LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Heute ist Welt-Hepatitis-Tag: Hunderte Millionen Menschen weltweit leiden an den Viren – Viele, ohne es zu wissen

Laut Weltgesundheitsorganisation sollen rund 328 Millionen Menschen weltweit von Hepatitis betroffen sein. Die meisten Infizierten allerdings wissen gar nichts davon: Oft finden sie das erst heraus, wenn sich die Folgen dieser Viruserkrankungen zeigen. Und die können tödlich verlaufen, indem sie etwa Leberkrebs oder Leberzirrhose hervorrufen. Wie bei allen Krankheiten gilt: Was sie früher erkannt werden, desto besser liegen die Genesungschancen. Um über Hepatitis aufzuklären, hat die „World Hepatitis Alliance“ bereits 2007 einen internationalen Tag ausgerufen, der seit 2011 immer am 28. Juli begangen wird, dem Geburtstag des Hepatitis-B-Entdeckers Baruch S. Blumberg; das Hepatitis-Virus, das weltweit die meisten Menschen betrifft.

Gefahr von Leberzirrhose oder gar Krebs

Es handelt sich dabei im die Nummer Eins unter den sexuell übertragbaren Krankheiten. Aber das Virus kann auch durch Blut übertragen werden, etwa durch den Gebrauch benutzter Spritzen – Drogenkonsumenten sind deshalb eine Bevölkerungsgruppe, die besonders anfällig ist - oder bei Tattoos und Piercings etwa, die nicht unter fachgerechten hygienischen Bedinungen durchgeführt werden. Es gibt eine Impfung – in Luxemburg werden alle Babies gegen Hepatitis B geimpft, aber bei fünf Prozent der Patienten wird der Virus chronisch und kann Leberkrebs hervorrufen.  
Keine Impfung gibt es bislang gegen Hepatitis C, das sich über Blut überträgt, auf den gleichen Wegen wie Hepatitis B. In 70 Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung chronisch und riskiert, die Leber in starke Mitleidenschaft zu nehmen. Allerdings gibt es hier antivirale Behandlungen, welche in 90 Prozent der Fälle zur Genesung führen, falls der Virenbefall rechtzeitig erkannt wird. Deshalb sind Früherkennungsprogramme sehr wichtig.   Insgesamt sind fünf Hepatitis-Viren derzeit bekannt: Neben den chronischen B und C-Typen gibt es Hepatitis A, das über ungeschützten Oral- und Analsex sowie über mit den Viren belastetes Wasser übertragen wird. Hier gibt es eine Impfung, eine Behandlung gibt es nicht, denn die Gesundung tritt relativ schnell ein.  Hepatitis D gilt als das gefährlichste Virus dieses Typs, insbesondere weil es immer mit Hepatitis B gemeinsam auftritt und dessen Effekte verstärken kann.

1,5 Millionen Tote jährlich weltweit

Hepatitis E dann ist nicht chronisch, kann aber in 20 Prozent der Fälle akute Gelbsucht auslösen. Es kann durch Blut übertragen werden, aber auch durch rohes Fleisch von Haus- und Wildschweinen sowie Rotwild, aber auch durch ungewaschene Feldfrüchte, die mit Mist gedüngt wurden.  
Laut Weltgesundheitsorganisation sterben weltweit jährlich rund 1,5 Millionen Menschen an den Folgen der Hepatitis-Viren – Tendenz steigend. In Europa wird die Zahl der Betroffenen von Hepatitis B und C jeweils auf 15 Millionen geschätzt. Die beiden Krankheiten verursachen jährlich rund 170.000 Todesfälle in der Region. In Luxemburg wird die Zahl der Betroffenen auf um die 5.000 geschätzt. Laut Gesundheitsministerium sind bis dato rund 342 Hepatitis B- und 279 C-Fälle bekannt, darunter Patienten, die bereits länger betroffen sind. Zudem waren in diesem Jahr acht akute Hepatitis-A und sechs akute Hepatitis-E-Fälle aktenkundig.  Um die Krankheiten schneller zu erkennen und wirksamer zu bekämpfen, wurde Ende 2017 der erste nationale Hepatitisplan (2018-2022) beschlossen, in dem es um Prävention geht, um Überwachung und Forschung aber vor allem auch um den Zugang zu Impfungen und Behandlungen sowie die medizinische aber auch psychosoziale Begleitung der Betroffenen.  

WHO: Der Traum einer Hepatitis-freien Zukunft kann verwirklicht werden

Den Welt-Hepatitistag 2020 hat die Weltgesundheitsorganisation unter das Motto „Der Traum von einer Hepatitis-freien Zukunft“ gestellt. Eine Zukunft, die erreichbar sei, wenn die ununterbrochene Fortsetzung der Hepatitis-B-Impfprogramme gewährleistet, Test- sowie Behandlungsangebote für Hepatitis B und C ausgeweitet und die Forschung die notwendigen Mittel bekommt, um weiter effiziente Impfstoffe und Therapien zu entwickeln. Diese Bemühungen dürften auch während der Covid-19-Pandemie vernachlässigt werden, mahnt die WHO.  
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