LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Grenzwertüberschreitung: Hohe Salz-Belastung durch französische Industrieeinleitungen

Es zeugt von schlechten Umgangsformen, seinen Müll in die Vorgärten anderer Leute zu kippen. Im konkreten Fall geht es nur mittelbar um Gärten, sondern um Abfälle, die im Flusswasser oder sogar im Trinkwasser anderer Leute landen. Es gehört wenig Polemik dazu, festzustellen, dass es die französische Industrie noch nie sonderliche mit der Rücksichtnahme auf Natur und Nachbarn genommen hat. Insbesondere die Soda- und Salzproduzenten in Lothringen und im oberen Elsass sind wenig zimperlich bei der Einleitung ihrer Abfälle in Mosel und Rhein.

Eine parlamentarische Anfrage des liberalen Abgeordneten Gusty Graas hat wieder einmal auf diesem Umstand hingewiesen. Graas bezieht sich in seiner Frage an Umweltministerin Carole Dieschbourg auf eine Pressemitteilung des Komitees für das Rhein-Maas-Becken. Darin wird auf die hohe Chlorid-Belastung der Mosel aufmerksam gemacht. Verantwortlich für den hohen Salzgehalt der Mosel auf französischem Gebiet seien zwei Sodafabriken südlich von Nancy.

Von der Ministerin wollte Grass nun konkret wissen, ob sie die Chlorid-Belastung im luxemburgischen Abschnitt der Mosel nennen könne, welche Gefahren eine mögliche Grenzwertüberschreitung mit sich bringen und was die Ministerin angesichts der Situation unternehmen will.

Dauerhafte Grenzwertüberschreitung

Der erhöhte Chlorid- beziehungsweise Salzgehalt der Mosel sei auf die Vorkommen von Natriumchlorid, also Salz, in Lothringen und die verarbeitende Industrie vor Ort zurückzuführen. Bei der Produktion von Natriumcarbonat und Natriumbicarbonat fallen die Chloride als Abfall an und werden in die Mosel eingeleitet. Das führt auch in Luxemburg zu hohen Belastungen. Laut Ministerin Dieschbourg sehen so die primären Fakten aus

An der Messstation Schengen sei 2014 eine durchschnittliche Chlorid-Belastung von 333 Milligramm je Liter festgestellt worden, der Spitzenwert lag bei 469 Milligramm je Liter. Damit wird der in Luxemburg seit 2002 geltende Grenzwert für Trinkwasser von 250 Milligramm je Liter regelmäßig überschritten. Das bedeutet nach Auffassung der Ministerin, dass das Moselwasser, würde es zur Trinkwassergewinnung genutzt - so genanntes Uferfiltrat - vor der Einspeisung ins Netz erst einmal aufwändig gereinigt werden müsste. Der hohe Salzgehalt des Wassers begrenzt auch eine industrielle Nutzung von ungeklärtem Moselwasser, etwa zur Kühlung von Anlagen, weil es zu starker Korrosion an den Leitungen führen würde. Erstaunlicherweise hat sich das Ökosystem der Mosel offenbar an die tägliche Dosis Salz gewöhnt.

Die luxemburgischen Behörden seien, so Ministerin Dieschbourg, auf dem Laufenden über die Situation und würden bei der Internationalen Kommission zum Schutz von Saar und Mosel (CIPMS) darauf dringen, dass auf französischer Seite etwas gegen die Salzeinleitung getan wird. Auch im mittelfristigen Plan des Komitees für das Rhein-Maas-Becken, von 2016 bis 2021, sei die Anpassung der Wasserqualität der Flüsse an die Vorgabe der europäischen Wasserrahmenrichtlinie vorgesehen. Eine Reduktion der industriellen Salzeinleitung durch die französischen Behörden sei zwingend.

Die ungenierte Einleitung von Chloriden durch französische Unternehmen beschäftigt auch andere Anlieger des Rheinbeckens, etwa die Region Oberrhein, ebenso die Rheinanlieger unterhalb der Einmündung der Mosel in den Rhein bei Koblenz.

Das Problem reicht von Schengen bis zur Nordsee.