LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Empfindliche Haftstrafen für georgische Einbrecherbande gefordert

Fast ein Jahr mussten vier Männer im Gefängnis in Schrassig auf ihren Prozess warten. Diese Woche standen sie vor Gericht. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft lauten auf Einbruch in Wohnungen, Geldwäsche und das Führen einer kriminellen Organisation.

Die Ermittler der Luxemburger Kripo hatten vier Mitglieder einer georgischen Einbrecherbande im Dezember 2018 ausfindig gemacht, die sich als Flüchtlinge im „Centre d’accueil Logopédie“ in Strassen getarnt hatten, um die Wartezeit des Asylverfahrens für Einbrüche in ganz Luxemburg zu nutzen. Von einer „Bedrohung aus dem Osten“ und einer „Klau-Bande“ ist die Rede. Die Georgier kamen über Wien und Dortmund nach Luxemburg.

Bauernopfer?

Juri T. (42), der mutmaßliche Chef der Bande, und sein Sohn Giorgi T. (21) sitzen getrennt von den anderen auf der Anklagebank. Ein Mitglied der Viererbande, Levan M. (37), behauptet, ein „Soldat“ der Bande zu sein. Teimuraz I. verfolgte den Prozess mit georgischer Simultanübersetzung und gespanntem Gesichtsausdruck von der Anklagebank aus. In diesem Prozess übersetzte eine Dolmetscherin vom Luxemburgischen ins Französische. Eine zweite Dolmetscherin übersetzte vom Französischen ins Georgische.

Levan M. sei stolz, die Polizei an der Nase herum geführt zu haben und behauptet, dass er alleine auf Einbrechertour war. Der Vorsitzende Richter glaubte ihm kein Wort, hielt die Story für eine „Unverschämtheit.“ Levan gab sich überlegen, sagte vor Gericht, dass er eine langjährige Erfahrung als Einbrecher habe. Dem Vorsitzenden Richter konnte er jedoch nicht erklären, warum der „Onkel“ und sein Sohn im Besitz der Beute waren. In der Hierarchie dieser Bande ist es so: Falls ein Vorort-Spezialist erwischt und verurteilt wird, kümmert sich die Organisation um die Familien und rekrutiert neue Einbrecher. So geht es in dem Prozess letztlich nur noch um die „Ehre.“

Von Levan M. heißt es, er sei ein extrem loyales Mitglied der Bande. Aber in all seiner Loyalität ist er eben auch nur ein Befehlsempfänger für das, was die Bandenchefs von ihm wollten.

Wie versteinert stand Levan vor den Richtern, während sein Anwalt Me Eric Says die Zahl der Einbrüche zurückwies. Sein Mandant sei der einzige Einbrecher in der Bande, der gewisse Taten nicht bestreitet. Es seien keine acht Einbrüche, sondern nur fünf, erläuterte sein Anwalt. „Ich gestehe keine Taten, die ich nicht begangen habe.“, beteuerte Levan.

Der Vorsitzende Richter nannte ihn deshalb ein „Bauernopfer.“ Die drei anderen Männer erklärten ausnahmslos, sie hätten sich nichts zuschulden kommen lassen. Die Verteidiger plädierten deshalb aufgrund Mangels an Beweisen auf Freispruch für ihre Mandanten.

„Soldat“ bereits aktenkundig

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Guy Breistroff beantragte harte Strafen für drei von vier Beschuldigten. Juri T., der „Onkel“, soll wegen Hehlerei und Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung für fünf Jahre hinter Gitter. Bewährung ausgeschlossen. Giorgi T. soll wegen Hehlerei und Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung für vier Jahre ins Gefängnis. Eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung sei hier möglich, weil der Beschuldigte nicht vorbestraft sei. Levan M., der „Soldat“, der bereits aktenkundig ist, soll für vier Jahre hinter Gitter. Bewährung auch hier ausgeschlossen. Für Teimuraz I. forderte der Vertreter der Staatsanwaltschaft 15 Monate Haft ohne Bewährung. Er wurde von dem Straftatbestand „Mitglied einer kriminellen Vereinigung“ freigesprochen.

Das Urteil wird am 19. Dezember gesprochen.