COLETTE MART

Seit 1981 wird jedes Jahr am 25. November der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen zelebriert, der vor allem Themen wie Zwangsprostitution, sexueller Missbrauch, Sextourismus, Vergewaltigung, weibliche Beschneidung, häusliche Gewalt, vorgeburtliche Geschlechtsselektion und Zwangsheirat aufgreifen soll. Die Tatsache, dass Frauen in den meisten Ländern der Welt oft verheerenden Formen der Gewalt ausgesetzt sind, beeinträchtig ihre Gesundheit, das Wohlergehen ihrer Kinder, fördert das Armutsrisiko, und beeinträchtigt die aktive Teilnahme an der Gestaltung der Gesellschaft und des öffentlichen Lebens.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prangert die Gewalt gegen Frauen als gravierendes Gesundheitsrisiko ein. Nach Angaben der WHO werden weibliche Mordopfer in zahlreichen Ländern in mehr als der Hälfte der Fälle von ihrem Partner getötet; jede fünfte Frau wird in ihrem Leben Opfer sexueller Gewalt, was gesundheitliche Probleme und auch soziale Ächtung mit sich bringt. Als sexualisierte Gewalt gilt auch die Verheiratung minderjähriger Mädchen, die zu sexuellen Beziehungen gezwungen und der Aids-Gefahr ausgesetzt werden. Sexuelle Gewalt gegen Frauen grassiert auch bei bewaffneten Konflikten, und die kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien, Kongo und Darfur sollten in diesem Sinne unsere Aufmerksamkeit mobilisieren. Im Kongo werden schätzungsweise jeden Tag 36 Frauen vergewaltigt und brutal misshandelt, in der Krisenregion Darfur ist sexualisierte Gewalt sehr verbreitet, und während des Konfliktes in Bosnien in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden schätzungsweise 20.000 bis 50.000 Frauen vergewaltigt, mitten in Europa. Durch sexuelle Gewalt verbreitet sich HIV noch schneller. Darüber hinaus werden jedes Jahr etwa zwei Millionen kleine Mädchen genitalverstümmelt, eine Intervention, die sie für ihr Leben lang gesundheitlich und psychologisch quält. Die Konsequenzen sexualisierter Gewalt sind nach Ansicht der WHO weltweit Depressionen und Alkoholprobleme bei Frauen, eine höhere Wahrscheinlichkeit der Infizierung mit Geschlechtskrankheiten, und eine höhere Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen.

Gewalt gegen Frauen nimmt jedoch prozentual ab in jenen Ländern, in denen der Lebensstandard zunimmt. Die Gewalt steht also in direktem Zusammenhang mit der Armut. Allerdings bleibt zu unterstreichen, dass auch in reichen Ländern Gewalt gegen Frauen in allen gesellschaftlichen Schichten existiert und das Selbstbewusstsein der Frauen und Mädchen untergräbt. Im Jahr 2012 erhielt der kongolesische Frauenarzt Denis Mukwege den alternativen Nobelpreis, da er in einer Spezialklinik im Kongo seit zehn Jahren Vergewaltigungsopfern hilft. Der Einsatz gegen Gewalt an Frauen erfordert noch immer Zivilcourage in allen Gesellschaften, und es wurde bereits versucht, Mukwege umzubringen.

Auch in Europa, das mit einem gravierenden Problem des Menschenhandels und der Zwangsprostitution konfrontiert ist, bringt der öffentliche Einsatz für die Rechte der Frauen noch immer Hänseleien ein. So als habe man es bei Gewalt an Frauen nach wie vor mit Kavaliersdelikten zu tun.