LUXEMBURG
ANNE-MARIE HANFF

Unter den aktuellen Bedingungen könne die Pflege kaum mehr sein als die Abwicklung eines unzureichend versicherten Schadensfalls. Es bestehe dringender Handlungsbedarf. Die Politik bleibt jedoch unbeeindruckt, meint Anne-Marie Hanff, diplomierte Krankenpflegerin, Pflegewissenschaftlerin sowie Generalsekretärin der ANIL und redet Klartext.

„Wenn wir momentan nur zehn Prozent unseres Bedarfs an Pflegenden decken können, wie möchte die Regierung die pflegerische Versorgung in Zukunft garantieren?! Ja, die künstliche Intelligenz kann eines Tages die Pflege bei der Verrichtung ihrer Aufgaben unterstützen, aber niemals können Roboter die Pflege ersetzen. Eine zentrale Kompetenz der Pflege, welche sie niemals erreichen können heißt Einfühlungsvermögen. Und ja, diese Problematik herrscht auch in anderen Bereichen. Grund genug, das Thema nicht zu beachten? Frei nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid?

Ich möchte aber mit konkreten Argumenten an die breite Öffentlichkeit herantreten und die Notwendigkeit sichtbar machen. Um die Bedürfnisse des Patienten und die Situation einschätzen zu können, nehmen Pflegende wichtige Hinweise wahr und interpretieren diese. Mit zunehmender Berufserfahrung erkennen Pflegende etwa ganz feine Veränderungen und verhindern damit frühzeitig Komplikationen bevor medizinische Überwachungsgeräte dazu überhaupt in der Lage sind. Im Moment ist die Pflege jedoch eher damit beschäftigt, auflodernde Flammen zu löschen anstatt vermeidbaren Bränden vorzubeugen.

Dies zeigt sich ebenfalls durch die Abnahme der Präsenz der Pflegenden bei den Betroffenen. Der Gesundheitszustand der Patienten kann nur in unzureichenden Abständen beobachtet werden. Komplikationen werden erst spät erkannt. Dem wird durch die Tatsache, dass die Pflege vermehrt durch andere, finanziell günstigere, Berufsgruppen ersetzt wird, nicht gerade entgegengewirkt. Internationale Studien bestätigen dies. Die Folge: Frühzeitige Berufsausstiege. Das restliche Personal hält aus, versucht sein Bestes und kneift die Augen zu. Eine sehr gefährliche Situation mit nachhaltigen Folgen für unser Berufsbild und dessen Attraktivität. Dem möchte die aktuelle Regierung anscheinend entgegenwirken.

Mit ein paar Plakaten wird es aber nicht getan sein. Möchte die aktuelle Regierung die Pflegequalität wirklich verbessern, muss sie das Problem an der Wurzel packen! Der Luxemburgische Berufsverband der Krankenpflege (ANIL) hat den Parteien sowie der Luxemburgischen Regierung mehrmals ihre Forderungen mitgeteilt. Trotzdem wurde keine der Forderungen ins Koalitionsprogramm aufgenommen.

Es macht mich wütend mitzuerleben, wie ein solch wichtiges politisches Amt wie das des Gesundheitsministers von einem Politiker zum Nächsten zugeschoben wird. Es bleibt zu hoffen, dass der neue Gesundheitsminister es schafft, dieses Amt ‚so nebenbei‘ wahrzunehmen. Ja, es handelt sich dabei um eins der herausfordernden politischen Ämter, aber liebe Politiker, es ist eure Pflicht, endlich Verantwortung zu übernehmen!

Pflege geht uns alle an! In den verletzlichsten Situationen Ihres Lebens kümmern sich Pflegende um Ihre Anliegen! Jetzt bittet die Pflege Sie um Hilfe und Unterstützung: Treten Sie an die Politiker heran und fordern Sie ihr Recht auf eine menschenwürdige, qualitative Pflege ein!“

Falls Sie Unterstützung benötigen, kontaktieren Sie uns unter anil@anil.lu