LUXEMBURG
INGO ZWANK

Fast 700 manipulierte Fußballspiele - FLF: Großherzogtum nicht betroffen

Der Wettskandal hat enormes Ausmaß - und erschüttert erneut die Glaubwürdigkeit des Fußballs: Etwa 380 Spiele in zahlreichen Ländern soll die internationale Wettmafia laut der europäischen Polizeibehörde Europol manipuliert haben. Mindestens 425 Menschen aus 15 Staaten waren demnach an den millionenschweren Betrügereien beteiligt, unter ihnen Spieler und Verantwortliche von Klubs und Verbänden (wir berichteten).

„Wir wurden von keinem, weder FIFA noch UEFA noch anderen offiziellen Stellen darüber informiert, dass Luxemburg in irgend einer Weise in diesen Skandal verstrickt ist oder sein könnte“, kommentierte der Generalsekretär des Luxemburger Fußballverbandes FLF, Joël Wolff, die Geschehnisse. Nur über die Presse habe er über die Aktion von Europol erfahren, über die Aktionen und aufgedeckten Geschehnisse, die „ja teils doch etwas zurückliegen, wenn man die Fälle in Deutschland betrachtet.“ Denn Deutschland hat seinen Anteil am schmutzigen Geschäft rund ums runde Leder: Bei Wetten auf verschobene Spiele sollen hierzulande einem Bericht der britischen BBC zufolge 16 Millionen Euro umgesetzt und dabei acht Millionen Euro Gewinn gemacht worden sein.

Europol-Direktor Rob Wainwright appellierte auf der Pressekonferenz: „Alle Verantwortlichen im Fußball sollten die Warnungen hören, die von diesen Fällen ausgehen.“ Denn die 380 Spiele sind zumeist keine Partien unterer Spielklassen - es geht unter anderem um zwei Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft und zwei Spiele der Champions League sowie weitere Topbegegnungen aus den obersten nationalen Ligen. Darüber hinaus spürten die Ermittler noch 300 weitere verdächtige Spiele außerhalb Europas auf.

Die Drahtzieher der Betrügereien saßen in Singapur, erläuterte der Leiter der in Bochum ansässigen Ermittlungskommission „Flankengott“, Friedhelm Althans, in Den Haag. Pro Spiel seien bis zu 100.000 Euro Schmiergeld geflossen, um die Spiele in die gewünschte Richtung zu lenken.