selbst kann bestätigen, dass an den „Tingles“ etwas dran ist. Es lohnt sich also, sich darauf einzulassen.