LUXEMBURG
NICOLAS VAN ELSUÉ

Die Legalisierung des medizinischen Cannabis in Luxemburg verlief eher holprig, das bestätigt auch der Biomedizin-Wissenschaftler Nicolas Van Elsué. Nun verriet er Gründe für dieses eher stockende Anlaufen der neuartigen Behandlung und wie sie in Zukunft effizienter durchgeführt werden könnte.

„Medizinisches Cannabis wurde 2018 in Luxemburg legalisiert und die Ärzte begannen sechs Monate später mit der Verschreibung. Innerhalb dieses kurzen Zeitraums musste das Gesundheitsministerium eine Strategie hinsichtlich Produktauswahl, Import, Vertrieb, Verschreibung, Aufklärung, Sicherheit, Risiken und vieles mehr entwickeln. Trotz der Bemühungen, ihre Richtlinien und die Wissenschaft hinter dem medizinischen Cannabis zu erklären, blieben viele Angehörige der Gesundheitsberufe mit mehr Fragen als Antworten zurück. Weder die Ärzte noch die Krankenhäuser hatten einheitliche Richtlinien und Ratschläge für die Patienten und waren gezwungen, selbst Lösungen zu finden. Daher verzichteten viele Ärzte auf die Verschreibung von medizinischem Cannabis. Doch trotz der allgemeinen Unpopularität bei den Verschreibenden verbreiteten sich die Erfolgsgeschichten schnell und viele Kollegen überwiesen ihre Patienten an die wenigen Ärzte, die sich auf diese Behandlung spezialisiert haben.

Allerdings kann ein Arzt das medizinische Cannabis nur für wenige Gesundheitszustände verschreiben und ist auf 20 Verschreibungen beschränkt. Danach muss dieses vom Gesundheitsministerium ausgelieferte Heft zurückgeschickt werden und erst nach Erhalt und Genehmigung wird ein neues Heft freigegeben. Die Zeitintervalle sind hier sehr uneinheitlich, was zu vielen Verzögerungen bei laufenden Therapien führt, so dass Patienten sich auf einer Warteliste wiederfinden. Zu diesen Wartezeiten gesellten sich indes auch Probleme bei Herstellern und Vertrieb, was zu einem Mangel an medizinischem Cannabis für mehr als drei Monate geführt hatte. Ärzte und Krankenhausapotheken konnten den Patienten kaum Auskünfte geben, was für Verwirrung und Frustration gesorgt hat. Nachdem neue Blüten geliefert wurden, fehlten Informationen darüber, wann andere Formen (Öle und Kapseln) verfügbar sein würden.

Die Regierung ist während der Testphase von etwa 100 potenziellen Patienten ausgegangen. Diese Erwartungen wurden jedoch schon in den ersten Monaten weit übertroffen. Was nach der Testphase passieren wird, ist ebenfalls unklar, aber es ist offensichtlich, dass Luxemburg ungenügend vorbereitet war. Kanada hat 17 Jahre gebraucht, um seine Strategien zu optimieren, und befindet sich noch immer nicht am Ende dieses Prozesses. Obwohl Luxemburg aus deren Fehlern viel lernen kann, sollte es auch auf die eigene Bevölkerung schauen und eine Debatte mit allen beteiligten Akteuren führen. Klarere Richtlinien, die Umsetzung von Feedback, die Erhöhung der Produktvielfalt und die Einrichtung einer luxemburgischen Arbeitsgruppe für medizinisches Cannabis mit Experten und lokalen Akteuren könnten viele der aktuellen Probleme lösen und den Patienten ermöglichen, eine solche Behandlung zumindest auszuprobieren. Erste internationale Studien und auch die Erfahrungen mit den Patienten sind äußerst vielversprechend.“