LUXEMBURG
INGO ZWANK

Das „House of Automobile“ (HoA) will verunsicherte Kunden aufklären und begleiten

Der Luxemburger Konsumentenschutz ULC rief vor kurzem das Wirtschaftsministerium dazu auf, einen Gesetzesentwurf zur Einführung von Gruppenklagen vorzulegen. Am Beispiel der sogenannten „Dieselgate“-Affäre, die im September 2015 aufflog, beschrieb die UCL, dass eine Sammelklage dem Anliegen seiner Kläger wesentlich mehr Gewicht verleihen könne, als mehrere Einzelklagen. Aktuell wurden der ULC bereits über 30 Fälle gemeldet, bei denen Menschen durch den VW-Skandal geschädigt wurden. Dies ist nur ein Punkt, wie sich die „Dieselgate“-Affäre in Luxemburg ausgewirkt hat oder immer noch auswirkt.

Hierbei drehte es sich vor allem um erhöhte NOx-Werte. Besonders viel NOx entsteht eben beim Betrieb von Dieselmotoren. Weltweit hatten rund elf Millionen VW-Dieselmodelle eine betrügerische Software (sogenannte „defeat device“) im Motormanagementsystem versteckt, die Prüfstandszyklen erkennt, in Luxemburg waren 34.218 Wagen betroffen. Abseits dieser Zyklen deaktivierte sie die Abgasreinigungsysteme dieser Motoren teilweise oder ganz. Ein solches System ist sowohl in den USA als auch in Europa verboten.

Auch andere produzieren Staub

Erst beim diesjährigen Autofestival fiel auf, dass so mancher den „Diesel regelrecht verteufelt hat“, erklärt der Koordinator vom „House of Automobile“ (HoA), Ernest Pirsch, der die ganze Sache etwas relativiert. Sicher seien die Kunden gerade vor dem Festival dadurch verunsichert worden. „Es gab eine gewisse Skepsis“, sagt Pirsch, der hier genau ansetzt. „Die Kunden müssen daher aufgeklärt und vor allem auch begleitet werden“, unterstreicht der Koordinator, „es könnte uns als Händler ja egal sein, was der Kunde für ein Auto kauft, Benziner, Diesel, Hybrid oder auch Elektro. Doch es muss festgestellt werden, dass auch andere Staub ausstoßen, daher darf man nun nicht alleine die Dieselfahrzeuge verteufeln. Feststellen muss man - auch wenn das Thema sicherlich hier bei uns in Luxemburg relevant ist -, dass es aber doch nicht so breit getreten wurde, wie in anderen Ländern.“

Luxemburg zähle immer noch einen Anteil von 64,7 Prozent an Dieselneufahrzeugen. „Denn dies ist auch eine Frage der Fahrzeugnutzung, der Autonomie. Wenn man komplett von Diesel auf Benziner umstellen würde, dann hätten wir ein echtes Problem“ - auch lufttechnischer Art.

Was auch ein aktueller Test des deutschen Automobilclubs ADAC belegt. Denn die Benziner haben ebenfalls keine reine Weste: Hier ist laut ADAC oft Feinstaub das Problem. Nach dem Prüfverfahren haben etwa zwei Drittel der getesteten Autos einen zu hohen Ausstoß. So würden viele aktuell auf diesen Zug aufspringen, sagt Pirsch, „und die versuchen, ihr Knowhow an den Mann zu bringen und auch so manchen Schmu damit zu treiben.“

Fragwürdige Debatte

„Es wird hier etwas verdammt, obwohl jeder eigentlich weiß, dass doch recht viel in diesem Zusammenhang gemacht wird“, denn fest stehe nun einmal, dass sich die Technik auch weiterentwickele und die Autos immer sauberer werden, „dies zumal bei den Dieselfahrzeugen.“

Daher kann Pirsch auch nicht ganz die - wenn auch internationale - Debatte um weitere Besteuerungen und Einschränkungen für Dieselfahrzeuge in Städten nachvollziehen.

„Wer sich heute ein neues Dieselfahrzeug kauft, hat die Euro6 erfüllt“ - und gilt als recht sauber. Für neue Fahrzeugtypen wurde diese Schadstoffklasse bekanntlich verbindlich.

Für Fahrzeuge mit Ottomotoren ist der wichtige Stickoxid-Grenzwert auf 60 Milligramm, für Fahrzeuge mit Dieselmotoren auf 80 Milligramm pro Kilometer festgelegt.

DIESEL-GATE

Was alleine in diesem Jahr geschah

5. Januar Südkorea verhängt Verkaufsstopp über zehn Modelle von Porsche, BMW und Nissan. Das Umweltministerium verhängte ferner ein Geldstrafe in Höhe von 5,7 Millionen Euro
9. Januar „FBI verhaftet VW-Manager“ berichtet die „New York Times“. Die Zeitung beruft sich auf die Informationen zweier mit dem Fall vertrauter Personen.
10. Januar VW steht vor Einigung mit US-Behörden: Volkswagen hat in der Ad hoc-Mitteilung den Vergleichsentwurf mit dem US-Justizministerium und der US-Zollbehörede veröffentlicht: 4,3 Milliarden US-Dollar plus Schuldanerkenntnis und Beschreibung der Fakten.
11. Januar VW zahlt 4,3 Milliarden Dollar Strafe.
18. Januar Gericht verurteilt VW zu Kaufpreis- Rückzahlung: Geht es nach dem Landgericht Hildesheim, muss Volkswagen einem Skoda-Fahrer den vollen Kaufpreis für seinen Yeti zurückzahlen.
26. Januar EU-Kommissarin Bieñkowska erlässt einen Leitfaden zur Beurteilung von Abschalteinrichtungen in der EU, eine Verwendung ist eindeutig verboten - mit Ausnahmen.
27. Januar  Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen VW-Chef Winterkorn.
3. Februar Ferdinand Piëch sagt gegen Winterkorn aus
6. Februar VW-Aufsichtsrat Jörg Hofmann will Ansprüche gegen den ehemaligen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch prüfen lassen.
15. März Durchsuchungen bei Audi: Die Polizei hat an diesem Mittwochmorgen damit begonnen, Büros der Audi-Konzernzentrale in Ingolstadt sowie am Standort in Neckarsulm zu durchsuchen. Die Staatsanwaltschaft München II sucht nach Belegen für den Verdacht, dass Audi ein „defeat device“ eingebaut hat.
16. März  VW-Manager Oliver Schmidt bleibt bis zu seinem Prozessauftakt im Januar 2018 in Haft, obwohl er eine Kaution in 1,6 Millionen Dollar Höhe hätte aufbringen können. Es drohe Fluchtgefahr. Schmidt war von 2012 bis 2015 leitender Manager des Umwelt- und Ingenieurbüros von VW-USA. Ihm wird eine direkte Verantwortung an der Manipulation der Abgaswerte vorgeworfen. Ihm drohen bis zu 169 Jahre Haft.
22. März Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Ermittlungen gegen Daimler-Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Betrug im Zusammenhang mit Abgas-
Manipulationen bei Dieselfahrzeugen aufgenommen. (LJ/DPA)