ETTELBRÜCK
CLAUDE KARGER

In den Kulissen des Ettelbrücker „Centre de Soins Avancés“

Seit vergangenem Freitag sind sie alle operationell: die vier „Centres de Soins Avancés“ (CSA), die Erstversorgungsstellen im Dispositiv gegen das Covid-19- Virus. „Gestern war der betriebsamste Tag mit insgesamt 374 Patienten“, erklärt Dr. Pierre Hertz, Hauptkoordinator der Versorgungszentren bei einem Pressetermin am Donnerstagnachmittag in der „Däichhal“ in Ettelbrück.

Insgesamt haben sich seit dem Start der Zentren, welche die bei einem Patientenansturm nur unzureichenden „Maisons médicales“ abgelöst haben, rund 2.500 Personen mit gesundheitlichen Problemen in den CSA gemeldet, die außer in Ettelbrück in der LuxExpo auf Kirchberg, in der Rockhal in Belval sowie im Grevenmacher Kulturzentrum angesiedelt sind. Belval ist derzeit am betriebsamsten, hier werde die Zahl der anwesenden Ärzte auf vier gesteigert. Insgesamt rund 140 Gesundheitsfachleute und Freiwillige sind täglich im Einsatz in diesen Zentren, die für eine Ansturm von Patienten ausgelegt sind. Das große CSA in der LuxExpo könnte 1.500 Patienten täglich betreuen. Alle sind nach dem gleichen Schema aufgebaut, so dass auch wenn Fachpersonal und Freiwillige sich sofort wiederfinden, wenn sie in ein einem anderen Versorgungszentrum zum Einsatz kommen.

Vor der „Däichhal“ auf dem Parkplatz steht ein grünes Zelt, in dem Patienten - die entweder von ihrem Arzt zum CSA geschickt werden, oder aber aus eigenen Stücken kommen - Abstriche für einen Covid-19-Test genommen werden. 24 Stunden dauert es etwa, bis die Resultate vorliegen - schnellere Tests wurden bereits unter anderem von der Siemens-Tochter Fast Track Diagnostics in Esch-Alzette entwickelt, die Zulassung des Verfahrens, das den Virus in nur drei Stunden feststellen kann, wie einer gestrigen Pressemitteilung zu entnehmen ist, wird derzeit von der Weltgesundheitsorganisation geprüft.

Auch psychologische Unterstützung

Aber zurück zu den Patienten: Während einige wieder nach Hause fahren, um dort auf die Testresultate zu warten, werden jene mit augenscheinlichen Gesundheitsproblemen in die „Däichhal“ gebeten. Dort gibt es zwei verschiedene, streng getrennte Bereiche: einen für Leute mit Covid-19-Symptomen, einen anderen für „patients non-suspects“. Nachdem sie empfangen wurden und ihnen eine Patientenkarte ausgestellt wurde - CNS-Krankenversicherungskarte und Ausweis deshalb nicht vergessen - durchlaufen sie mehrere Etappen. Zunächst stellen Krankenpfleger die wesentlichen Gesundheitsparameter fest (Temperatur, Blutdruck...). Dann geht es in ein anderes Zelt zur Konsultation beim Arzt.

Die „non-suspects“-Patienten bekommen am Ende eine Verordnung für Medikamente und/oder für eine Konsultation an anderer Stelle. Die Covid-19-Patienten werden je nach Schwere der Erkrankung mit einer Arzneimittelverordnung nach Hause in die Quarantäne geschickt oder aber in eine Klinik verwiesen. Den Medizinern steht im Verdachtsfälle-Bereich zwar mehr Material für Untersuchungen zur Verfügung, aber „die CSA sind keine Mini-Kliniken“ wie Dr. Hertz unterstreicht, der auch die Beibehaltung des Bereichs für nicht-Covid-19-suspekte Patienten verteidigt. Über den Nutzen dieser Schiene waren Zweifel aufgekommen. Für den Koordinator, der darauf hinweist, dass das CSA-System gemeinsam mit der Ärzteschaft erstellt wurde, ist es aber wichtig, sie beizubehalten, um die Covid-19-Fälle von den anderen zu trennen und somit eine Ansteckung zu vermeiden. Zudem sind die meisten Arztpraxen ja geschlossen, Ärzte schicken mehr Patienten in die CSA. Wie Hertz ebenfalls unterstreicht, ist in den CSA auch eine psychologische Betreuung gesichert. Für die Kranken ist es ohnehin nicht einfach, das beginnt schon damit, sich von maskierten Leuten betreuen zu lassen, die man nicht unbedingt kennt. Aber auch für das CSA-Personal sei es eine neue und demnach stressige Situation - vor allem für die Freiwilligen, die erstmals in ihrem Leben mit einer solchen konfrontiert sind.